Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Vielfalt schützen per Gesetz, nicht erst morgen, sondern jetzt", lautete das Motto des CSD.
+
„Vielfalt schützen per Gesetz, nicht erst morgen, sondern jetzt", lautete das Motto des CSD.

CSD

Christopher-Street-Day: 8500 Menschen feiern auf dem Frankfurter Römerberg

  • VonRenate Hoyer
    schließen

Sie haben sich von der Pandemie nicht unterkriegen lassen: Rund 8500 Menschen feierten den Christopher-Street-Day auf dem Frankfurter Römerberg.

Frankfurt – Ein Gefühl der Unbeschwertheit liegt in der Luft an diesem Christopher-Street-Day (CSD) auf dem Frankfurter Römerberg. Die Stimmung ist locker und gelöst, Menschen liegen sich in den Armen. Nur die Masken in Regenbogenfarben zeigen, dass etwas anders ist als die Paraden der vergangenen Jahre.

Es gibt etwas aufzuholen. Nachdem der CSD im vergangenen Jahr aufgrund der Corona-Pandemie nur als kleiner Autokorso stattfinden konnte, drängen in diesem Jahr laut Polizeiangaben etwa 8500 Menschen auf die Straßen rund um das Frankfurter Rathaus in der Innenstadt.

Christopher-Street-Day in Frankfurt: Wetteifern um die schönsten Kostüme.

Christopher-Street-Day in Frankfurt: Bunte Federkostüme und Fingernägel mit goldenem Muster

Der Demonstrationstag gegen die Diskriminierung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Trans- und anderen nichtheterosexuellen Menschen (LGBTIQ+) wird normalerweise in Form großer Paraden, Festivals und Infoständen in Städten auf der ganzen Welt gefeiert. Seinen Ursprung hat der CSD 1969 im Protest homosexueller Menschen und Transpersonen gegen Polizeiwillkür und Gewalt in New York.

Basti ist in Begleitung von Miss Shangri-Lah auf dem Römer in Frankfurt. Der IT-Softwaredesigner trägt eine Zirkusuniform, während Dragqueen Shangri-Lah ein ausladendes und buntes Federkostüm präsentiert. Die blonde Perücke ist hoch toupiert, die Fingernägel mit goldenen Muster verziert – dennoch ist zweifelsohne das Make-up der Hingucker. Dafür hat sie sich am Morgen besondere Mühe gegeben. „Ich arbeite als Kostümdesignerin, allerdings seit über einem Jahr ohne Job und damit auch ohne die Möglichkeit, mich so aufwendig zu schminken“, sagt Shangri-Lah. Sie freut sich, dass der CSD trotz der Restriktionen stattfinden kann.

Regenbogenflagge wird beim Christopher-Street-Day in Frankfurt vom Balkon des Rathauses gehisst

Daneben stehen Joy und Meike. Die 21- und die 18-Jährige sind regelmäßig auf den Paraden im ganzen Land unterwegs, in diesem Jahr haben sie wieder eine CSD-Tour durch Deutschland geplant. Das vergangene Jahr haben sie als anstrengend empfunden, besonders für Menschen aus der Community wie sie. „Ich möchte heute ein Statement dafür setzen, dass es total normal ist, Menschen des gleichen Geschlechts zu lieben“, sagt Meike. Joy ergänzt: „Ich habe das Gefühl, dass im vergangenen Jahr die Homophobie in den sozialen Netzwerken zugenommen hat. Aber auch im echten Leben erlebe ich als Mitarbeiterin im Einzelhandel tagtäglich komische Blicke, die mir Menschen wegen meines Regenbogenarmbands zuwerfen.“

Auch Kai Klose, hessischer Integrationsminister, bestätigt den Eindruck der Folgen des Lockdowns und der Kontaktbeschränkungen für die LGBTIQ+-Community. Der Grünen-Politiker spricht davon, dass Krisen vor allem die Schwächsten der Gesellschaft am stärksten träfen, die sowieso schon unter Diskriminierung und Stigmatisierung zu leiden hätten. „Aus diesem Grund stehen wir heute hier zusammen und setzen ein Zeichen für Solidarität“, sagt Klose im Schatten der Regenbogenflagge, die pünktlich um zwölf Uhr vom Balkon des Rathauses gehisst wird.

Christopher-Street-Day in Frankfurt: Bunt - aber mit Maske.

Für Sylvia Weber ist es der letzte CSD in ihrem Amt als Integrationsdezernentin der Stadt. Die SPD-Stadträtin wird in der neuen Legislaturperiode von der Grünen-Kommunalpolitikerin Nargess Eskandari-Grünberg abgelöst. „Frankfurt und Vielfalt gehört einfach zusammen“, sagt Weber auf der Kundgebung. Die Dezernentin hatte sich in den vergangenen Jahren für den Erhalt von Schutzräumen eingesetzt.

Menschen aus der LGBTIQ+-Community würden öfter Opfer von Gewalt, auch im häuslichen Kontext, und seien deswegen besonders auf Beratungs- und Hilfsangebote angewiesen. Auch die neue Koalition im Römer habe sich die Bekämpfung von Homo- und Transphobie und die finanzielle Unterstützung von diskriminierungsfreien Räumen vorgenommen.

Schweigeminute für die an Aids Verstorbenen beim Christopher-Street-Day in Frankfurt

Eine solche Beratungsstelle ist die Aidshilfe Frankfurt, die an diesem CSD eine Schweigeminute für die an Aids, aber auch alle anderen aus der LGBTIQ+-Community Verstorbenen organisiert hat. Für eine kurze Zeit ist der mit Tausenden Menschen und Farben gefüllte Römerberg still, bevor schwarze Luftballons in den Himmel steigen und alle der Toten gedenken. Allein 51 Menschen aus Frankfurt seien im vergangenen Jahr an Aids gestorben, berichtet die Aidshilfe.

Nach der Kundgebung setzt sich der Demonstrationszug langsam in Bewegung Richtung Konstablerwache. Auf hohen Plateauschuhen ragt aus der Menge eine Dragqueen heraus, die eine extravagante Kopfbedeckung trägt. Ihr Hut ziert ein übergroßes Coronavirus, das vollständig mit Glitzer beklebt ist. Die Pandemie ist allgegenwärtig, aber die LGBTIQ+-Community hat sich vom Lockdown nicht unterkriegen lassen. Andreas Gerlach vom Verein CSD in Frankfurt ist überwältigt von der großen Resonanz, trotz Corona-Regeln und verkleinerter Veranstaltung. „Es ist der Wahnsinn. Das zeigt, wie groß der Bedarf an Sichtbarkeit als Wunsch aus der Community ist.“ (Renate Hoyer)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare