Frankfurt

„Chill-Abend“ in Alt-Sachsenhausen“ endet mit Messerstich

Prozess wegen versuchten Totschlags

Wenn man es nicht anders in Erinnerung hätte, könnte man als regelmäßiger Beobachter von Strafprozessen in Frankfurt auf den Gedanken kommen, bei „Alt-Sachs“ handele es sich um ein Naherholungsgebiet für Intensivtäter. Auch der jüngste Prozess wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung, Widerstand und Drogenhandel gegen den 19 Jahre alten Alessandro L. und seinen ein Jahr älteren Kumpel Pedro B. ist dazu angetan, diesen Verdacht zu erhärten.

In der Nacht auf den 9. Februar dieses Jahres treffen L. und B. im Rahmen ihrer regelmäßigen „Chill-Abende“ in Alt-Sachsenhausen auf einen 18-jährigen Bekannten, der zwei Wochen zuvor Alessandro L. nach allen Regeln der Kunst ordentlich verdroschen hatte – „aber nur, weil ich so besoffen war“, wie L. vor dem Landgericht glaubhaft beteuert.

L. beschließt nach eigenen Worten, mit dem 18-Jährigen „den Sachverhalt zu klären“. Bei der Klärung des Sachverhalts fällt L. ein Messer aus der Tasche, das B. aufhebt und L. reicht, der es mit der Erklärung „jetzt bist du nicht mehr so krass!“ in den Bauch seines Kontrahenten sticht. Dem Schwerverletzten zieht Alessandro L. noch eine Bierflasche über den Schädel.

Die Polizei, die schon eine gewisse Übung bei Festnahmen von L. und B. hat, hat daher kurz darauf bei L. leichtes Spiel, während B. zünftig randaliert und vergebens versucht, den Beamten Kopfstöße zu verpassen.

Nachdem die Kammer geklärt hat, dass die anderen laufenden Verfahren gegen L. – eines davon wegen Körperverletzung – wegen Geringfügigkeit eingestellt worden sind, kann’s losgehen. L. leugnet jegliche Tötungsabsicht, er habe sich bloß verteidigen wollen und dabei das Messer aufgehoben, das vom Himmel oder von sonst wo vor ihn auf den Boden geplumpst sei.

„Besoffene Aussage“

Bei seinen beiden vorherigen Befragungen hatte er der Polizei anderes erzählt. Das erste Mal sei es „eine besoffene Aussage“ gleich nach der Tat gewesen, erklärt sich L. Beim zweiten Mal habe der Kummer wohl sein Aussageverhalten getrübt: Diese Aussage habe er gemacht, als die Polizei am 6. April in der Wohnung seiner Eltern, in der er haust, seine portionsfertig verpackten 170 Gramm Haschisch abgeholt habe, ohne zu bezahlen.

„Wenn 30 Polizisten morgens um sechs auf einen einstürmen, der Vater weint, die Mutter weint, dann ist das Leid in meinem Herzen so groß“, dass er Blödsinn babbele.

Dazu dürfte er noch reichlich Gelegenheit bekommen. Das Landgericht hat sich mehrere Verhandlungstage Zeit genommen, um den Sachverhalt zu klären.

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