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Einen Olditmer oder Sportwagen nachzubauen, dauert schon mal mehrere Jahre

Bergen-Enkheim

Oldtimer im Miniaturformat

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Miniatur-Bastler haben sich in der Stadthalle getroffen. Einen Olditmer oder Sportwagen nachzubauen, dauert schon mal mehrere Jahre

Der Porsche 956 ist noch lange nicht fertig. „Mehrere Jahre“ soll der Bau des Modellautos dauern. Das sagt Hugo Luyden. Der Hobby-Modellbauer hat das Chassis des Wagens am Sonntag bei der 20. „Modellauto-Ausstellung“ in der Berger Stadthalle trotzdem auf dem Tisch vor sich aufgestellt.

Denn das nackte Fahrgestell ohne Reifen des etwa 35 Zentimeter langen Nachbaus zeigt sehr gut die Detailverliebtheit, die Luyden in den Bau des Modellautos gesteckt hat. Brems- und Brennstoffleitungen hat der 56-Jährige einzeln gestrichen und versucht, möglichst originalgetreu nachzuarbeiten. Auch Anschnallgurte hat er hinzugefügt – alles Extras, die in der Bauanleitung so nicht vorgesehen waren.

Das erkennt ein Besucher an, der das unfertige Modell sofort fotografiert. Er sagt: „Es gibt Leute, die lassen den Motor weg, obwohl er beim Bausatz dabei war, weil man ihn unter der Motorhaube eh nicht sieht“. Die meisten der rund 60 Aussteller, die am Samstag und Sonntag in die Berger Stadthalle gekommen sind, gehören wohl nicht dazu. Hunderte Nachbauten von Autos, Flugzeugen, Hubschraubern und Raumschiffen haben sie an langen Tischreihen aufgebaut. Es wird gefachsimpelt, wie Einzelheiten an den Fahrzeugen gestaltet worden sind.

Hugo Luyden berichtet, er verbringe 20 Stunden wöchentlich mit seinem Hobby. In einer Ecke im Wohnzimmer bastele er, während seine Frau lese. Gemeinsam reisten sie zu Modellauto-Börsen europaweit. „Entspannung und Konzentration“, das reizt den gebürtigen Belgier, der in den Niederlanden lebt. „Durch die Konzentration vergisst man den Stress der Arbeit“, sagt Luyden und ergänzt: „Am wichtigsten ist das Soziale“.

Den Austausch mit anderen, seien es seine Klubkameraden oder Modellbauer auf den Börsen im In- und Ausland, findet er auch bedeutsam, um mehr über die Geschichte und Technik der Fahrzeuge zu erfahren, die er zusammen bastelt. Mit Skalpellen, Feile, Schleifpapier und kleiner Zange rückt Luyden den weichen Metall- und Kunststoffteilen zu Leibe. Ein Vergrößerungs-Visier, einen so genannten „Opti-Visor“, trägt er bei seinen Operationen für den besseren Durchblick auf dem Kopf.

Mit Pappe und Kleber gebastelt haben die Zwillingsschwestern Aileen und Jasmin Sandoval aus Rommelhausen bei Büdingen schon als kleine Kinder gerne, bis ihnen ihre Oma einen Bausatz für ein Modellauto schenkte. Da sei es um sie geschehen, erzählen die beiden 18-Jährigen. Am Wochenende haben sie ihre Sammlung von rund zwei Dutzend US-amerikanischen Replikaten mitgebracht. Hauptsächlich Oldtimer von Chrysler über Chevrolet bis zum Ford Pickup mit metallicfarbenem Wohnanhänger stehen vor ihnen.

Das „Kreativsein wie früher beim Basteln“, gefällt Jasmin am besten. „Im Modellbau ist alles möglich, es gibt keine Grenzen“, sagt die angehende Industriemechanikerin, die einige ihrer Modelle tiefer gelegt hat. Die Schwestern schrauben auch gerne an Mopeds herum. Drei davon haben sie zur Modellauto-Ausstellung mitgebracht. „Wir gehen auch reiten“, berichtet Aileen. Alles rund ums Thema Pferdestärken scheint die Zwillinge zu interessieren.

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