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Jörg Meuthen, Hans Joachim Mendig und Moritz Hunzinger beim Plausch. 

Hans Joachim Mendig

Chef der hessischen Filmförderung nach Treffen mit Meuthen unter Druck

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Hans Joachim Mendig hat sich im Juli mit dem AfD-Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen getroffen. Die Grünen fordern jetzt eine Erklärung, die Filmszene ist beunruhigt

Der Geschäftsführer der hessischen Filmföderung, Hans Joachim Mendig, gerät wegen eines Treffens mit dem AfD-Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen zunehmend unter Druck. Mendig solle sich zu dem Treffen erklären, teilte Mirjam Schmidt, die kulturpolitische Sprecherin der Grünen im hessischen Landtag, mit. „Das ist er den Film- und Kulturschaffenden schuldig“, sagte Schmidt.

Mitte Juli hatte Meuthen auf seinem Instagram-Kanal ein Foto veröffentlicht, das ihn selbst, Mendig und den Frankfurter PR-Manager Moritz Hunzinger bei einem lockeren Gespräch zeigt. Es habe ein „angeregter und konstruktiver politischer Gedankenaustausch“ stattgefunden, hatte Meuthen dazu geschrieben. Das für die Filmförderung zuständige hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst hatte erklärt, das Treffen habe laut Mendig nicht im Zusammenhang mit der HessenFilm und Medien GmbH gestanden, wie die Filmförderung offiziell heißt. Ministerin Angela Dorn (Grüne) teile die Verwunderung, die das Foto in der Filmszene ausgelöst habe.

Linke kritisiert Mendigs Treffen mit Meuthen 

Grünen-Politikerin Schmidt sagte, sie sei von Mendigs Verhalten irritiert. „Die Hessenfilm und Medien GmbH ist eine Institution, die entsprechend ihrer Förderrichtlinien der kulturellen Vielfalt in Hessen verpflichtet ist“, sagte Schmidt. Auch wenn jeder selbst entscheide, wen er treffe, könne man solche Entscheidungen auch hinterfragen, so Schmidt – „zumal wenn eine Person eine Landesinstitution und damit die Demokratie selbst vertritt“. Erste Produzenten hätten bereits erklärt, nicht mehr mit der Filmförderung zusammenarbeiten zu wollen, so Schmidt. Die Entfremdung zwischen Mendig und vielen Kulturschaffenden habe „einen neuen Tiefpunkt erreicht“.

Auch aus der Opposition im hessischen Landtag kam am Freitag Kritik. Die Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Janine Wissler, sagte der Frankfurter Rundschau, es sei „mehr als befremdlich“, dass Mendig sich zu einem Gespräch mit einem hochrangigen AfD-Politiker treffe. Im Landtag versuche die AfD, die Kulturszene unter Druck zu setzen, auch über die Infragestellung der Förderpraxis. „Der Eindruck, dass solche Leute Einfluss auf die hessische Filmförderung haben könnten, ist natürlich furchtbar“, so Wissler.

Treffen mit Meuthen „irritiert“

Die Gewerkschaft Verdi teilte unterdessen mit, der Regisseur Rolf Silber und die Filmproduzentin Heike Wiehle-Timm wollten ihre Tätigkeit in der Förderkommission der Hessenfilm aus Protest beenden. Der Darmstädter Filmemacher Hannes Karnick, der auch im Branchenverband „Initiative HessenFilm“ aktiv ist, sagte der FR, in der Branche gehe die Angst um, dass wegen der Debatte „ein Imageschaden für die hessische Filmszene“ entstehen könne. Aufgabe der Filmförderung sei es, Hessen als Filmstandort attraktiv zu machen, sagte Karnick. „Und das ist sicher keine Diskussion, die für so etwas hilfreich ist“.

Die HR-Fernsehjournalistin Esther Schapira schrieb auf Twitter, als Gremiumsmitglied innerhalb der hessischen Filmförderung sei sie über das Treffen Mendigs mit Meuthen „mehr als irritiert“. Sie halte es auch nicht für eine Privatangelegenheit. „Schweigen kann keine Option sein“, schrieb Schapira.

Von Hanning Voigts

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