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Chat-Freundin des Amokläufers

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Von: Stefan Behr

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15-Jährige wegen Nichtanzeigen einer geplanten Straftat von Jugendgericht verwarnt

Einer der furchtbarsten Amokläufe der Geschichte hat am Dienstag vor dem Amtsgericht ein sehr leises Echo erzeugt.

Am 24. Mai 2022 schoss der 18 Jahre alte Salvador Ramos in der texanischen Kleinstadt Uvalde auf seine Großmutter und verletzte sie schwer. Dann begab er sich schwer bewaffnet in die Robb Elementary School und erschoss dort 19 Schulkinder im Alter von neun bis elf Jahren und zwei Lehrerinnen und verletzte 15 weitere Kinder und einen Polizisten, bevor er selbst von der Polizei erschossen wurde.

Es war der 27. Amoklauf des Jahres an einer Schule in den USA – doch der mit den meisten Todesopfern seit dem Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School in Connecticut, bei dem zehn Jahre zuvor 28 Menschen starben.

Der Amoklauf hat längst seinen eigenen Wikipedia-Eintrag. Darin kommt auch Frankfurt am Main vor: „Ramos kündigte seine Tat in einem privaten Chat auf Facebook einem 15-jährigen Mädchen aus Frankfurt am Main an. Er hatte zunächst angekündigt, dass er seine Großmutter erschießen werde, und später geschrieben, dass er auf sie geschossen habe. Etwa eine Viertelstunde vor der Ankunft an der Schule schrieb er, dass er in einer nicht namentlich genannten Grundschule um sich schießen werde.“

Am Dienstag nun musste sich die 15-Jährige wegen Nichtanzeigens einer geplanten Straftat verantworten. Der Prozess wurde gänzlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt.

Details sind nur wenige bekannt. So soll das Mädchen auf die Nachricht ihres Chat-Freundes, er habe soeben seiner Großmutter in den Kopf geschossen, mit „Cool!“ geantwortet haben - eher ein Indiz, dass sie die Bemerkung nicht sehr ernst nahm. Die beiden hätten fast täglich gechattet, telefoniert und zusammen Onlinespiele gespielt, sie habe dabei nie außergewöhnliche Verhaltensauffälligkeiten registriert. Bis auf ein paar Kleinigkeiten.

In einem Interview mit dem Fernsehsender RTL hatte die 15-Jährige Ende Mai gesagt, dass Ramos, mit dem sie wohl fast täglich per Facetime telefonierte, „immer fröhlich ausgesehen und immer gern mit ihr gequatscht habe“.

Auffällig sei nur gewesen, „dass er anscheinend immer allein zu Hause war und nie erzählte, dass er Pläne mit Freunden hatte“. Und natürlich, dass er sich einmal damit dicketat, „tote Katzen auf Häuser in der Nachbarschaft geworfen“ zu haben. Sonst habe sie ihn als ganz normalen Jungen erlebt.

Am Tattag soll er sie noch angerufen haben, um ihr seine Liebe zu erklären und anzukündigen, sie in Frankfurt zu besuchen.

Kurz darauf schickte er die Textnachricht „Ich habe gerade meiner Großmutter in den Kopf geschossen“, kurz darauf „Ich werde gleich eine Grundschule zerschießen“. Das war die letzte Nachricht. Verhindern können hätte das Mädchen das Massaker wohl kaum, selbst wenn sie sofort die Polizei informiert hätte.

Letztlich sah das wohl auch das Gericht ähnlich. Die 15-Jährige wurde verwarnt; zudem wurde eine nicht näher definierte Erziehungsmaßnahme angeordnet. Das Urteil ist rechtskräftig.

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