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Die größte Zitrone der Welt! Oder ist es doch ein Kohlkopf?

Veranstaltung

370 Aussteller auf der Messe Land und Genuss in Frankfurt

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Die 370 Aussteller der Messe Land und Genuss locken am Wochenende mit feinsten Sachen zum Probieren und Kaufen.  

Wie gewohnt muss auch in diesem Jahr wieder eindringlich vom Besuch der Erlebnismesse Land und Genuss am Wochenende abgeraten werden. Es besteht sonst die Gefahr, dort nie mehr wegzuwollen, denn es gibt auf dieser Messe alles, was Zunge, Herz und Magen begehren: leckeres Essen, gesundes Essen, brillante Köchinnen und Köche, schöne und praktische Dinge, echte Tiere, das ehrliche Bestreben, etwas für die Umwelt zu tun – und Leute, die Ideen haben, wie es noch viel besser werden kann auf der Welt.

Das Schlimmste: Man darf fast alles probieren. Leute. So geht das doch nicht!

Und dann steht da auch noch Charly Körbel, die Eintracht-Legende, noch legendärischer seit seinem Auftritt beim Pokalfinale 2018 in Berlin und dem kürzlich gestarteten Kinofilm darüber, und ist offen für einen Plausch mit der FR. Die Auslosung für die Eintracht im Europapokal, Inter Mailand? „Überragendes Los“, sagt Körbel, „die werden zwar besser sein als Lazio Rom, aber so einen Gegner brauchst du einfach in der Euro-Phase.“ Gewinnen werde die Eintracht ziemlich sicher, denn der 14. März, Tag des Rückspiels in Mailand, ist der Geburtstag seiner Tochter, die auch beim Auswärtsspiel in Donezk dabei war. Was soll also passieren?

Eigentlich ist Körbel da, um übers Essen zu sprechen. In der Fußballschule der Eintracht bringt er schon den Kleinsten bei, wie wichtig gesunde Ernährung ist. Cola gibt’s nicht, Schokolade und Chips sollen raus aus den Rucksäcken. „Man muss das vorleben“, sagt der 64-jährige Körbel, der immer noch so fit wirkt, als könne er an diesem Sonntag im Spiel bei Hannover 96 ganz locker in der 66. Minute das 1:1 erzielen, per Kopfball, genau wie vor knapp 30 Jahren. „Die beste Waffe, die wir haben, bin ich. Die Kinder wollen ja auch alle in die Bundesliga. Ich sage ihnen: Mein Körper ist mein Kapital.“

Stück spazieren gehen. Im Hof der Messe gibt’s Tiere.

Sein Ertrag: jede Menge Applaus von den Messebesuchern, meist mit ordentlich Körperkapital angereist. Um dieses Kapital zu mehren, lauern an jedem zweiten Stand Wurst, Käse, Käse, Wurst, Senf, Kuchen, Gewürze, Schinken, Käse, Wurst, Kuchen, Honig, Marmelade, Wurst, Schnaps, Wein, Töpfe, Käse, Messer, Wurst, Outdoorbekleidung und Goldschmuck. Äh … – wieso Outdoorbekleidung und Goldschmuck?

Weil sich die Land und Genuss auch weiterentwickelt. Reinhard Grandke, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, die die Messe veranstaltet, berichtet bei der Eröffnung am Freitag, dass diesmal sogar die ganz großen Lebensmittelkonzerne vertreten sind. „Die Land und Genuss ist die Plattform, auf der sich Bioproduzenten und Konzerne treffen und Argumente austauschen können“, sagt Grandke. „Wir fördern hier auch den politischen Diskurs übers Genießen hinaus.“

Die Teilnehmer an diesem Diskurs beobachten sehr wohl, wie es sich auswirkt, dass auch in Discountern immer häufiger „Bio“ auf dem Etikett steht. Einzelhändler, die hohe Standards für Tierwohl und Umweltverträglichkeit ihrer Ware anlegen, werden von der Massenproduktion aus dem Markt gedrängt. Bio-Kompromissware in den Supermarktregalen ist fast durchgängig in Plastik verpackt. „Die Bezeichnung Bio darf nicht aufgeweicht werden“, sagt Joerg Weber vom Vorstand des Frankfurter Ernährungsrats, dies sei jedoch teils längst geschehen. Am Stand des Ernährungsrats im ersten Stock der Messehalle 1 informieren sich Einzelhändler, wie sie an regionale und ökologische Ware herankommen. Die Grünen-Politikerinnen Priska Hinz, hessische Umweltministerin, und Rosemarie Heilig, Frankfurter Umweltdezernentin, kommen zum Stand, der Wetterauer Landrat Jan Weckler (CDU) auch.

Hinz will den Anteil ökologisch produzierter Lebensmittel in Hessen bis 2025 auf 25 Prozent steigern. Heilig zeigt Mitleid mit Bauern: „Die Landwirtschaft hat’s schwer.“ Wie es weitergehen soll: „Hier können wir darüber diskutieren.“ Auch mit den Leuten von Slow Food, die auf Ebene 1 Kontakte knüpfen für eine Ernährungswende und große Erfolge mit ihrem Kochbuch erzielen. Das haben Kinder mitentwickelt. Darin: Rezepte, etwa für Buttermilchbrötchen und einen Brezelauflauf mit Tomaten. Slow Food sucht Sponsoren, der Kinderkochwagen muss dringend saniert werden. Die Klimawerkstatt nebenan sucht Stadtgärtner und hat viel vor in diesem Jahr.

Probieren. An Wurst herrscht gewiss kein Mangel.

Darauf erst mal einen Schluck Tee bei Fouad El Hasnaoui an seinem marokkanischen Marktstand „Souk du Maroc“, mit ihm über die Wüste plaudern und über sein fantastisches Arganöl. Dann im zweiten Stock das delikate Rosmarinsalz der Oberräder Gärtnerei Schecker versuchen. Ein Räucherforellenbrötchen aus der Seligenstädter Fischzucht Burkard verschlingen. Oder natürlich draußen auf dem Hof die Galloway-Rinder vom Finsternthaler Struthhof betrachten. Die haben die Ruhe weg, auch wenn 30 Kinder auf einmal im Zelt sind. „Das sind unsere Schautiere“, sagt Landwirt Christian Boss, „die halten das aus, die sind entspannt.“

Und die Viecher haben auch eine Mission. „Wir wollen die Landwirtschaft wieder in die Stadt bringen“, sagt Boss. Das Problem sei oft, dass in der Stadt kaum jemand den Kindern etwas über Korn und Vieh beibringen könne, Lehrkräfte und Kindergartenpersonal hätten keine Ahnung. „Da hilft unser Grünes Klassenzimmer, den Kindern ein Gefühl fürs Tier zu vermitteln.“ Gegenüber blökt ein Schaf. „Die Frage, wer heute noch Zeit zum Kochen hat, die ist Käse“, ärgert sich der Viehbauer, „ein Rumpsteak dauert zehn Minuten.“ Aber die Produktionsbedingungen und die Situation für den Einzelhandel würden immer schwieriger, auch weil die Supermärkte bis nachts um zwölf noch alles anböten.

Da lobt sich Boss das Galloway-Rind. Es kommt mit ganz wenig aus. „Die Tiere stammen ja aus Schottland, die sind das karge Leben gewohnt, die portionieren selbst – und wachsen sehr langsam.“ Dabei hat es ihr Kälbchen so eilig: „Kommt auf die Welt und kann nach einer Stunde saufen und laufen.“

Das können wir nicht. Wir können aber staunen: über die tollen Trachten der Taunusgemeinden, die sich in einem Karree zusammengetan haben: Das Gartenweib aus Idstein wirbt für historische Führungen, der Ritter Hartmut aus Kronberg telefoniert gerade mit seinem Handy („Ist aber ein Handy aus dem Mittelalter“), das Burgfräulein und die Kräuterhex’ aus Eppstein offerieren heilsame Liköre aus Kräutern wie Liebstöckel: „Schmeckt ganz schön scheußlich, möchten Sie probieren?“ Vielleicht später.

„Das ist wie ’ne Droge!“, tönt’s vom Stand mit österreichischen Spezialitäten, als die Kundschaft Wurst und Käse probiert. Und Käse und Wurst. „Ihr müsst nicht teilen – wir sind hier keine Schwaben.“ Aber ohrenscheinlich auch keine Österreicher, oda? „Das macht ja nix.“ Darauf einen „kussechten Knoblauchspeck“. Und dann weiter zum Stand mit dem Schild: Landfleischerei Opfer.

Wir haben Sie ja gewarnt.

Das Programm der Messe

Geöffnet ist die Messe Land und Genuss am heutigen Samstag von 10 bis 20 Uhr, am Sonntag von 10 bis 18 Uhr in der Frankfurter Messehalle 1. Der Eintritt kostet zwölf, ermäßigt neun Euro; Kinder bis zwölf Jahre haben freien Eintritt.

Auf der Bühne in der zweiten Etage gibt es den ganzen Tag Vorführungen und Gespräche: von der „Beefsensation“ aus dem Kreis Marburg-Biedenkopf (Samstag um 10.30 Uhr) bis zum Hessischen Samstagabend mit Bäppi La Belle, Gesprächsstammtisch und Feierabendstöffche. Von der „Resteküche“ des Vereins Shout Out Loud am Sonntagmorgen bis zum Besten aus Wetterauer Quinoa vom Kreilingshöfchen Bad Vilbel und zum Feinsten aus der Odenwälder Landhausküche von „Treuschs Schwanen“ aus

Reichelsheim im Odenwald. 

Alle Informationen: www.landundgenuss.de

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