Aktion

"Das Zauberwort ist Kommunikation"

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Die Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung sucht den Dialog mit den Frankfurtern ? mit einem Baum in der Stadtbibliothek.

Zum Inventar der Frankfurter Zentralbibliothek gehört seit Samstag ein mit Friedenstauben behängter Christbaum. Auf dem kunstvoll gefalteten Buntpapier stehen Stichworte wie Gleichberechtigung, Akzeptanz und Toleranz, Austausch und Dialog. Die Baumschmück-Aktion ist Teil der Veranstaltung „Ideen für den Frieden“, die von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) des Leibniz-Instituts initiiert wurde.

„Weil viele Frankfurter nicht wissen, was wir machen, wollen wir unsere Arbeit heute vorstellen“, erklärt Vera Klopprogge, Pressesprecherin der HSFK. Auf der Agenda stehen fünf Kurzvorträge zu unterschiedlichen Forschungsthemen im Kontext von Krieg und Frieden. Anschließend können die Besucher mit den Friedensforschern ins Gespräch kommen oder Friedenswünsche für den Weihnachtsbaum formulieren.

„Die Idee kam uns beim Schmücken im Institut“, erzählt Klopp-rogge. Dort sei es Tradition, eine Tanne mit Origami-Tauben zu dekorieren. „Wir dachten, es wäre eine schöne Sache, das nach draußen zu tragen und mit den Frankfurtern in Dialog zu treten.“ Den passenden Kooperationspartner fand die HSFK in der Stadtbücherei. „Als neutraler, nicht kommerzieller Ort der Begegnung nehmen wir eine solche Idee gerne in unser Programm auf“, sagt Sabine Fikau-Haver, Veranstaltungskoordinatorin der Zentralbibliothek in der Hasengasse 4.

Auch bei den Frankfurtern kommt das Event an, lockt ein internationales Publikum ins Bibliotheksfoyer in der Innenstadt. Darunter Basel Chaban. „Ich bin Syrer und dankbar für die heutige Aktion“, erzählt er. „Den Umgang miteinander sollte man diskutieren“, findet er und schreibt in Großbuchstaben „Demokratie erhalten“ auf eine hellblaue Papiertaube.

Neben dem sozialen Miteinander sind Kriege und politische Unruhen Themen der Veranstaltung. Die Impulsvorträge widmen sich Aspekten wie dem Wandel der weltweiten Sicherheit unter US-Präsident Donald Trump, dem Wiedererstarken des Rechtsextremismus, den deutsch-russischen Beziehungen oder der Rüstungsindustrie. Das magische Wort, das Lösung für viele Konflikte sein könnte und sollte, lautet in den Vorträgen wie in den Besucherbotschaften „Kommunikation“. „Ob Probleme zwischen Menschen, Religionen oder Staaten, wir sollten nicht zu Waffen greifen, sondern miteinander sprechen“, findet die gebürtige Chinesin Yajuan Zhang. Mit ihren beiden Söhnen ist sie zur samstäglichen Vorlesezeit für Kinder in die Bücherei gekommen. Als sie dabei von der Veranstaltung erfährt, will auch sie sich an der Baumgestaltung beteiligen. „Bei uns zu Hause wird oft über Themen wie Frieden oder Umweltschutz gesprochen“, erzählt Zhang. „Man sollte Kinder früh an so etwas heranführen.“

Zu diesem Zweck bietet die HSFK parallel zu den Vorträgen eine Lesung für die kleinen Besucher an. „Wir wollen auch die Jüngsten einbeziehen“, erklärt Institutsleiterin Nicole Deitelhoff. „Denn auch Kinder machen sich Gedanken über die großen Fragen des Lebens.“ Deitelhoff liest daher aus Weihnachtsgeschichten vor, die sich explizit oder implizit mit Krieg und Frieden auseinandersetzen. Darunter „Friede auf Erde“ von Selma Lagerlöf oder Charles Dickens’ „Eine Weihnachtsgeschichte“.

Vera Klopprogge ist zufrieden mit der Resonanz auf ihre Premiere. „Es haben gute Gespräche stattgefunden“, sagt sie. Die Besucher seien im Anschluss an die Vorträge auf die Wissenschaftler zugekommen und hätten Rückfragen gestellt. „Für uns ist das Konzept aufgegangen, und wir wollen in Zukunft mehr Präsenz im Stadtbild zeigen – im Auftrag für den Dialog“, resümiert die HSFK-Pressesprecherin.

Die Friedensbotschaften der Besucher wertet sie nach Weihnachten aus und veröffentlicht sie über die sozialen Netzwerke und die Homepage des Instituts. www.hsfk.de

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