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Im ehemaligen Labsaal am Campus Bockenheim kommen Flüchtlinge unter.

Bockenheim

Von der Teestube bis zum Chor

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Das Stadtteil-Netzwerk für Flüchtlinge baut sein Angebot stetig aus. Seit vergangenem Freitag gibt es auch einen speziellen Kurs für Flüchtlingskinder.

Den Flüchtlingen in Bockenheim helfen. Mit diesem Ziel hatten sich am 24. September etwa 200 Menschen im Saal der katholischen Gemeinde Frauenfrieden versammelt. Einen Monat später sind aus den Hilfsbekundungen konkrete Angebote entstanden: Sprachkurse, ein Alphabetisierungskurs, eine Teestube, Kinderbetreuung. Mehr als 100 Menschen engagieren sich derzeit im Netzwerk „Bockenheim mit Flüchtlingen“. Das berichteten Vertreter des Netzwerks am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Gemeindezentrum der evangelischen Gemeinde Bockenheim.

„Das Engagement und die Ressourcen im Stadtteil mit dem Bedarf“ der Flüchtlinge zusammenzubringen, das sei Aufgabe des Netzwerks in den vergangenen Wochen gewesen, erläuterte Andrea Krawinkel von der katholischen Gemeinde Frauenfrieden. Zusammen mit Anette Mönich vom Stadtteilbüro Bockenheim hatte sie die Idee für die Initiative entwickelt.

Stetig hat sich das Angebot erweitert: Derzeit bieten die ehrenamtlichen Helfer den Flüchtlingen in Bockenheim fünf Kurse an. In jedem Kurs trifft sich ein Team von Ehrenamtlichen an drei bis fünf Terminen in der Woche mit einer Gruppe von 15 bis 25 Flüchtlingen, sagte Birgit Spettel von der Initiative „Teachers on the Road“. Die Initiative unterstützt das Bockenheimer Netzwerk.

Seit vergangenem Freitag gibt es einen speziellen Kurs für Flüchtlingskinder. An jedem Wochentag würden sich ehrenamtliche Helfer mit der Gruppe in einem Raum der Christengemeinschaft in der Frauenlobstraße treffen, berichtete Anna Honecker. Etwa 20 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren würden dort für zwei Stunden betreut. Dabei gehe es nicht nur um Deutschunterricht, sagte sie. Die Helfer würden mit den Kindern auch singen; es gebe eine „Snack-Pause“, so Honecker. Laut Initiative nutzen derzeit deutlich mehr als 100 Flüchtlinge die Angebote, die Mehrzahl von ihnen sei in der Notunterkunft am Sportcampus Ginnheim untergebracht.

Die Fluktuation sei hoch. Vertreter der Initiative berichteten, dass einige Flüchtlinge erst am Morgen erfahren würden, dass sie am Nachmittag eine andere Unterkunft in einer anderen Stadt beziehen sollen. Bei einigen der rund 50 Frauen und Mädchen, die wöchentlich in die vom Netzwerk angebotene Teestube kommen, würde das Verzweifelung auslösen.

Schon bald soll es eine zweite große Flüchtlingsunterkunft in Bockenheim geben. Der Labsaal auf dem Campus Bockenheim wird derzeit dafür hergerichtet. Etwa 170 Flüchtlinge sollen dort untergebracht werden. Noch in diesem Jahr sollen laut Manuela Skotnik vom Sozialdezernat die ersten Flüchtlinge dort eintreffen.

Im Gebäude direkt neben dem Labsaal, in der sogenannten „Neuen Mensa“, hat die Initiative von der Goethe-Universität drei Räume für die Kurse bekommen. Lehrkräfte für weitere Sprachkurse stünden bereit, sagte Spettel. Es fehlten nur die Räume. Weitere Angebote plant die Initiative trotzdem. Eine Tanzgruppe und einen Chor soll es geben, sagte Mönich. Außerdem wollten sie zusammen mit dem Chaos Computer Club ein Internetcafé für Flüchtlinge einrichten.

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