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Jung und alt im Gespräch: Barbara Köster, Hadija Haruna-Oelker, Linus König, Johannes Fechner, Bernd Messinger, Linus Neumann (v. l.).

68er-Generation in Frankfurt

Die 68er und die 18er

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Die Begegnung der Generationen 18 und 68 im Römer in Frankfurt leidet ein wenig unter Zeitmangel, bietet aber vielversprechende Gespräche.

Das Zauberwort heißt Zeit an diesem Abend. Zeit, die leider fehlt, als im Frankfurter Römer die 68er-Generation auf junge Menschen trifft. Protestbewegungen damals und heute: Es bleibt wenig Raum, dieses Spannungsfeld auszuleuchten. Denn neben den Diskussionen hierzu hat die Regie noch etliche andere Auftritte ins Programm des Abends „18 trifft 68“ gepackt.

Spannend die Intervention eines Dutzends Frankfurter Jugendlicher unterschiedlicher Nationalitäten, die gerade beim Jungen Schauspiel für ihr Stück „Jetzt aber anders“ proben (Premiere: 8. Dezember). Sie schreien zur Musik von Rio Reiser ihre Wünsche, ihre Träume heraus. „Ich will die Leistungsgesellschaft abschaffen“ oder „Ich will einen Zustand ständiger Veränderung erreichen“. Beifall des Publikums in den Römerhallen.

Seit geraumer Zeit räumt das Schauspiel Frankfurt jungen Menschen so die Chance ein, sich zu artikulieren. „Wir wollen ihnen eine Stimme geben und zugleich das Selbstbewusstsein, dass sie etwas zu sagen haben“, sagt Theaterpädagogin Martina Droste. Immer wieder ist auch Musik zu hören: Hip-Hop von Baby Shoe oder melancholisch-aggressive Texte der Liedermacherin Cynthia Nikschas aus Tuttlingen.

Zeit: Sie liegt auch zwischen den Protagonisten auf dem Podium. Obwohl Barbara Köster (71), Mitbegründerin der deutschen Frauenbewegung, ihr Verhältnis zur jungen Journalistin Hadija Haruna-Oelker sofort mit den Worten „Schwestern im Geiste“ charakterisiert. Und die Jüngere sich prompt zur „Profiteurin“ von 68 erklärt. Köster ist glücklich, „jemanden zu treffen, der den Faden weiterspinnt“.

Brauchen wir eine neue Revolte?

„Brauchen wir eine neue Revolte?“, heißt die plakative Frage, die Motto der Diskussion ist. Und Moderator Linus König greift denn auch gleich die angebliche „Sehnsucht“ im Land nach einer linken Sammlungsbewegung auf. Worauf die Anarchistin Köster sich sofort abwendet: „Ich finde es keine gute Vorstellung, sich unter einer Kooperation zu sammeln.“ Nein, ihr Ratschlag gegen die Neue Rechte heißt schlicht: „Ein Leben leben, das nicht nazimäßig ist.“ Haruna-Oelker ergänzt das mit den Worten „widerspenstig bleiben“.

Johannes Fechner vom Asta Frankfurt möchte es dabei nicht belassen. Er ruft zum „Druck auf der Straße“ gegen rechts auf und erinnert daran: „Das Dritte Reich wurde nicht mit Kritik bewältigt.“

Linus Neumann vom Chaos Computer Club gesteht, dass seine Eltern 68er waren: „Sie hörten Pink Floyd, waren cool und sind es nach wie vor.“ Neumann überrascht auch mit der Feststellung: „Ich will gar nicht rebellieren“, ja, er wehrt sich sogar „gegen den Begriff Aktivist“. Sein Ziel sei lediglich, „dass die Dinge anders werden“.

Der Grüne Bernd Messinger, der zur Gründungsgeneration seiner Partei gehört, verweist darauf, wie sehr die Neue Rechte Formen von den 68ern übernommen habe. „Wie kann es sein, dass ein Freiheitsversprechen von einst plötzlich umgedreht wird?“ Messinger gesteht auch ein, dass den 68ern der Umsturz des Wirtschaftssystems misslungen sei: „Der Kapitalismus blüht besser denn je.“ Gerne hätte man den Diskutanten weiter dabei zugehört, wie sie den Graben zwischen den Generationen überbrücken.

Doch dann ist das Gespräch schon wieder zu Ende und die nächsten Musiker kommen auf die Bühne. Fazit: Das Format der Generationenbegegnung ist vielversprechend, bleibt aber auf halber Strecke stecken.

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