Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Der erste Schritt zur Verbesserung der Situation ist die Erkenntnis“, twittert Yannick Schwander.
+
„Der erste Schritt zur Verbesserung der Situation ist die Erkenntnis“, twittert Yannick Schwander.

Frankfurt

CDU-Stadtverordneter in Frankfurt: „Wir müssen bei den Leuten sein“

  • Florian Leclerc
    VonFlorian Leclerc
    schließen

Der CDU-Stadtverordnete in Frankfurt, Yannick Schwander, spricht im Interview über die Konsequenzen für seine Partei und Armin Laschets Auftritt nach der Wahl.

Die CDU in Frankfurt hat bei der Bundestagswahl historisch schlecht abgeschnitten. Sie bekam nur 18,1 Prozent der Zweitstimmen – ein Minus von 8,3 Prozent im Vergleich zur Bundestagswahl 2017. Der Stadtverordnete Yannick Schwander macht einen Erklärungsversuch und plädiert für Konsequenzen.

Herr Schwander, die CDU erzielte bei der Bundestagswahl Ergebnisse von mehr als 30 Prozent nur noch bei den über 70-Jährigen. Ist das der Anspruch einer Volkspartei?

Selbstverständlich nicht. Die Zahlen sind leider auch auf Bundesebene nicht viel besser.

In der Altersgruppe von 35 bis 44 Jahre haben nur rund 12 Prozent die CDU gewählt – in einem Alter, in dem viele sich strukturell konservativ verhalten, einen festen Job haben, eine Familie gründen. Hat die CDU den Anschluss verloren?

Wir haben in den letzten Jahren verlernt, bei den Leuten zu sein. Trotzdem haben wir für diese Gruppen viel erreicht. Die Arbeitslosigkeit ist gesunken. Die Kanzlerin hat uns durch Krisen manövriert. Vielen Menschen geht es gar nicht so schlecht. Wenn es den Menschen wirtschaftlich gut geht, haben sie Zeit, sich um andere Themen zu kümmern. Wir haben es aber verpasst, diese Anschlussthemen zu setzen.

Eine Großstadtpartei muss bei Themen wie soziale Gerechtigkeit oder Mobilitätswende überzeugende Antworten haben. Das interessiert bürgerliche Wählerinnen und Wähler, oder?

Absolut. Unser Anspruch war und ist, alle mitzunehmen. Etwa bei der Mobilitätswende. Wir müssen schauen, wie der Verkehr der Zukunft in einer Großstadt laufen kann. Dabei dürfen wir aber niemanden vergessen, niemanden vor vollendete Tatsachen stellen. Wir müssen einen Übergang hinbekommen, der alle mitnimmt. Unsere Vorschläge sind moderater als die radikaleren Vorschläge, die unsere Mitbewerber machen, weil die CDU die Partei des Ausgleichs ist. Wir müssen unsere Themen aber besser verkaufen.

Sie nennen es Ausgleich. Aber wird das nicht als Verhindern wahrgenommen? Etwa am Mainkai am rechten Mainufer, der nicht für den Autoverkehr gesperrt blieb.

Wir haben ein Mainkai-Konzept veröffentlich, das auf Ausgleich angelegt war. Wir haben es aber nicht vermittelt bekommen.

Zur Person

Yannick Schwander (CDU) ist 33 Jahre alt und Stadtverordneter im Frankfurter Römer.

Hauptberuflich ist er Pressesprecher der Stadt Bad Vilbel. fle

Noch mal zurück zur Wahlanalyse: Die CDU hat die meisten Stimmen verloren, nicht etwa an die FDP, sondern an die Grünen sowie an die Nichtwählenden und die SPD. Wie interpretieren Sie das?

Die Grünen werden als bürgerlich wahrgenommen und sind durch die vielen Jahre in der Regierung mit der CDU in Frankfurt für CDU-Wählerinnen und -Wähler wählbar geworden. Die Nichtwähler sind CDU-Wähler, die es aus Grund X oder Y nicht hinbekommen, die CDU zu wählen, es aber auch nicht übers Herz bringen, eine andere Partei zu wählen. Dieses Potenzial kann man relativ schnell wieder heben.

Warum hat die CDU bei der Wahl so schlecht abgeschnitten?

Es gab eine Unzufriedenheit mit den Personalentscheidungen bei der CDU. Zweimal habe die Parteispitze gegen die CDU-Basis gestimmt, so wurde das an den Infoständen angesprochen. Nach 16 Jahren unter Angela Merkel – beziehungsweise 26 Jahren Regierungsbeteiligung der CDU in Frankfurt – gab es auch eine Wechselstimmung.

Armin Laschet sagte am Wahlabend, er nehme das Ergebnis als Auftrag zur Regierungsbildung an. Wie sehen Sie das?

Diese Aussage zu diesem Zeitpunkt fand ich nicht richtig. Es klang nicht demütig. Er hätte sagen sollen, ‚wir haben verstanden‘. Auf der anderen Seite ist klar: Die Union wird aus staatspolitischer Verantwortung immer da sein, wenn sie gebraucht wird. Das kann nach dieser Wahl aber nur dann der Fall sein, falls andere Sondierungen scheitern sollten. Der Regierungsauftrag liegt nicht bei uns.

Wie kann die CDU in Frankfurt frischer werden und mehr Wähler:innen gewinnen?

Die Fraktion im Römer hat sich nach der Kommunalwahl verjüngt und ist weiblicher geworden. Wir haben unseren Kommunikationsstil verändert. Das sind gute Ansätze – auch für die CDU in Frankfurt. Wir müssen jetzt intern analysieren, wo die Defizite sind, was sich aufgestaut hat, damit die Menschen in Frankfurt wieder sagen können: ‚Diese CDU möchte ich wählen.‘ Das wird sich an Inhalten festmachen, aber auch an Personen.

Interview: Florian Leclerc

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare