Voll ausgerüstet kehrt Stephan Siegler die Straßen.
+
Voll ausgerüstet kehrt Stephan Siegler die Straßen.

Müll in Frankfurt

CDU-Politiker macht sauber

Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU) kehrt Frankfurter Straßen. Er tut dies nicht nur, damit die Stadt sauber wird. Er will die CDU vor der Kommunalwahl 2016 in ein gutes Licht rücken.

Von Lena Trautmann

Die CDU möchte, dass Frankfurt eine saubere Stadt wird. Die nun veröffentlichte Bürgerbefragung für das Jahr 2014 zeigt jedoch, dass Frankfurter Bürgerinnen und Bürger die Stadt zunehmend als schmutziger wahrnehmen. Da hilft nur eins, die Politiker müssen selbst Hand anlegen.

Deshalb tauscht Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU) seinen Anzug gegen eine Latzhose und hilft bei der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) mit. Dabei geht es vor allem auch darum, die Partei vor dem Wahlkampf in ein gutes Licht zu rücken. Er kehrt hierfür gemeinsam mit drei Mitarbeitern der FES einen halben Tag lang die Frankfurter Straßen. Um 12 Uhr macht Siegler sich am Dienstag mit Gruppenleiter Servet Yavuz auf den Weg. Dieser hat ihn zuvor mit Arbeitskleidung, Handschuhen, Mundschutz und einem Reisigbesen ausgestattet. Mit diesem kehrt Siegler die nächsten drei Stunden Dreck und Laub in die Straßenmitte, so dass das hinter ihm fahrende Reinigungsfahrzeug dies aufsaugen kann.

Anstrengende Arbeit

„Ich habe Respekt vor jedem, der das bereits viele Jahre macht“, sagt der gelernte Polizist. Er wolle in den nächsten Stunden einen Einblick bekommen, wie andere Leute für die Stadt arbeiten. Dass das Kehren einiger Übung bedarf, bemerkt der Politiker schnell. Seine Kollegen legen ein ordentliches Tempo vor, bei dem Siegler nicht ganz mithalten kann. „Er müsste auf alle Fälle noch schneller werden“, sagt der Fahrer des Reinigungsfahrzeuges Mustafo Fereli, während er geduldig wartet, bis Siegler den Dreck vom Bürgersteig auf die Straße gefegt hat.

Mehmet Adli arbeitet bereits seit 27 Jahren in dem Beruf. „Es ist eine anstrengende Arbeit, aber ich mache es trotzdem gern“, sagt der 65-Jährige. Die Hitze sei zwar extrem anstrengend gewesen, doch im Winter sei die Arbeit noch härter. „Normalerweise arbeiten wir von 6 Uhr bis 15.30 Uhr, doch wenn es schneit oder glatt ist, geht es oft schon um 5 Uhr morgens oder noch früher los“, sagt Gruppenleiter Yavuz. Stephan Siegler habe gegen frühes Aufstehen nichts einzuwenden. „Ich habe jahrelang im Schichtdienst gearbeitet, das war noch nie ein Problem für mich.“ Angenehm fände er auch die Aussicht auf frühen Feierabend ohne Gedanken an die Arbeit. „Ich mache langfristige Projekte bei der Polizei und in der Politik sowieso“, sagt Siegler. Ganz abschalten könne er nur, wenn er auf seiner Harley Davidson sitze.

Nach dreieinhalb Stunden ist der Arbeitsausflug für Stephan Siegler beendet. Doch die Sauberkeit der Stadt wird den 50-Jährigen wohl vom Schreibtisch aus noch länger beschäftigen. Auch ohne Handschuhe, Mundschutz und Reisigbesen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare