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Seit Jahren unbewohnt: Das Haus in der Mitte mit der rosa Fassade.

Wohnungsmarkt

CDU-Politiker lässt Immobilie im Nordend leer stehen - Haus seit 13 Jahren unbewohnt

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Die Frankfurter SPD wirft dem CDU-Politiker Michael Reul spekulativen Leerstand vor. Der sagt, das Haus sei seine Privatangelegenheit.

  • Der CDU-Landtagsabgeordneten Michael Reul soll ein Wohnhaus mit Absicht leer stehen lassen.
  • Vorwürfe kommen von der SPD.
  • Reul empfindet das als seine Privatangelegenheit.

Die Frankfurter SPD beschuldigt den CDU-Landtagsabgeordneten Michael Reul der Immobilienspekulation. Er lasse ein Wohnhaus im Frankfurter Nordend seit Jahren leer stehen. Reul weist die Vorwürfe als „an den Haaren herbeigezogen“ zurück.

Leerstand in Frankfurt: Vorwurf gegen CDU-Politiker Reul

Bei dem Gebäude handelt es sich um ein viergeschossiges Haus in der Rappstraße, das seit rund 13 Jahren unbewohnt ist. „Es ist ein Skandal, dass der CDU-Landtagsabgeordnete Michael Reul sein Haus leer stehen lässt und im hessischen Landtag gleichzeitig gegen die Wiedereinführung eines Zweckentfremdungsverbots gestimmt hat“ sagt Sieghard Pawlik, wohnungspolitischer Sprecher der SPD-Römerfraktion. Die CDU hatte 2004 unter Ministerpräsident Roland Koch das Zweckentfremdungsverbot gekippt, eine Wiedereinführung scheiterte bislang an dem Widerstand der Regierungskoalition aus CDU und Grünen.

Reul bestreitet auf Anfrage der Frankfurter Rundschau den jahrelangen Leerstand nicht. Die Vorwürfe allerdings seien nicht gerechtfertigt. Das Haus sei von Vormietern in einem äußerst schlechten Zustand hinterlassen worden, erklärt er. „Da gab es immense Schäden“, so Reul.

Das Gebäude, sein Elternhaus, sei dadurch unbewohnbar geworden. Im vergangenen Jahr habe er es vollkommen entkernen lassen. „Da ist containerweise Schutt abgefahren worden“, sagt Reul. Jetzt seien „verschiedene Sanierungsschritte“ geplant. Aktuell lägen ihm bereits mehrere Kostenvoranschläge vor.

Wohnraumleerstand in Frankfurt: CDU-Politiker wehrt sich

Im übrigen halte er es für fragwürdig, dass „aus parteipolitischen Gründen“, sein Name in einer Mitteilung der Frankfurter SPD öffentlich genannt werde. Was mit seinem Elternhaus geschehe, sei eine „private Angelegenheit“, so Reul. Hätte er spekulieren wollen, hätte er es schon längst verkauft.

Im hessischen Landtag dringen SPD und Linke seit Jahren auf ein Gesetz gegen Wohnraumzweckentfremdung und spekulativen Leerstand. CDU und Grüne haben dies bislang weitgehend abgelehnt. Seit Juni diesen Jahres gilt lediglich die Vorschrift, dass bei Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen die Kommunen ihre Zustimmung geben oder eben verweigern können. SPD und Linke halten dies für völlig ungenügend, zumal das Plazet nur in Gegenden nötig ist, die der Milieuschutzsatzung unterliegen.

Wie viele Wohnungen in Frankfurt tatsächlich leer stehen und wie viele davon Spekulationsobjekte sind, ist nicht bekannt. SPD-Politiker Pawlik schätzt die Zahl ungenutzter Mietwohnungen auf 10 000, nach Angaben aus dem Wirtschaftsministerium liegt der Anteil bei 1,4 Prozent, was man dort für einen „funktionierenden Wohnungsmarkt“ für üblich hält.

Reuls Elternhaus war bereits 2017 einmal in den Schlagzeilen. Eine Boulevard-Zeitung titelte damals: „CDU-Politiker lässt Mietshaus vergammeln“. Offenbar habe Reul seitdem wenig Zeit gehabt, sich um seine Immobilie zu kümmern, so Pawlik.

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