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Ein Teil des Kulturcampus: In das alte Uni-Hauptgebäude ist Senckenberg eingezogen. 

Vorwürfe an SPD

CDU-Politiker in Frankfurt kritisiert SPD: „Für den Kulturcampus steht kein Geld im Haushalt bereit“

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Thomas Dürbeck, der kulturpolitische Sprecher der CDU in Frankfurt, macht Kultur-Dezernentin  Ina Hartwig (SPD) Vorwürfe - im Haushalt sieht er "keinen Cent" für den Kulturcampus.

Vor etwa zehn Jahren präsentierte die damalige Oberbürgermeisterin von Frankfurt, Petra Roth (CDU), und der scheidender Finanzminister von Hessen, Karl-Heinz Weimar (CDU), den Plan eines Kulturcampus. Renommierte Kultur-Institute, Wohnungen und Büros sollten demnach auf dem alten Gelände der Goethe-Universität in Frankfurt-Bockenheim nebeneinander entstehen – erst jetzt tritt das Immobilien-Projekt in eine entscheidende Phase.

Am Donnerstagabend (06.02.2020) diskutiert die Frankfurter SPD im Titania in Frankfurt-Bockenheim unter dem Titel „Vom Unicampus zum Kulturquartier“ über den Kulturcampus. Mit dabei: Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Was er in Sachen Kulturcampus von ihr erwartet, erklärt Thomas Dürbeck, der kulturpolitische Sprecher der CDU im Interview mit der FR.

Herr Dürbeck, was halten Sie vom Vorschlag der Kulturdezernentin, das Zentrum der Künste auf dem Kulturcampus zunächst im Süden für das Frankfurt LAB und erst später im Norden für weitere Kulturinstitutionen zu entwickeln?

Wer das ernsthaft will, müsste das jetzt mit Planungen untermauern und dafür Planungsmittel im Haushalt bereitstellen. Dazu finde ich im Doppelhaushalt 2020 und 2021 nichts. Keinen Cent.

Das heißt, in diesem und im nächsten Jahr passiert nichts?

Das Offene Haus der Kulturen ist im Haushalt enthalten, mit einer Anschubfinanzierung von etwas mehr als 100 000 Euro, die im Folgenden etwas steigt. Die Planungsmittel für das Kinder- und Jugendtheater im Zoo-Gesellschaftshaus sind eingestellt. Zum Kulturcampus gibt es nichts.

Frankfurt: CDU-Politiker mach Kultur-Dezernentin Vorwürfe

Welche Schritte erwarten Sie von der Kulturdezernentin?

Dr. Thomas Dürbeck (62) ist kulturpolitischer Sprecher der CDU im Römer. 

Wenn man sich überlegt, das sogenannte Tortenstück auf der nördlichen Seite der Bockenheimer Landstraße zu bebauen, sei es mit einer Interimsstätte für eine Sparte der Städtischen Bühnen oder mit dem Zentrum der Künste, müsste man doch jetzt eine Planung vorlegen. Das Land Hessen treibt derzeit die Planung für die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) voran. Dann müsste die Stadt ihre Vorstellungen für den Kulturcampus doch ergänzen. Die ursprüngliche Idee war ja, die HfMDK und das Frankfurt LAB nebeneinander zu bauen, damit sich Synergieeffekte einstellen und sich die Einrichtungen zum Beispiel die Mensa oder das Foyer teilen können. Was jetzt geplant ist, weiß ich einfach nicht, aber vielleicht bekommen wir etwas präsentiert.

Was spricht für eine Weiterentwicklung des Kulturcampus?

Der Charme beim Kulturcampusprojekt ist die enge Verzahnung von Theorie und Praxis. Die Musikhochschule kümmert sich um Forschung und Ausbildung. Institutionen wie das Ensemble Modern führen auf den professionellen Weg. Wenn ich es richtig verstehe, baut das Land Hessen die HfMDK und die Stadt Frankfurt baut das Zentrum der Künste, ohne dass es eine Integration geben würde. Uns Stadtverordneten wurde nichts Konkretes berichtet. Vielleicht stellt Frau Hartwig die Pläne auf der SPD-Veranstaltung vor.

CDU-Politiker in Frankfurt: Kein Geld für Kulturcampus

Wie stellen Sie sich eine Nutzung des sogenannten Tortenstücks vor?

Eine Untersuchung von D. W. Dreysse aus dem Jahr 2014 sah für das Zentrum der Avantgarde – nun Zentrum der Künste – 13 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche, also 8000 Quadratmeter Nutzfläche vor. Mit Proberäumen und einem zweigeschossigen Foyer, das für bis zu 600 Personen, inklusive Orchester, nutzbar wäre. Ich weiß nicht, ob das alles auf das Tortenstück passt. Dazu fehlen mir die Informationen. Die Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum zu einer Interimsstätte auf dem Tortenstück für die Oper Frankfurt zeigt wiederum zahlreiche Entwürfe – allerdings wurde dabei die Unibibliothek rasiert. Eine Machbarkeitsstudie zur Nutzung des Tortenstücks liegt mir jedenfalls nicht vor. Wir sind mit der Planung des Kinder- und Jugendtheater, die vor vier Jahren begann, weiter als mit dem Zentrum der Künste, über das wir seit sechs Jahren reden.

Kann sich die CDU eine Interimsstätte für die Städtischen Bühnen auf dem Tortenstück vorstellen?

Wir können die Fläche nicht beplanen, ohne die Bibliothek zu berücksichtigen. Eine Interimsstätte bräuchte ungefähr 40 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche und wäre nur möglich, wenn die denkmalgeschützte Bibliothek abgerissen würde. Ich halte es auch für schwierig, erst ein Interim zu bauen und später das Zentrum der Künste einziehen zu lassen: Dafür wäre das Gebäude zu groß. Ich will nichts ausschließen. Aber zunächst müsste man die Machbarkeit untersuchen.

Interview: Florian Leclerc

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