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Jaroslaw Romanowski säubert die Taunusstraße mit einer speziellen Düse.

Sauberkeit

Wundermittel fürs Bahnhofsviertel

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Frankfurts Ordnungsdezernent Markus Frank lässt sich ein biologisch abbaubaren Reinigungsmittel vorführen.

Vor der Taunusstraße 45 sind die Pflastersteine auf einer Breite von einem Meter porentief rein. Verantwortlich dafür ist Jaroslaw Romanowski. Um seine Zauberkräfte nochmal zu demonstrieren, sprüht er mit 90 Grad heißem Wasser auf das Pflaster. Dreck und ein festgetretener Kaugummi verschwinden in Sekundenschnelle. „Der Kaugummi wird zerkocht“, sagt Romanowski.

Der Unternehmer aus Hochheim vertreibt das Wundermittel „JanoBio“, ein „desinfizierender naturidentischer Wirkstoff, 100 Prozent biologisch“, wie es in dem Flyer heißt, den Romanowski mitgebracht hat. Das Mittel wird bei der Reinigung von Sandsteinfassaden eingesetzt, die kein heißes Wasser vertragen.

Neben Romanowski steht Gerd Schüler. Der ist verantwortlich dafür, dass Romanowski an diesem Mittwoch ins Bahnhofsviertel gekommen ist. Schüler hat den Unternehmer aus Hochheim zufällig kennengelernt, ist begeistert von „JanoBio“ und schwärmt davon in den höchsten Tönen: „Die Substanz ist nachhaltig und segensreich.“

Tief im vergangenen Jahrtausend hat Schüler die Flughafendisco Dorian Gray betrieben. Die Kultdisco ist dafür verantwortlich, dass Schüler und Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) sich kennen und Frank nun ebenfalls auf die rückstandsfreien Pflastersteine schaut. Schüler wollte seinem Bekannten Frank „JanoBio“ unbedingt präsentieren und hat den Demonstrationstermin für den Stadtrat organisiert.

Hilfe gegen Uringeruch

Der Ordnungsdezernent wirkt von dem Desinfektionsmittel angetan. „Wir haben ja hier das Problem mit den Wildpinklern“, sagt Frank. Die Reinigungskolonnen der Stadt setzen ihrem Mittel Duftstoffe wie Zitrone oder Orange bei, um den Uringeruch zu vertreiben. „Die überdecken nur, wir vernichten die Bakterien zu 100 Prozent“, sagt Romanowski. Ohne Bakterien gebe es auch keine Gerüche mehr.

Stadtrat Frank versucht die aufkommende Euphorie ein bisschen zu zügeln. Er verweist auf Ausschreibungen und Vergaberichtlinien, an die sich die Stadt halten müsse. Er will jetzt aber mal mit den Reinigungsexperten der Stadt sprechen, ob das Wundermittel im Bahnhofsviertel und an anderen Orten Frankfurts mit viel Dreck eingesetzt werden kann.

Erörtert werden muss auch, wie alltagstauglich das Mittel ist. Denn 90 Grad heißes Wasser für die Reinigung der Bürgersteige ist nicht immer griffbereit. Zudem stellt sich die Kostenfrage. Romanowski sagt, das Mittel könne sich „jede Hausfrau leisten, um ihren Kühlschrank zu desinfizieren“. Allerdings ist das Bahnhofsviertel größer als ein Kühlschrank. Sechs Euro pro Quadratmeter soll die Reinigung der Bürgersteige kosten.

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