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Hier sollen bald geflüchtete Familien, Paare und Alleinreisende, insgesamt 160 Personen, sowie 120 Studierende gemeinsam wohnen.

Wohnen in Frankfurt

Wohnraum für Geflüchtete und Studierende

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Im zuständigen Frankfurter Ortsbeirat gibt es eine Diskussion zur geplanten Unterkunft im Hausener Weg. Die Sorgen um Parkplätze werden als "absurd" abgetan.

Kein Platz war mehr frei, als in der Sitzung des Ortsbeirats 7 am Dienstagabend die geplante Flüchtlingsunterkunft im Hausener Weg 120 vorgestellt wurde. Knapp 200 Bürger drängten sich im Gemeindesaal von Sankt Anna in Hausen. Zu Beginn hatten in der Bürgerfragestunde Manuela Skotnik, Referentin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), Katrin Wenzel (Stabsstelle Flüchtlingsmanagement), Rebekka Georgi (Evangelischer Verein für Wohnraumhilfe) und Volker Heller vonseiten des Bauträgers und Investors Solidare das Projekt präsentiert. Anschließend hatten Bürger in einer sachlichen, konstruktiven und besonnenen Atmosphäre Fragen gestellt, persönliche positive Erfahrung in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe geschildert, aber auch vereinzelt Sorgen artikuliert.

Die Stadt befinde sich bei der Unterbringung von Flüchtlingen „in einer Notlage. Wir haben einen dringenden Bedarf an Unterkünften“, verdeutlichte Manuela Skotnik. Zwar sei die Zahl an geflüchteten Menschen in Frankfurt rückläufig, jedoch fänden viele anerkannte Asylbewerber nur vereinzelt Wohnungen und müssen daher länger in den Flüchtlingsunterkünften bleiben. 4900 seien auf die Unterbringung durch die Stadt angewiesen. Um den Engpass zu beheben und 600 Plätze zu schaffen, habe die Stadt mehrere Projekte in der Planung: in Berkersheim, Harheim, Schwanheim, Oberrad und eben im Hausener Weg 120, das frühere Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte.

In der Hausener Übergangsunterkunft sollen 160 Menschen, Familien mit Kindern, Paare sowie Alleinreisende, leben. Erstmals soll bei diesem Projekt in ein und demselben Gebäude auch Wohnraum für 120 Studierende entstehen. „Flüchtlinge und Studierende werden gemeinsame Begegnungsflächen haben. Wir versprechen uns davon viel für die Integration“, erläuterte Volker Heller, Business Development Manager bei „Solidare“. Die Düsseldorfer Unternehmensgruppe, die in Nordrhein-Westfalen bereits mehrere Flüchtlingsunterkünfte realisiert hat und betreut, ist Eigentümerin des Gebäudes Hausener Weg 120, das sie „als Anlage für soziale Zwecke“ umbaut.

Sicherheitsdienst  vorgesehen

„Denn Wohnen ist hier, in einem Gewerbegebiet, nicht erlaubt“, betonten Heller und Skotnik. Ausnahmen seien nur für vorübergehende Zwecke möglich. Die Fertigstellung ist Ende 2019. Es soll für die nächsten zehn Jahre als Übergangsunterkunft genutzt werden, mit einer Verlängerungsoption. Das Gebäude werde eingezäunt. Ein Sicherheitsdienst wird im Einsatz sein. Neben den mit Bad und Küchenzeilen ausgestatteten Wohnräumen sind im Erdgeschoss Schulungsräume und Gemeinschaftsflächen vorgesehen sowie 1400 Quadratmeter Außenareal mit Spielflächen für die Kinder. Die Wohnräume für Studierende werden mit Bad 20 Quadratmeter groß und kosten circa 420 Euro im Monat.

„Als direkte Anwohnerin macht man sich schon Gedanken. Ich will offen sein, und werde mich vielleicht auch ehrenamtlich einbringen. Aber es belastet einen. Sie wohnen weit weg und sind nicht unmittelbar belastet“, formulierte eine Anwohnerin ihre Sorgen. Eine andere Bürgerin berichtete von ihren positiven Erfahrungen in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe in Rödelheim, wo sie eine vierköpfige Familie betreut: „Ich habe mit der Familie keinerlei Probleme. Sie sind freundlich und dankbar.“ Unter dem Beifall vieler bezeichnete die Dame die Diskussion über mögliche Parkplatzprobleme im Hausener Weg als „absurd“. Nach Ansicht einiger Zuhörer und vor allem der CDU-Fraktion könnte sich die Parkplatzsituation durch die Bewohner und Studierenden verschärfen. „Ich kenne keinen Flüchtling, der ein eigenes Auto hat“, sagte die Frau. Volker Heller ergänzte, dass bei von „Solidare“ errichteten Studentenwohnheimen maximal jeder Dritte ein Auto habe. Zudem stünde in Hausen eine Tiefgarage mit 68 Stellplätzen zur Verfügung und das Gebäude sei „hervorragend an den ÖPNV“ angeschlossen. Thomas Rätzke (CDU) erwiderte indes, dass in Frankfurt Studierende aus ganz Deutschland leben und viele von ihnen motorisiert seien. Das Auto zwar unter der Woche wegen des Semestertickets nicht nutzen, aber am Wochenende, um nach Hausen zu fahren.

Einige Besucher hatten allerdings Sorge, wo die Kinder in Hausen in Kindergärten und Schulen unterkommen sollen. Skotnik und Wenzel sagten zu, frühzeitig nach Lösungen zu suchen.

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