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Steht am Donnerstag im Römer im Mittelpunkt: Daniela Birkenfeld.

Porträt der Woche

Mit Willy Brandt fing die Karriere an

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Die Frankfurter Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld steht vor ihrer dritten Amtszeit.

Wenn am Donnerstag die Stadtverordneten über die Wiederwahl einer hauptamtlichen Stadträtin und damit Frankfurter Sozialdezernentin entscheiden, wird die Kandidatin Daniela Birkenfeld von alldem gar nichts mitbekommen. Während im Saal die geheime Abstimmung läuft, sitzt die 59-Jährige alleine vor der Tür. „Man muss als Einzige raus, die Tonanlage wird abgestellt, und man wartet dann“, erinnert sich Birkenfeld an ihre vorangegangenen Wahlen. Die Christdemokratin tritt zu ihrer dritten Amtszeit an. Zwar würden ihr Freunde vor dem Saal Gesellschaft leisten, aber eigentlich wollten diese ja auch die Wahl verfolgen. „Beim letzten Mal hat die Wahl 20 Minuten gedauert, aber es kam mir ewig lang vor“, sagt die Frankfurterin.

Der ganze Vorgang ist für Birkenfeld keinesfalls Routine. „Natürlich ist man in diesem Moment dann aufgeregt.“ Ein gutes Omen könnte für die Sozialdezernentin sein, dass der Wahltermin erneut auf den 13. Dezember fällt. 2012 dauerte die Sitzung der Stadtverordneten aber bis 1.15 Uhr. Damals wurde der Haushalt ewig diskutiert. In diesem Jahr steht keine Haushaltsdebatte auf dem Plan, so dass Birkenfeld vielleicht zeitnah feiern gehen kann. Bei ihrer ersten Wahl bekam sie 51 Stimmen, 2012 waren es 53. „Ich hoffe auf die Unterstützung der Koalition“, sagt die 59-Jährige. Wenn alle Koalitionsmitglieder mit Ja stimmen, würde sie auf 59 Stimmen kommen – mehr als ausreichend für eine Wiederwahl.

Birkenfelds Interesse für Politik wurde schon in ihrer Kindheit geweckt. „Ich komme aus einer politischen Familie.“ Vor allem die Mutter verfolgte das politische Geschehen des Landes aufmerksam. Sie las Zeitung und schaute beim Bügeln die politischen Debatten aus dem Bundestag. „Meine Mutter hat dann gesagt, wo es lang geht.“ Mit 13 Jahren hatte Birkenfeld selbst eine Art Initialzündung. 1972 war es, als das Misstrauensvotum gegen Kanzler Willy Brandt scheiterte – weil sich wohl mehrere Abgeordnete hatten bestechen lassen. „Ich konnte es nicht fassen, dass man sich einfach bestechen lässt.“ Birkenfelds Entschluss stand fest, sie wollte selbst etwas tun, und es gab sowieso zu wenig Frauen in der Politik. Ihr Vater unterstützte sie bei dem Vorhaben zur Jungen Union zu gehen. Ihr erster Kontakt verlief zunächst ernüchternd. Mit 13 Jahren war sie zu jung, um Mitglied zu werden. Doch bei einer ersten Flugblattaktion am Bügel konnte sie erste Erfahrungen sammeln.

Nach dem Abitur an der Ziehenschule wollte Birkenfeld zunächst Lehrerin werden. „Ich konnte mir gar nichts anderes vorstellen“, sagt die 59-Jährige. Doch zwei Cousinen hatten Lehramt studiert und waren zu jener Zeit arbeitslos. Also musste es etwas anderes sein und Birkenfeld absolvierte eine Verwaltungsausbildung bei der Stadt. Es folgte ein Studium der Rechtswissenschaften, und schließlich ließ sich die Frankfurterin als Rechtsanwältin nieder. Birkenfeld wusste immer was sie nicht wollte: in keiner Großkanzlei arbeiten und keine Richterin werden. „Ich wollte nie über etwas richten, was man mir nur erzählt.“

1990 schließlich erhielt sie einen Anruf aus Wiesbaden. Ministerpräsident Walter Wallmann wollte sie für die CDU-Geschäftsstelle haben. Fast hätte die 59-Jährige zugesagt, doch dann erwähnte Wallmann, dass auch Staatssekretärin Otti Geschka jemanden suche, doch dass sie bloß nicht diese Stelle annehmen solle.

Daniela Birkenfeld machte genau das Gegenteil und wurde Kabinettsreferentin bei der damaligen Bevollmächtigten der Hessischen Landesregierung für Frauenangelegenheiten. Ein Glücksgriff, denn 1991 wurde Wallmann abgewählt, und die CDU ging in die Opposition.

In den folgenden Jahren lehrte Birkenfeld Recht an der Verwaltungsfachhochschule Hessen. Sie versuchte sich mehrmals bei der Europawahl, doch schaffte nie den Einzug ins Parlament. 2001 wurde sie Stadtverordnete und Vorsitzende des Bildungsausschusses. Die damalige Oberbürgermeistern Petra Roth förderte ihre politische Karriere, die schließlich im Amt der Sozialdezernentin gipfelte. Bereut hat die Stadträtin diesen Schritt nie. „In meiner täglichen Arbeit komme ich mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen. Ich erlebe meine Stadt in der kompletten Breite“, berichtet Birkenfeld. Sie schätze diese Abwechslung und diese Bandbreite an Aufgaben und Themen. Als Ministerin habe man keine Zeit und sei täglich von Termin zu Termin unterwegs. Als Stadträtin sei das anders, sie sei froh gestalten zu können. „Es gibt keinen Tag, der mich nicht glücklich macht.“

Allerdings weiß die Mutter eines 25-jährigen Sohnes auch, dass die Prozesse in den Ämtern nicht von heute auf morgen passieren. „Anfangs denkt man, hier bewegt sich nichts.“ Ehe man Ergebnisse sehe, dauert es lange. Doch Birkenfeld halte viel von der Verwaltung. Man müsse auf seine Mitarbeiter zugehen und sie ansprechen. Sie verlässt sich auf das Know-How ihrer Angestellten und hält ihnen im Gegenzug den Rücken frei.

Wichtige Themen ihrer wahrscheinlich nächsten Amtszeit werden Inklusion und Teilhabe sein. Bei der Flüchtlings-Thematik macht sich die Dezernentin keine Illusionen. „Wenn man sich die Zahl der jährlich gebauten Wohnungen im Vergleich zu den Menschenzahlen in den Unterkünften ansieht, erkennt man, dass wir in sechs Jahren noch nicht alle Menschen aus den Unterkünften raus haben werden – auch wenn das natürlich mein Ziel ist.“

2019 wird im Privaten ein spannendes Jahr für Birkenfeld. Am 12. Oktober wird sie 60 Jahre alt. Zuvor wird sie im Sommer zum zweiten Mal heiraten. „Ich bin aber zum ersten Mal verlobt und genieße diese Zeit.“

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