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Schickes Fahrzeug, doch das Auspuffrohr wurde mit einer Bierdose geflickt.

Raser

Zu viel Krach fürs Messgerät

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Die Polizei zieht eine Bilanz im Kampf gegen Raser und illegales Tuning. Bußgelder sind keine Abschreckung.

Der Geländewagen ist komplett in Schwarz gehalten, die Scheiben getönt, am Heck klebt ein Totenkopf. Der Wagen fällt auf, vor allem, wenn er fährt. Denn der Endschalldämpfer wurde ersetzt, wie Oberkommissar Nico Briesemeister zeigt, während das beschlagnahmte Fahrzeug auf der Hebebühne im Innenhof des Polizeipräsidiums steht.

Sieben Monate nach Gründung der speziellen Einheit „Kart“ zur Verfolgung von Rasern und Tunern hat die Frankfurter Polizei ein Zwischenfazit gezogen. Tenor: Es gibt genug zu tun. Frankfurt ist im bundesweiten Vergleich zwar keine Hochburg der Szene, aber in der engen Innenstadt mit ihren Hochhausschluchten fallen Krachmacher besonders unangenehm auf. Oder, wie es der Leiter der Direktion Verkehrssicherheit, Tim Heinen formuliert: „Die Autoposer bereiten uns Kopfzerbrechen, sie malträtieren die Bevölkerung.“

Für die Zwischenbilanz hat die Einheit die wahnwitzigsten Verstöße der Raser und Krachmacher aus den zurückliegenden Monaten zusammengetragen. An der Eissporthalle war jemand mit Tempo 115 unterwegs, erlaubt sind 50. In der Innenstadt hat eine mit Videokamera ausgestattete Streife einen sogenannten Ampelstart gefilmt, bei dem zwei Fahrer sich an der Ampel spontan zu einem kleinen Rennen verabreden. Der größte Krachmacher unter den Autofahrern ist mit 116 Dezibel gemessen worden. Eine Kettensäge in einem Meter Entfernung bringt es nur auf 110. Bei den Motorrädern wurde ein Spinner mit mindestens 130 Dezibel gemessen. „Da hörte das Messgerät dann auf“, verdeutlicht Briesemeister.

Die Möglichkeiten, solche Krachmacher in die Schranken zu weisen, sind bislang begrenzt. „Das Bußgeldrecht gibt da nicht viel her, es stammt aus der Zeit der frisierten Mofas“, sagt Heinen. Raser zahlen bei einem Verstoß zehn Euro. Damit können die Fahrer von aufgemotzten Luxuskarossen nicht abgeschreckt werden. Zur Abschreckung verschickt die Einheit Kart daher Präventivbriefe. Wer einmal aufgefallen ist, wird angeschrieben und landet auf einer schwarzen Liste. 630 Fahrer werden dort aktuell geführt. Überhaupt hat die Einheit sehr viel Schriftverkehr zu führen. „Wer sein Fahrzeug weggenommen bekommt, der wird aktiv“, so Heinen. Schriftverkehr gibt es aber auch mit anderen Behörden wie Führerscheinstelle oder Bußgeldbehörde.

Auch Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) lauscht den Ausführungen am Montag. Er wolle das Ende des auf ein Jahr angelegten Projekts erst mal abwarten, könne sich aber gut vorstellen, im Bundesrat eine entsprechende Initiative anzustoßen, um Krachmacher künftig stärker zur Kasse zu bitten. „Es scheint ja Bedarf da zu sein“, so Beuth.

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