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Eine 2. Klase zu Besuch im "Katzendschungel".

Zoo

Das tierische Klassenzimmer

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Wilde Tiere faszinieren Kinder von jeher. Seit 50 Jahren macht die Frankfurter Zoopädagogik den Besuch am Afen- oder Tigergehege für die Kleinen noch spannender. Seit den Anfängen unter Zoodirektor Bernhard Grzimek hat sich das Konzept stets weiterentwickelt.

So, alle mal böse gucken. Grrrr! Ganz schön grimmig, wie die Damen und Herren Anna-Schmidt-Schüler der Klasse 2a dreinschauen können. Aber nichts gegen den Blick, den ein Tiger loslässt, wenn er sauer ist. Der kann sogar mit den Ohren drohen. Und riesige Zähne fletschen.

Davon ist heute nichts zu befürchten. Die jungen Zoogäste haben eine Führung bei der Leiterin der pädagogischen Abteilung, und Tigerin Malea ist vollkommen entspannt. Nur durch die Glasscheibe getrennt, stehen beziehungsweise liegen die Kinder und das Raubtier beieinander. Malea gähnt mal herzhaft – kreisch! – und leckt sich dann am Popo – kreiheisch! –, ansonsten respektiert man einander und schielt höchstens mal zur Tür, die ins Freie führt. Wo bleibt denn der Pfleger?, fragt sich Malea, ich will doch raus.

Dass die ganze Szene so schön entspannt wirkt, ist zum großen Teil das Verdienst von Martina Weiser. Erstaunlich, mit was für einer ruhigen und angenehmen Stimme sie die Zweitklässler anspricht. Ein echter Kontrast zu manch schrillem Lehrerinnen-Organ. Weiser war selbst Gymnasiallehrerin, aber seit 1994 erklärt sie jungen (und alten und mittelalten, aber meistens jungen) Besuchern die erstaunlichsten Dinge über die Tiere im Zoo. „Man kann mit der Stimme einen Spannungsbogen erzeugen“, sagt sie.

Wenn in diesem Zeitungsbericht unhöflicherweise ihr Alter thematisiert wird, dann nur, weil Martina Weiser genauso jung ist wie die Frankfurter Zoopädagogik: 55 Jahre. „Als ich auf die Welt kam, hat man mir schon meinen Arbeitsplatz vorbereitet“, scherzt sie am Dienstag zur Feier des Tages. Der Zoo zelebriert den Schnapszahl-Geburtstag der Zooschule, auch Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) ist da, es gibt Kuchen und jede Menge Lob. Vom „größten Klassenzimmer Frankfurts“ spricht der Stadtrat anerkennend.

Pioniertat

Als Zoodirektor Bernhard Grzimek 1960 die Zoopädagogik in Frankfurt ins Leben rief, war es eine Premiere in Deutschland: Die Abteilungsleiterin Rosl Kirchshofer, die er aus Wien holte, gilt sogar als erste Zoopädagogin auf dem europäischen Kontinent. Das „Frankfurter Modell“ sei danach bald in vielen Städten nachgeahmt worden, sagt Manfred Niekisch, der heutige Zoodirektor. Die heutige Zoopädagogin, schildert er, habe Programme von damals weiterentwickelt und umgekrempelt. So würden etwa bei Führungen nicht mehr die Paviane gefüttert, um bestimmte Verhaltensweisen zu provozieren, und es kam eine Vielzahl von Angeboten hinzu. Eines hätte sie nur allzu gern noch obendrauf: einen Schulbauernhof im Zoo. Aber das ist Zukunftsmusik.

„Das Sozialverhalten der Primaten ist als Thema der absolute Renner“, sagt Martina Weiser. Sie hat freilich wenig Zeit für Führungen. Zu viel ist zu organisieren – die meisten Erklärungstafeln, Beschriftungen und Modelle im Zoo hat sie sich überlegt. Sie pflegt Lern-Kooperationen mit dem Palmengarten, dem Botanischen Garten und dem Senckenberg-Museum, sie pflegt die Hilfsmittelsammlung (Fotos, Eier, Federn, Knochen, Fellproben), und sie sagt: „Bildung ist so wichtig!“ Das Wissen um den Wert der biologischen Vielfalt.

Wie wichtig diese Bildung ist, merkt die Pädagogin manchmal auch an den Anfragen, die so hereinkommen. Da meldete sich beispielsweise eine Frau, die ihrer Freundin gern „einmal Tigerstreicheln“ zum Geburtstag schenken wollte. In Narkose. Der Tiger, nicht die Freundin.

Aber heute hat Martina Weiser mal Zeit für eine Führung. Wer denn selbst eine Katze habe, fragt sie die Anna-Schmidt-Schüler. Caspar meldet sich: Er hat sogar zwei und zeigt die Katzengröße mit den Händen an, „eine so und eine ungefähr so“. Und woran erkennt man Katzen, die kleinen und die ganz großen? An den Schnurrhaaren, wissen die Kinder schon, an den Krallen – „und am weichen Fell“, sagt Max. Das stimmt zwar, bestätigt Martina Weiser, „aber die Sache mit dem Fell werden wir heute nicht überprüfen können“.

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