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Die neuen Räume sind bereits seit einigen Monaten in Benutzung.

Obdachlose in Frankfurt

"Teestube Jona" eröffnet ihre neuen Räume

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Die "Teestube Jona" kann Obdachlosen in Frankfurt nach ihrem Umzug in die frühere Gutleutkirche mehr Angebote machen. Neben einer Kochgruppe und der Sozialberatung gebe es jetzt auch Duschen und einen Friseur.

Die Atmosphäre ist gemütlich und edel zugleich. Alle eintreffenden Gäste werden mit einem Sekt begrüßt, in der Ecke steht ein Büfett mit Häppchen, ein Saxophonspieler zaubert Barstimmung in die knallgrün gestrichenen Räume. Ein knappes halbes Jahr, nachdem die „Teestube Jona“, die sich als Café und Wohnzimmer für obdachlose Menschen versteht, den Betrieb in ihren neuen Räumen in der früheren Gutleutkirche aufgenommen hat, feiert die Einrichtung an diesem Freitagnachmittag offiziell Eröffnung. Der Raum ist gut gefüllt, neben den Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern der Teestube sind mehr als 50 Gäste der Einladung gefolgt.

Noch vor einigen Monaten habe er es kaum für möglich gehalten, zu so einer Feier einladen zu können, sagt Stephan Knobel, Vorsitzender des Vereins „Projektgruppe Bahnhofsviertel“, der hinter der Teestube steht. Das Team habe „schwere, harte Tage“ hinter sich. „Wir haben wirklich gekämpft.“ Knobel spielt auf die misslichen Umstände an, unter denen die Teestube ihren bereits seit den 80er-Jahren angestammten Standort in der Pforzheimer Straße 7, direkt hinter dem Hauptbahnhof, verloren hatte.

Erweitertes Angebot

Das Haus war im Frühjahr vergangenen Jahres verkauft worden, die neuen Eigentümer hatten der Teestube gekündigt – und nicht nur das. Die Mitarbeiter klagten, ihnen sei das Wasser, die Heizung und der Strom abgestellt worden, man wollte sie ganz offensichtlich brutal vertreiben. Letztlich hatte die Stadt der Teestube die Räume im Gutleutviertel angeboten. Jetzt sei man überglücklich, „das Fortbestehen der Teestube zu feiern“, sagt Stephan Knobel. Außerdem erweitere man sogar das Angebot: Neben einer Kochgruppe und der Sozialberatung gebe es jetzt auch Tischtennistreffen, Duschen und einen Friseur, der den Gästen kostenlos die Haare schneide.

Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), die ebenfalls zur Eröffnung gekommen ist, zeigt sich zufrieden, dass der Umzug geklappt hat. „Menschen, die sonst oft auf Ablehnung stoßen“, fänden in der Teestube einen gemütlichen Treffpunkt, Beratung und Respekt, lobt Birkenfeld. Sie hoffe, dass alle Stammgäste den Weg in die neuen Räume fänden und das Vorhaben gelinge, noch eine Raucherkabine einzubauen – in der neuen Teestube herrscht striktes Rauchverbot. Die Teestube Jona sei wichtig für alle obdachlosen Menschen in Frankfurt, sagt Birkenfeld. „Ich wünsche Ihnen viel, viel Erfolg.“

Nadine Müller, die Leiterin der Teestube, bedankt sich für die große Unterstützung, die ihr Team in der vergangenen Zeit erfahren habe. Sie erinnert daran, dass die Mitarbeiter ohne Strom und Heizung oft kurz davor waren, aufzugeben – und kämpft dabei immer wieder mit den Tränen. Sie sei heute nah am Wasser gebaut, sagt Müller. „Es ist einfach ein toller Tag für uns.“ 

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