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Das Herzstück der Choreographie, die zum stimmungsvollen Auftakt beitrug.

Eintracht Frankfurt

Der Tag, als da Costa zweimal traf

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Frankfurter Fans geraten nach dem Sieg von Eintracht Frankfurt in der Europa League in einen kollektiven Freudentaumel. Für manche endet der Abend jedoch im Polizei-Gewahrsam.

Nach dem berauschenden Sieg von Eintracht Frankfurt in der Europa League gegen Lazio Rom ist die Stadt im kollektiven Freudentaumel. Zumindest die, die es mit der Eintracht halten. Aber das dürften nach diesem Abend im Stadtwald wieder ein paar mehr geworden sein. Unter den 47 000 Augenzeugen im Stadion schwankten die Reaktionen zwischen Fassungslosigkeit und purer Ekstase. Selbst ewige Grantler und kühle Analysten standen am Ende auf ihren blauen Sitzschalen und feierten den so nie für möglich gehaltenen Sieg. Dabei fiel immer wieder ein Begriff: „Magisch“.

Dabei kam die Stimmung nicht wie meist üblich „nur“ aus der Nordwestkurve hinter dem Tor. Selbst dort, wo sonst eher höflicher Applaus gespendet wird, gerieten die Zuschauer in Ekstase, wie etwa Sportdezernent Markus Frank (CDU) verriet. „Es war gigantisch, wir haben Gas gegeben, das hat uns schon mitgerissen“, erzählt Frank mit angeschlagener Stimme. Der Stadtrat hatte die Partie aus der Loge der Stadt verfolgt mit neun weiteren Stadtverordneten und zehn Mitgliedern des Stadtverbands der Frankfurter Vereinsringe. Die Kicker unten auf dem grünen Rasen hätten in dieser europäischen Ballnacht auch Werbung für Frankfurt gemacht. „Vom Marketingwert her ist das unerreicht“, befand Frank.

RTL Nitro freut sich über Rekordeinschaltquote

Wie sehr das Spiel im Stadion mitriss, bekamen auch die Zuschauer des Senders RTL Nitro zu spüren. Sie durften nach Spielende in die feixenden Gesichter von Kommentator Marco Hagemann und Experte Steffen Freund schauen. „Ich sage jetzt einfach Waldstadion, so heißt das für mich“, sagte Hagemann und bekam zu seiner Überraschung vom nicht minder euphorisierten Freund einen ordentlichen Knuff in die Schulter. Der Sender durfte sich beim ersten Europapokal-Heimspiel der Eintracht seit fast fünf Jahren über eine Rekordeinschaltquote freuen. Rund zwei Millionen Zuschauer verfolgten den Sieg der Eintracht gegen den Favoriten aus der Serie A.

Auch andere Medien zeigten sich von Spiel und Stimmung begeistert. Die „Sport-Bild“ schrieb von einem „Hexenkessel“ und hatte genau nachgerechnet: Es war das erste Europapokal-Heimspiel der Eintracht seit 1680 Tagen. Das Fußball-Magazin „11 Freunde“ feierte die Eintracht-Fans für ihre sensationelle Anfeuerung mit der Schlagzeile „Wir sind alle Frankfurter Jungs“ und stellte ein zweiminütiges Video von der Choreo online, die auf der Gegentribüne und in der Nordwestkurve zu sehen war. An der Vorbereitung der Choreo hatten bis zu 200 Fans zwei Tage lang gearbeitet. Ein Tag ging für die Vorbereitung der Spruchbänder drauf, einer für das Auslegen der Pappen und Fahnen.

Kreativ waren die Fans in ihrer Freude auch im Internet. Im FR-Forum Blog G dichtete sgehorst den Schlager „Am Tag, als Conny Kramer starb“ im Überschwang kurzerhand um in „Am Tag, als da Costa zweimal traf, und alle Römer weinten sehr viel…“ Nutzer de Frank glaubt, endlich das Spielsystem von Eintracht-Trainer Adi Hütter erkannt zu haben: 4:1. Denn genau damit hatte die Eintracht sowohl Hannover 96 als auch Lazio Rom bezwungen.

Einen starken Auftritt hatte auch das Social Media-Team der Frankfurter Polizei. Ihren Tweet, wonach sie einen Lazio-Fan im Stadion wegen des Hitler-Grußes festgenommen hatten, mit dem Hinweis #notoracism wurde knapp 6000 Mal gelikt. Den Italiener erwartet nach Polizeiangaben eine saftige Geldstrafe von mindestens 1000 Euro.

Auch auf andere vermeintliche Fans, die sich nicht alleine mit dem rauschenden Fußballfest begnügen wollten, kommt Ärger zu. Die Polizei nahm rund um das Spiel 27 Personen fest, darunter auch solche, die am Stadion Steine auf Polizisten warfen, wobei eine Beamtin am Kinn verletzt wurde. Der negative Abschluss waren vier Menschen, die nach Mitternacht in der Taunusstraße auf einen Lazio-Fan einprügelten und ihm Schal und Lazio-Tasche abnahmen. Doch all das blieb nach dem magischen Fußballabend eher eine Randnotiz.

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