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Lässig: Die Pullover von "Arm TM" orientieren sich an der aktuellen Straßenmode.

Frankfurter Jugendring

T-Shirts gegen Kinderarmut

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Der Frankfurter Jugendring beklagt, dass die Stadt zu wenig gegen Kinderarmut unternehme. Deshalb startet er eine neue Kampagne und das Modelabel „Arm TM“.

Der Frankfurter Jugendring will mit einer neuen Kampagne und einer eigenen Modelinie verstärkt auf das Thema Kinder- und Jugendarmut aufmerksam machen. Obwohl seit Erstellung des Sozialberichts „Zukunft Frankfurter Kinder sichern“ 2010 viel diskutiert und einiges angeschoben worden sei, tue die Stadt zu wenig gegen dieses Problem, sagte Rebekka Rammé, Vorsitzende des Jugendrings, am Dienstag. Immer noch lebe fast jedes vierte Kind in Frankfurt in Armut, weil die Eltern Geringverdiener seien oder von Sozialleistungen lebten, so Rammé. „Wir haben das Gefühl, dass es bei den Verantwortlichen an Mut und Entschlossenheit fehlt.“

Bei einer Tagung im Frühjahr hätten viele Mitgliedsverbände berichtet, dass immer mehr Kindern das Geld fehle, um etwa an Ferienfreizeiten teilzunehmen, berichtete Rammé. Die 220 000 Euro, die die Stadt jährlich zur Freizeitförderung ausgebe, reiche nicht aus. Das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung, mit dem arme Familien gefördert werden können, sei für die Betroffenen zu bürokratisch.

Pünktlich zum OB-Wahlkampf hat der Jugendring daher „Forderungen zur Bekämpfung von Kinder- und Jugendarmut in Frankfurt“ aufgestellt. In der Wunschliste finden sich unter anderem ein kostenloser Nahverkehr für Kinder und Jugendliche, mehr Jugendzentren, mehr kommunales Geld für die Förderung von Ferienfreizeiten und ein kostenloses Mittagessen für Kinder aus bedürftigen Familien. Man werbe für ein Umdenken, plane Aktionen für das kommende Jahr und fordere den Magistrat auf, „mehr zu handeln und Geld zu investieren“, sagte Rammé.

Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, hat der Jugendring gemeinsam mit der Offenbacher Werbeagentur „U9“ das Modelabel „Arm TM“ ins Leben gerufen. Die Marke vertreibt T-Shirts, Pullover und Turnbeutel, die sich an aktueller Streetwear-Mode orientieren und primär Aufmerksamkeit erzeugen sollen. Von jedem der fair gehandelten und regional produzierten Kleidungsstücke gehen 10 Euro an einen neuen Spendenfonds, aus dem der Jugendring auf eigene Faust ärmeren Kindern die Teilnahme an Ferienfreizeiten ermöglichen will. Man starte zunächst mit einigen wenigen Produkten, könne sich aber vorstellen, das Label „Arm TM“ über Frankfurt hinaus zu vertreiben, sagte Andreas Gnass von „U9“.

Bei der Stadt kann man die Kritik des Jugendrings unterdessen nicht nachvollziehen. Robert Standhaft, Büroleiter von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), sagte der Frankfurter Rundschau auf Anfrage, man sei in engem Kontakt mit dem Jugendring, die politischen Folgerungen aus dem Sozialbericht von 2010 würden etwa im Jugendhilfeausschuss weiter bearbeitet. „An diesen Themen ist die Stadt dran“, versicherte Standhaft. Im Haushalt 2017 seien allein 500 000 Euro zusätzlich für die mobile Jugendarbeit vorgesehen, in Harheim und Sachsenhausen entstünden demnächst neue Jugendzentren. Einzig die Einschätzung, dass das Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes zu bürokratisch sei, teile man, sagte Standhaft. „Diese Kritik ist sicherlich berechtigt.“

Mehr Informationen zum Modelabel „Arm TM“ unter www.armtm.de.

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