+
Am meisten Strom verbrauchen in Frankfurt inzwischen die Rechenzentren. (Symbolbild)

Frankfurt

Der Stromverbrauch steigt

  • schließen

In Frankfurt wird mehr Strom verbraucht. Ein Treiber dieser Entwicklung sind vor allem die Rechenzentren.

Die Stadt verbraucht immer mehr Strom. Weil jedes Jahr Menschen nach Frankfurt zuziehen, sich neue Unternehmen ansiedeln und vorhandene vergrößern. Laut Geschäftsbericht der Mainova lag der Stromverbrauch in der Stadt Ende 2015 bei zehn Terawattstunden. Ende 2016 waren es 11,2 Terawattstunden.

Die Tendenz werde sich fortsetzen, sagte Mainova-Sprecher Sven Birgmeier. In den vergangenen 20 Jahren sei der Stromverbrauch in der Stadt schon „um ein Drittel gestiegen“. Am meisten Strom verbrauchten die Rechenzentren, sagte Mainova-Vorstand Lothar Herbst.

Flughafen nicht mehr Hauptkonsument 

Sie hätten den Frankfurter Flughafen mittlerweile von seiner Position als Hauptkonsument abgelöst. Anderthalb Mal so viel Strom wie an den Airport liefere der städtische Energieversorger an die diversen Rechenzentren in der Stadt.

Allein Telehouse betreibt drei Rechenzentren auf seinem Areal an der Kleyerstraße im Gallus. Das vierte sei in Planung und soll 2019 in Betrieb gehen, sagte Geschäftsführer Béla Waldhauser. Dafür gebe das Unternehmen, das weltweit 48 Rechenzentren unterhält, rund 80 Millionen Euro aus.

Am Mittwoch hat die Mainova ein neues Umspannwerk in der Kleyerstraße eröffnet. Es versorgt Telehouse mit Energie. Das Werk wandelt den Strom von 110 000 Volt auf 30 000 Volt um. Als Dezernent Jan Schneider (CDU) die Anlage einschaltete, tat sich ein lauter Schlag. Das sei normal, sagte ein Mitarbeiter. Drei Jahre haben die Arbeiten am Umspannwerk gedauert. Sieben Zentimeter dicke Kabel liegen nun unter der Asphaltdecke der Kleyerstraße.

Die Mainova hat zwölf Millionen Euro ausgegeben. „Für uns es das trotzdem ein Riesengeschäft“, sagte Lothar Herbst. Die Rechenzentren machten heute schon 20 Prozent des Frankfurter Stromverbrauchs aus. Der fließe durch die Leitungen der Mainova. Daran verdiene der Energieversorger gut.

Béla Waldhauser beklagte die Kosten für die sogenannte EEG-Umlage. Die Umlage hat den Zweck, die Umstellung von Energie aus Kohle und Atomkraft hin zu den erneuerbaren Energien aus Wind, Wasser und Sonnenstrahlen zu fördern. Seit Januar 2017 liegt der Anteil der EEG-Umlage an den Stromkosten von Privatleuten bei rund acht Prozent. Eine solche Umlage gebe es in Frankreich, den Niederlanden und skandinavischen Ländern nicht, sagte Béla Waldhauser. Das beeinflusse den Wettbewerb. Die Hälfte dessen, was Telehouse-Kunden bezahlten, ginge für Strom drauf.

Rechenzentren zahlen allerdings weniger für Strom als private Verbraucher. 14 Cent koste eine Kilowattstunde am Leipziger Strommarkt, sagte Béla Waldhauser. Der Tarif „Strom direkt“ der Mainova für Privatpersonen koste hingegen knapp das Doppelte, sagte der Mainova-Sprecher. Darin seien allerdings auch Netzentgelte enthalten. Stadtrat Schneider sagte, die Stadt fördere die Ansiedlung von Rechenzentren. Er halte die EEG-Umlage für „ziemlich widersinnig“, weil sie Ausnahmen für das produzierende Gewerbe sowie Betreiber von Bahnen zulasse.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare