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Zu Fechenheim gehört einer der Stadtbezirke mit den geringsten Einkommen in ganz Frankfurt.

Löhne in Frankfurt

Die Spaltung in Frankfurt vertieft sich

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Die Einkommen in Frankfurt steigen je nach Stadtteil stark, stagnieren oder sinken gar. Ein Bericht der städtischen Statistiker zeigt, wie sich die Kluft zwischen reicheren und ärmeren Vierteln vertieft.

Die Kluft zwischen Stadtvierteln mit einer gut verdienenden Bevölkerung und ärmeren Bereichen Frankfurts ist in den vergangenen zehn Jahren tiefer geworden. Das geht aus einem Bericht der städtischen Statistiker hervor, die die Entwicklung der Bruttogehälter in den 121 Frankfurter Stadtbezirken untersucht haben. Auf die ganze Stadt gerechnet sind diese von Ende 2007 bis Ende 2017 im Median um 23,3 Prozent auf 3861 Euro gestiegen. Das heißt: Die eine Hälfte der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verdient mehr, die andere Hälfte weniger als dieser Mittelwert. Wenn man einrechnet, dass die Verbraucherpreise in Hessen im selben Zeitraum um 12,5 Prozent stiegen, bleibt ein Reallohnplus von 1,1 Prozent im Jahr. 

Die Spanne der Gehälter innerhalb der Stadt ist allerdings sehr groß. In einem Stadtbezirk in Westend-Süd lagen die Einkommen dem Bericht nach Ende 2017 im Mittelwert bei 6268 Euro, in einem Stadtbezirk im Griesheimer Osten dagegen nur bei 2363 Euro. Sehr niedrig sind die Gehälter auch im Süden von Fechenheim. 

Der Unterschied zwischen den Vierteln nimmt stark zu. In 21 Stadtbezirken liegen die Einkommen mindestens 20 Prozent über dem Frankfurter Mittelwert, in 17 Stadtbezirken verdient die sozialversicherungspflichtige Bevölkerung im Mittel nur bis zu 80 Prozent dieses Mittelwerts. Vor zehn Jahren waren es nach dem Bericht noch lediglich 17 Stadtbezirke, die deutlich besser verdienten, acht, die deutlich schlechtere Einkommen bezogen. 

Das hängt, wie der auch für Statistik zuständige Bau- und Reformdezernent Jan Schneider (CDU) erläutert, mit den sehr unterschiedlichen Steigerungsraten der Bruttolöhne in den Stadtbezirken zusammen. Die Stadtbezirke, mit den niedrigsten Einkommen, hätten kaum an der auf die Gesamtstadt gerechnet positiven Entwicklung partizipiert, heißt es. Ärmere Stadtteile sind im Vergleich also in den vergangenen Jahren zum Teil noch ärmer geworden. 

Lohneinbußen in Griesheim

So liegen die Einkommen in einem der beiden Stadtbezirke im Griesheimer Osten mit 2429 Euro sogar 185 Euro niedriger als Ende 2007. Auch in einem Stadtbezirk von Westend-Nord, nördlich der Miquelallee, sanken die Bruttogehälter im Mittel, wenn auch auf deutlich höherem Niveau. Sie lagen mit 3898 Euro 69 Euro unter dem Wert vor zehn Jahren. Lediglich geringe Einkommenssteigerungen – deutlich unter der Inflationsrate – zeigen die Statistiken für Zeilsheim-Ost, Zeilsheim-Nord und einen Seckbacher Stadtbezirk. 

Die städtischen Statistiker weisen allerdings auch auf einen Effekt hin, der in Gebieten mit sinkender Arbeitslosigkeit zu Buche schlägt. Dass Menschen, die bisher arbeitslos waren, also nicht in der Lohnstatistik erfasst sind, nun arbeiten, das aber womöglich für ein niedriges Entgelt, kann sich negativ auf das Gehaltsniveau auswirken. 

Besonders stark gestiegen sind die Bruttogehälter in einem Stadtbezirk des Gallus, wo sie mit 4398 Euro nun 73,2 Prozent über dem Wert von 2007 liegen, in einem Stadtbezirk des Riedberg (plus 49,9), einem Bezirk von Westend-Nord (plus 43,8), einem weiteren Stadtbezirk des Gallus (plus 67) und einem Stadtbezirk von Bockenheim (plus 44,8 Prozent). Es handelt sich bei diesen Stadtbezirken, bis auf den im Westend, um Viertel, in denen zuletzt kräftig gebaut wurde und teure Wohnungen entstanden, die von Menschen außerhalb des Stadtbezirks bezogen wurden.

Für die Linke im Römer zeigt der Bericht, dass sich die Spaltung in Arm und Reich rasant vertieft und verstetigt. „Die Armut in dieser Stadt kann räumlich abgelesen werden“, sagt Fraktionschefin Dominike Pauli . Das sei ein Armutszeugnis für das reiche Frankfurt. Zumal die Stadt nicht nur beim Einkommen geteilt sei. So gebe es in Westend-Süd 39 Kitas und fünf Gymnasien, im etwas kleineren Sossenheim 14 Kitas und kein einziges Gymnasium. 

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