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Die Strecke wird von zwei auf vier Gleise erweitert.

Verkehr in Frankfurt

Schwertransporte durch Ortskerne

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Im Frankfurter Norden klagen Anwohner über den Baustellenverkehr, der wegen des Ausbaus der S-Bahn-Linie S6 zu erwarten ist.

Im kommenden Jahr geht der Ausbau der S6-Strecke in die nächste Phase. Für die anstehenden Arbeiten müssen dann Hunderte Lastwagenfahrten organisiert werden. Da es aber bei diversen geplanten Zufahrten Probleme und Verzögerungen gibt, könnte auf die Anwohner einiger Stadtteile eine hohe Belastung zukommen.

Schon jetzt fahren Lastwagen unter anderem durch Berkersheim. Die Zahl könnte sich erheblich erhöhen. Bis zu 150 oder 200 Fahrzeuge sollen im kommenden Jahr insgesamt pro Tag unterwegs sein.

Sie sollen nach der Vorstellung der Bahn zum Beispiel über eine neue Baustraße fahren, die parallel zum Bahndamm errichtet wird. Das Problem: Diese wird frühestens in einigen Wochen fertig. Sie ist zwar bereits angelegt, aber zu schmal für den Begegnungsverkehr. Die Gespräche zur Schaffung von Ausweichflächen dauern an.

Auch sollen die Lastwagen die Niddabrücke in Harheim an der Berkersheimer Bahnstraße, nutzen. Die Bahn will diese daher so verstärken, dass sie der Schwerlastverkehr problemlos passieren kann. Das soll rund drei Monate dauern, so lange bliebe die Brücke erst einmal gesperrt. Nun aber fordert der Magistrat, dass in dieser Bauzeit eine Behelfsbrücke für Fahrradfahrer und Fußgänger gebaut wird.

Für Julian Fassing von DB Netze ist klar: „Wenn dies realisiert werden muss, benötigen wir eine weitere Planung. Die Erfahrungen bei bauzeitlichen Verstärkungen zeigen, dass dies mehrere Monate dauern kann.“ Die Folge: Die Lastwagen müssten dann verstärkt mitten durch Berkersheim fahren.

Dort sind einige Anwohner schon jetzt sauer. Denn viele Lastwagenfahrer legen eine nicht angemessene Fahrweise an den Tag. Franz Augst berichtet von Passanten, die sich nur durch einen Sprung zur Seite retten konnten, von Müttern mit ihrem Kinderwagen, die in Gefahr geraten sind, von Senioren, die Umwege laufen müssen, weil die großen Fahrzeuge die Wege versperren. Er sagt: „Unsere Lebensqualität geht verloren.“

Der Ortsbeirat 10 teilt die Sorgen, laut Ortsvorsteher Robert Lange (CDU) habe man auch immer wieder Kontakt zur Bahn.

Julian Fassing verspricht, dass die Bahn auf die Fahrer einwirkt. Zudem verweist er auf das Planfeststellungsverfahren, nachdem die Bahn bestimmte Straßen nutzen darf. Das sei unter anderem mit dem Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE) und der Straßenverkehrsbehörde abgestimmt. Laut ASE habe man daher „keine Handhabe zu unterbinden, dass kleinere Straßen von Baufahrzeugen und Transportern während der Bauarbeiten genutzt werden“.

Betroffen ist auch Eberhard Centner, der am Frankfurter Berg wohnt. Die Lastwagen werden durch seinen Stadtteil fahren, zum Beispiel über den Berkersheimer Weg. Ihn überzeugen die Argumente nicht. Sein Fazit: „Kann denn jedes (Staats-)Unternehmen in der Stadt treiben, was es will, koste es an Opfern, was es wolle?“

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