Frankfurt-Nord

Schon besiegelt?

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Der neue Stadtteil an der A5 ist aus Sicht des Ortsbeirats 8 politisch beschlossen.

Die Pläne für den neuen Frankfurter Stadtteil erhitzen die Gemüter im Ortsbezirk 8 weiterhin. Auf der Agenda der Ortsbeiratssitzung am vergangenen Donnerstag stehen gleich drei Anträge, die sich auf das umstrittene städtebauliche Großprojekt beziehen. Im Fokus: die aktuelle Debatte um Grundstücksankäufe im Planungsgebiet. Der Immobilienkonzern ABG Frankfurt Holding hat kürzlich insgesamt 7,3 Hektar Ackerland östlich und westlich der Autobahn 5 erworben.

Damit sei der Bau des neuen Stadtteils politisch beschlossen, ist sich der Ortsbeirat einig. Der Grundstücksankauf „unterwandert den Glauben an eine ergebnisoffene Untersuchung“, meint Ralf Porsche, CDU-Fraktionsvorsitzender. „Damit sind Fakten geschaffen worden“, bestätigt Erik Harbach von den Grünen. Dabei sollen die Ergebnisse der Voruntersuchung, ob und wie auf dem 550 Hektar großen Areal ein neuer Stadtteil entstehen könnte, erst 2020 vorliegen.

Im Falle einer „Nicht-Machbarkeit“ der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme könnte das für die Stadt als Alleingesellschafter der ABG hohe finanzielle Verluste bedeuten, gab Porsche zu bedenken. „Am Ende heißt es dann, dass deshalb gebaut werden muss.“ Auch im Antrag der Grünen steht, es ginge bei der Voruntersuchung „nicht mehr um ein ,Ob‘, sondern um ein ,Wie‘.“ ABG-Geschäftsführer Frank Junker dementiert das. Er hatte der FR gegenüber mitgeteilt, dass die Stadt mit dem Ankauf von Land kein Risiko eingegangen sei, da nur 1,75 Hektar tatsächlich erworben und für den Rest der 7,3 Hektar großen Grundstücke lediglich eine Kaufoption vereinbart worden sei.

Der CDU-Fraktion geht es in ihrem Antrag noch um einen anderen Aspekt: Neben den rechtlichen, ökologischen und ökonomischen planerischen Hürden, die der neue Stadtteil für bis zu 30.000 Menschen mit sich bringt, würde die Realisierung zu lange dauern. Es gäbe Hochspannungsleitungen, Vorhaltsgebiete für die Landwirtschaft oder Frischluftschneisen zu beachten. Am Ende bliebe nicht mehr viel Fläche übrig, die bebaut werden könne. „Dabei ist es erforderlich, auf schnellstem Wege mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“, betont Joachim Rotberg (CDU). Seine Fraktion schlägt eine alternative Lösung vor, die den Wohnungsmarkt kurzfristig entlasten soll.

Die Rede ist vom Bebauungsplan 906 „Westlich der Nordweststadt“. Der warte seit vier Jahren auf seine Aufstellung. Vom Magistrat ist er aufgrund der ergebnisoffenen Voruntersuchung für einen neuen Stadtteil zurückgestellt worden. Dabei sollte er laut CDU der Maßstab für ein neues Wohngebiet sein. 10,2 Hektar auf einem Feld sind es, die bebaut werden könnten. Ein Hindernis: Der Ausbau der A 5 sowie der Regionaltangente West. Die Lärmsituation der A5 würde das Bauprojekt stark beeinträchtigen. Die CDU bittet den Magistrat nun, den Plan als Alternative zum neuen Stadtteil in Betracht zu ziehen. Der Antrag wurde in der Sitzung verabschiedet.

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