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Die Goethe-Uni in Frankfurt ist auf 130 Gebäude verteilt. Sanierungsbedarf gibt es am Campus Bockenheim (hier ein Bild vom Januar 2015), bei der Chemie auf dem Campus Riedberg und auf dem Campus Ginnheim.

Unis in Hessen

Sanierungsstau an Hessens Hochschulen

Heruntergekommene Gebäude, veraltete Technik, Mängel bei Brandschutz und Barrierefreiheit:: In einige hessischen Universitäten müsste dringend investiert werden. Mit einer Milliarde Euro Geld will das Land die Universitäten und Hochschulen modernisieren, bald beginnen die Gespräche über die Verteilung. Welche hessische Uni was braucht - ein Überblick.

Hessens Hochschulen bringen sich in Position: Im September beginnen die Verhandlungen für das neue hessische Hochschulbauprogramm Heureka. Zwischen 2021 und 2025 will das Land eine Milliarde Euro in den Aus- und Neubau der Hochschulen im Land stecken. In den Gesprächen wird dann entschieden, wie und für welche Projekte das Geld aufgeteilt wird.

„Zu den zentralen Rahmenbedingungen für Wissenschaft, Forschung und Lehre gehört eine moderne Infrastruktur für unsere Hochschulen. Deshalb setzt die Landesregierung das Hochschulbauprogramm Heureka auch über das Jahr 2020 mit einer langfristigen und berechenbaren Perspektive für die Hochschulen fort“, sagt Hessens Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU).

Trotz Milliardeninvestitionen des Landes schieben die hessischen Hochschulen allerdings einen riesigen Sanierungsstau vor sich her. Doch der Bedarf an den Hochschulen ist unterschiedlich dringend, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

Die Goethe-Universität in Frankfurt benötigt rund 10 Millionen Euro pro Jahr für die Instandhaltung ihrer rund 130 Gebäude. Seit 2001 sind knapp zwei Drittel der Flächen neu gebaut worden. Entsprechend gut sei die Substanz, sagte ein Sprecher. Sanierungsstau gebe es aber auf dem Campus Bockenheim, der bald bis auf die Zentralbibliothek aufgegeben werden soll, bei der Chemie auf dem Campus Riedberg sowie auf dem Campus Ginnheim. Seit 2011 wurden Gebäude mit einem Wert von rund 340 Millionen Euro bezogen.

An der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) herrscht ein großer Sanierungsstau. Vor allem überalterte Technik, fehlender Brandschutz auf dem Stand der Technik, fehlende Barrierefreiheit, mangelnde Energieeffizienz und mangelnde Eignung der Gebäude machen den Verantwortlichen und Studenten zu schaffen.

Die Philipps-Uni Marburg gibt für ihre 120 Gebäude pro Jahr zwischen 7 und 15 Millionen Euro für Sanierungsarbeiten aus. „Der bauliche Zustand der Gebäude ist insgesamt verbesserungswürdig“, sagt Sprecherin Andrea Ruppel. Allerdings reiche die Spanne von modernen, neuen oder grundsanierten bis zu dringend sanierungsbedürftigen Gebäuden. Zwischen 2009 und 2020 werden an der Uni Marburg mehr als eine halbe Milliarde Euro in die Gebäude investiert. Der Restbedarf für Modernisierungen und Neubauten habe in etwa die gleiche Größenordnung, betonte Ruppel.
Im Frühjahr 2014 war das knapp 40 Millionen Euro teure Zentrum für Tumor- und Immunbiologie fertiggestellt worden, Ende des Jahres folgte dann neue Fachbereich Chemie mit rund 114 Millionen Euro Baukosten. Zudem laufen derzeit an der Uni Neubauprojekte im Gesamtvolumen von 124 Millionen Euro, darunter die neue Universitätsbibliothek, die Mitte 2017 fertig sein soll mit Kosten in Höhe von knapp 110 Millionen Euro.

Der Zustand der 160 Gebäude der Technische Universität (TU) Darmstadt reicht von neu und modern bis zu hochgradig sanierungsbedürftig. Rund jedes zweite Gebäude steht unter Denkmalschutz. Die TU benötigt nach eigenen Angaben rund 300 Millionen Euro, um einen Sanierungsstau zu beheben. 400 Millionen Euro flossen seit 2009 in die TU, davon wurden eine neue Bibliothek (73,8 Millionen Euro), ein neuer Hörsaal und ein Medienzentrum (33,7 Millionen Euro) gebaut.

„Wir haben in den vergangenen Jahren erhebliche eigene Anstrengungen unternommen, um den gravierenden Sanierungsstau, der sich über Jahrzehnte ergeben hat, sukzessive zu verringern. Es wird etwa zehn weitere Jahre dauern, den ursprünglich auf 500 Millionen Euro geschätzten Sanierungsstau vollständig abzubauen“, sagte Manfred Efinger, Kanzler der Technischen Universität Darmstadt. Er kritisierte eine Kürzung der Baumittel von 2016 an. Mit rund 21 Millionen pro Jahr bekomme die TU dann nur noch rund die Hälfte dessen, was für „Modernisierung und den zukunftsgerichteten Ausbau der Universitäts-Infrastruktur“ nötig sei.

Die Uni Kassel hat in den vergangenen Jahren immer mehr Studenten angezogen. Der allgemeine Zustand der insgesamt mehr als 100 Gebäude ist nach Uni-Angaben vergleichsweise gut. Ausnahme ist das denkmalgeschützte Gebäude der Kunsthochschule. „Hier ist in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten ein erheblicher Sanierungsbedarf entstanden“, sagt Sprecher Sebastian Mense. Die Uni verhandele derzeit mit dem Land Hessen über Mittel zur Sanierung, die Kosten werden auf rund 15 Millionen Euro geschätzt. Rund 3,7 Millionen Euro des jährlichen Haushalts gehen in die baulich-technische Instandhaltung.

Seit 2012 wurden unter anderem ein neues Campus Center mit Hörsälen, und Seminarräumen (40 Millionen Euro) sowie das Gründerzentrum Science Park Kassel – ein Gemeinschaftsprojekt mit der Stadt Kassel - für 15,6 Millionen Euro gebaut. In diesem Jahr noch fertiggestellt wird der Neubau Fachbereich Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung (12,3 Millionen Euro).

Die insgesamt 24 Gebäude der Hochschule Fulda sind dagegen nach Angaben der Hochschule gut in Schuss. „Der bauliche Zustand der Gebäude der Hochschule Fulda ist ausgesprochen gut. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle älteren Gebäude in den vergangenen Jahren saniert worden“, sagte eine Sprecherin. Hochschulbibliothek, Mensa und ein „Student Service Center“ wurden 2013 neu gebaut, rund 42 Millionen Euro flossen hierfür aus dem Entwicklungsprogramm HEUREKA des Landes Hessen. Derzeit entsteht ein neues Gebäude mit Unterrichtsräumen sowie Räumen für die Verwaltung. Die Finanzierung für ein neues Gebäude für den Fachbereich Pflege und Gesundheit steht bereits. (dpa)

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