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"A 13 für alle": Grundschullehrerinnen demonstrieren für Gleichbehandlung.

Lehrer demonstrieren

Protest gegen Zwei-Klassen-Lehrertarif

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Landesweiter Aktionstag: Grundschulpädagogen wollen genauso viel Geld verdienen wie ihre Kollegen an weiterführenden Schulen.

Steffi Haßelwander, Lorenz Hennen und ihre Kolleginnen aus der Frankfurter Liebfrauenschule haben einen mannshohen Pappkameraden dabei. Er fordert: „Lehrerstellen statt Leerstellen“. Es ist Dienstag, 13. November, und für den Rest des Jahres werden die Demonstrierenden keine Bezahlung mehr erhalten.

Jedenfalls wenn man sie mit Haupt-, Realschul- und Gymnasiallehrern vergleicht. Den Stichtag hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ausgerechnet: Weil Grundschullehrkräfte mit Tarifgruppe A 12 einsteigen, alle anderen aber mit A 13, hätten die Lehrer für die größeren Schüler schon am 13. November so viel verdient wie die für die Kleinsten im ganzen Jahr. Die Forderung, die die GEW daraus ableitet: „A 13 für alle!“

Gut 100 Frankfurter Grundschullehrerinnen und -lehrer sind am landesweiten Aktionstag zum Staatlichen Schulamt am Hauptbahnhof gekommen, um der Forderung Druck zu verleihen. Eine Frau will eine eigene Sekretärin, weil die Aufgaben rund ums Lehren immer mehr würden. „Super Schild!“, feixt ein Kollege. „Wir wollen keine Geschenke, wir wollen nur, was uns zusteht“, sagt Karola Stötzel, die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende.

Für 28,5 Wochenstunden ist Lorenz Hennen an der Liebfrauenschule offiziell verpflichtet. „In der Realität geht es eher Richtung 50 Stunden“, zählt er zusammen. Täglich von 7.30 Uhr bis etwa 17 Uhr halte er sich in der Schule auf; mindestens ein Tag des Wochenendes gehe für Organisatorisches drauf. „Uns geht es gar nicht so sehr darum, mehr Kohle zu verdienen“, sagt er, Kollegin Haßelwander nickt. „Wir wollen auf die Situation aufmerksam machen, die Belastung wird immer größer – was wird in zehn Jahren sein?“ Eine Stundenreduzierung bei gleichem Gehalt wäre für viele Lehrerinnen und Lehrer eine Option, sagen sie. Gerade die Betreuung der Kleinsten verlange dem Personal mehr ab als noch vor 20 Jahren. „Die Gesellschaft verändert sich, wir nehmen viel mehr Erziehungsaufgaben wahr“, sagt Hennen. „Früher war klarer zu unterscheiden: Das passiert zu Hause – und das passiert in der Schule“, sagt Steffi Haßelwander. Entwicklungen, die freilich auch Pädagogen an weiterführenden Schulen treffen.

In Berlin und Brandenburg sei die Angleichung der Lehrergehälter beschlossene Sache, zählt GEW-Frau Stötzel auf, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen seien auf dem Weg dorthin, aber Hessen sperre sich. Obwohl die Kampagne der Gewerkschaft hier begonnen und sich dann auf den Bund ausgedehnt habe. Angesichts des Lehrermangels seien aber keine Notfallmaßnahmen gefragt, sondern mehr und besser bezahltes Personal.

Was sind die Gegenargumente? Der zuständige Minister Alexander Lorz (CDU) bestehe darauf, dass die Kultusministerkonferenz aller Bundesländer gemeinsam einen solchen Beschluss fasse, sagt Stötzel – was durch die Kollegen im Norden und Osten ja bereits durchkreuzt sei. Und dann gebe es noch das Argument der fachlichen Qualifikation, die etwa bei Gymnasiallehrern deutlich höher sei. „Grundschullehrkräfte haben dafür andere Schwerpunkte“, hält die Gewerkschafterin entgegen und zählt auf: Diagnostik, Pädagogik, Didaktik. „Die Gleichung ,kleinere Kinder – kleineres Geld‘ ist jedenfalls hochgradig ungerecht“, sagt sie.

An die Demonstranten gerichtet erinnert Stötzel daran, dass an Grundschulen ein hoher Anteil an Frauen unterrichte; ausgerechnet sie schlechter zu bezahlen, passe gut zur „patriarchalischen Gesellschaft“. Applaus.

An Grundschulen, sagt der Frankfurter GEW-Bezirkschef Sebastian Guttmann, werde „unglaublich intensiv gearbeitet“, um Kinder auf die weitere Schullaufbahn vorzubereiten. Das bestätigt der stellvertretende Schulamtsleiter Achim Keil gern, der auf die Straße heruntergekommen ist: „Die Lehrkräfte machen eine Arbeit, die wir sehr schätzen.“ Also haben sie auch A 13 verdient? „Es ist Sache der Landesregierung, die Ansprüche zu prüfen.“

Auf der Straße wird gesungen. „Drum auf!“, geht der Refrain, „Verkauft euch nicht unter Wert! Drum auf, wenn ihr auf Bildung setzt, A 13 für alle per Gesetz!“

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