Wohnen in Frankfurt

Protest gegen neue Bebauung im Diplomatenviertel

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Im Frankfurter Diplomatenviertel macht eine Bürgerinitiative mobil. Dort werden auf einem Grundstück in der Broßstraße Eigentumswohnungen gebaut. Anwohner sehen in der Geschosshöhe einen rechtlichen Verstoß.

Vor dem Zaun der Baustelle in der Broßstraße 6 steht ein schwarzer Schaukasten. Darin erleuchtet eine Stehlampe ein Wohnzimmermodell. Elegante Couch, edler Esstisch. Dahinter: ein Rohbau, der auf dem Bauschild verspricht, ein „Mehrfamilienhaus mit 6 Wohneinheiten“ zu werden und der im sogenannten Diplomatenviertel für viel Aufregung gesorgt hat.

„Gegen die Zerstörung unseres Viertels“ stand auf einem Flugblatt, dass eine neu gegründete Interessengemeinschaft vergangene Woche im Quartier verteilte. Ihr Anliegen: sich gegen die „Zerstörung der ökologischen Struktur“, die „Zerstörung des Ensemble-Charakters“ und gegen „spekulativ erworbene Luxuswohnungen“ zu wehren, so Mitinitiator Silvio Strassburg. 

Der Gruppe geht es um Tendenzen, die sie im gesamten Stadtteil beobachte: Wegen „Betonklötzen“ und „Monsterbauten“ würden uralte Bäume gefällt und Grünflächen verkleinert, sie sehen das städtische Klima in Gefahr. Außerdem fürchten sie „jahrelange Belästigungen durch Baustellen und Lärm“. Einem Aufruf, sich zurückzumelden, seien 71 Menschen gefolgt.

Unter dem Namen „Diplomatenviertel“ bewirbt die Firma Ballwanz Immobilien besagtes Objekt in der Broßstraße, das laut einem Sprecher 2019 fertig werden soll. Drei Geschosse sieht der Bebauungsplan an dieser Stelle vor – mit „drei großzügigen Eigentumswohnungen“. Eine davon soll ein Penthouse mit Dachterrasse werden. 

Initiative stößt im Ortsbeirat auf Verständnis

Doch genau hier sieht Anwohnerin Andrea Lubliner einen rechtlichen Verstoß: „Es werden faktisch vier Geschosse gebaut“, beklagt sie. Wie auf Grundrissen zu sehen ist, soll auf das oberste Geschoss ein sogenanntes Belvedere gesetzt werden. Dann wäre das knapp 350 Quadratmeter große Penthouse nicht mehr das dritte und damit oberste zulässige Geschoss, sagt Lubliner.

Markus Radermacher von der Bauaufsicht sagte auf Anfrage, dass keine Ausnahmegenehmigung vom Bebauungsplan erteilt worden sei, von einem vierten Geschoss wisse das Amt nichts. Grundsätzlich sind Befreiungen von den Auflagen des Bebauungsplans möglich, unter bestimmten Kriterien. Eines davon ermöglicht eine Ausnahme, wenn „die Abweichung auch unter Würdigung nachbarlicher Interessen mit den öffentlichen Belangen vereinbar ist“. Unter anderem auf diesen Aspekt will sich die Initiative nun berufen. 

In der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 2 trafen die Anliegen der Gruppe auf Verständnis. So unterstützte Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) den Zusammenschluss der Gruppe, obwohl die Zielgruppe solcher Neubauten grundsätzlich „in die Sozialstruktur der Gegend“ passe. 
Nun wollen die Bürger das Gespräch suchen: mit den Fraktionsvorsitzenden des Ortsbeirats, einem Anwalt sowie der Bauaufsicht. Sie wollen vor allem verhindern, dass das Haus in der Broßstraße „zum Präzedenzfall“ wird.

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