Ali und Rüya Sarikaya mit ihren Drillingen Meryem, Elfi, Menderes.
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Ali und Rüya Sarikaya mit ihren Drillingen Meryem, Elfi, Menderes.

Drillings-Eltern in Frankfurt

Und plötzlich Großfamilie

Drillings-Eltern aus Ginnheim profitieren von Begrüßungsgeld. Aber für die Eltern ist das Leben in Frankfurt von einem Tag auf den anderen ganz anders.

Von Patrick Jütte

Bei der ersten Ultraschalluntersuchung schien alles normal. Zwei Jahre nach der Geburt ihrer Tochter sollte Rüya Sarikaya (29) erneut Nachwuchs in sich tragen. Ein kleiner Punkt war auf dem Display zu erkennen. Zwei Wochen später fiel dann auf: Dahinter bewegt sich noch mehr. „Meine Frau rief mich an und meinte, wir bekommen Drillinge“, erzählt Ali Sarikaya (29). „Ich war erstmal völlig geschockt“, sagt der Vater, der als Verkäufer in einem Supermarkt arbeitet. „Für ein oder zwei Kinder reicht das Gehalt, aber nicht für vier.“

Die eineiigen Zwillingsmädchen Meryem und Elif und ihr Bruder Menderes wiegen bei der Geburt Anfang Dezember jeweils zwei Kilo – ein gesundes Gewicht für Drillings-Frühchen im siebten Monat. Um die drei Neugeborenen zu betreuen, ziehen Rüyas verrentete Eltern aus Dänemark in die kleine Drei-Zimmer-Wohnung ein. „Ich könnte sonst nicht mal mehr einkaufen. Wenn einer hungrig ist und weint, schreien bald alle“, sagt Rüya.

Ali sucht nach finanzieller Unterstützung und holt sich Rat bei der Diakonie Frankfurt ein. „Die haben mir ausgerechnet, dass ich mit den Kindern Anspruch auf Arbeitslosengeld II habe“, sagt Ali. Nicht nur das, die Frühe Hilfe des Frankfurter Gesundheitsamtes spendiert zudem einen Zwillingswagen, und von der Stadt werden die Drillinge einmalig mit einem Scheck von 2600 Euro begrüßt. „Wir haben festgestellt, dass bei Mehrlingsgeburten ein erhöhter Bedarf besteht“, sagt Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld, (CDU). „Allein ein Drillingswagen kostet bereits 1000 Euro.“ Neben den Sozialleistungen sei daher vor mehr als zehn Jahren das Begrüßungsgeld eingeführt worden.

Immer häufiger Drillings-Geburten

In letzter Zeit gebe es immer häufiger Drillings-Geburten. „Familie Sarikaya hat sich über Sozialhilfen informiert“, sagt die Dezernentin. „Das ist nicht selbstverständlich. Viele gehen über ihren Familienkreis gar nicht hinaus und kennen die Ansprüche nicht, die sie stellen dürften.“

In den Krankenhäusern wird der Hilfsbedarf einer Familie daher gleich nach der Geburt ans Standesamt gemeldet, das für das Begrüßungsgeld zuständig ist. „Im Falle einer Mehrlingsgeburt ist der Bedarf eindeutig“, meint Birkenfeld, die auch oberste Standesbeamtin ist.

Am liebsten komme sie persönlich vorbei, um den Scheck zu überreichen. Es gehe schließlich auch um Beratung. Den Sarikayas empfiehlt sie, Familientreffs aufzusuchen und für die Kinder den Frankfurt-Pass zu besorgen. „Das bringt Vergünstigungen in Museen und beim Sport“, erklärt die Dezernentin.

Die Familie freut sich über die vielfältige Unterstützung. Die Eltern denken bereits über eine Haushaltshilfe und den Umzug nach, der unumgänglich scheint. „Das Begrüßungsgeld kommt erstmal auf das Konto unserer Tochter“, sagt Ali. Nur allzu gern würde er davon Urlaub machen. Aber Rüya ermahnt ihn: „Das ist Glücksgeld.“ Wenn es mal eng wird, kann die sechsköpfige Familie darauf zurückgreifen.

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