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Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck ist in der Paulskirche ausgezeichnet worden.

Joachim Gauck

Der Pastor und die Freiheit

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Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck wird in der Paulskirche von der Friedrich-Naumann-Stiftung ausgezeichnet.

Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck sammelt weiterhin Auszeichnungen. Am Samstag verlieh ihm die Friedrich-Naumann-Stiftung in der Paulskirche den Freiheitspreis. Zuvor wurde der 78-Jährige mit Lob überschüttet. Die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer nannte Gauck den „Prototyp eines Liberalen“ und outete sich als Verehrerin des Mecklenburgers für dessen Begründung, warum er sich einst für die Theologie entschieden habe: Weil ihm dieser Glaube von niemandem befohlen oder auferlegt worden sei.

Die Laudatio hielt Ludwig Theodor Heuss, der Enkel des ehemaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss. „Joachim Gauck, Freiheit, Paulskirche, da kommt zusammen, was zusammen gehört“, begann Heuss und ließ in der Folge bisherige Lebensstationen des Preisträgers Revue passieren. Dabei verhehlte Heuss nicht, dass ihn im Rückblick auf das DDR-Regime ein bisschen das schlechte Gewissen plagt. „Sie wählten den aufrechten, geraden Gang, wir hatten freie Fahrt.“ So habe Heuss selbst Medizin studieren können, Gaucks Sohn Christian nicht, weil sein Vater ein politisch engagierter Pastor gewesen sei, der bereits seit 1974 von der Stasi überwacht worden sei.

Sichtlich bewegt trat dann Gauck vor die geladenen Festgäste. Die Reden seien „unerwartet sensibel“ gewesen, sagte er und ergänzte: „In meinem Herzen lebt eine andere Rede.“ Der Bundespräsident a. D hielt sich dann aber doch weitgehend an sein Manuskript. Vor dem Hintergrund des vor allem im Osten erstarkenden Rechtspopulismus bat Gauck um Geduld. „Es fehlt Eingewöhnungszeit, die hattet ihr im Westen.“ Denn für manchen bringe Freiheit auch Überforderung und Unsicherheit mit sich. „Es ist noch nicht jeder angekommen in der Gesellschaft der Ermächtigten“, so Gauck. Die Unsicherheit werde von Populisten ausgenutzt. „Furcht wird immer beackert, das ist ein Feld, auf dem viele tätig sind.“

Den Freiheitspreis verleiht die FDP-nahe Stiftung seit 2006 alle zwei Jahre. Der Stiftungsvorsitzende Karl-Heinz Paqué ersparte es dem ebenfalls anwesenden Bürgermeister Uwe Becker (CDU) nicht, darauf hinzuweisen, dass auch deutlich mehr als die 720 anwesenden Gäste der Preisverleihung hätten beiwohnen wollen, aus Brandschutzgründen in der maroden Paulskirche aber nicht mehr Besucher zugelassen seien.

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