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Ein Gewirr von Gerüsten füllt das Kirchenschiff.

Liebfrauenkirche in Frankfurt

Neuer Kreuzgang wartet auf die Gläubigen

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Wie die Stadt Frankfurt die jahrhundertealte Liebfrauenkirche saniert.

Nur wenige Schritte von der Hektik der Fußgängerzone entfernt, in der Menschen mit flackernden Augen nach letzten Geschenken streben, liegt ein Ort der Stille. Kerzen flackern unter einem Vorbau im Hof. Passanten, die sich hierher geflüchtet haben, entzünden immer neue Lichter. Mehr als 2000 am Tag sind es nun in der Adventszeit, sagt Bruder Christophorus Goedereis. Der Rektor der Liebfrauenkirche hatte befürchtet, dass die Schließung des Gotteshauses wegen Sanierung seit dem Frühjahr den Strom der Menschen versiegen lassen würde. 

Doch das Gegenteil ist der Fall. Bruder Christophorus freut sich über die „schönen Entdeckungen“, die es im Laufe der Arbeiten gab. Ein Gewirr von Gerüsten füllt das Kirchenschiff, die Besucher balancieren vorsichtig über eiserne Stangen, den Blick eher zum Boden gerichtet. Da entgehen ihren Augen die Mosaiken des Kreuzweges von Ludwig Becker an der Wand. Die Arbeit des Künstlers aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts fand sich unter Tapeten verborgen, wurde wieder freigelegt. 

Einer der anderen schönen Funde, die niemand voraussah, ist eine etwas rätselhafte Steinfigur, die der Geistliche gemeinsam mit Kirchendezernent und Bürgermeister Uwe Becker (CDU) vor die Kameras hält. „Wir wissen nicht, woher sie stammt und was sie darstellt“, die Aufklärung ist im Gange. 

Die Stadt Frankfurt lässt sich die Sanierung und die Bauunterhaltung der sieben Dotationskirchen in der Innenstadt, um die sie sich laut Vertrag mit den Kirchen kümmern muss, durchaus etwas kosten. Von den Kosten in Höhe von 1,8 Millionen Euro, die für die Liebfrauenkirche anfallen, trägt die Kommune 1,7 Millionen Euro, 100 000 Euro ist der Eigenanteil der Gemeinde. 

Liebfrauen, gestiftet von einer reichen Frankfurter Bürgerfamilie im 14. Jahrhundert, erlebte und überlebte schon mehrere Häutungen. 1944 zerstörten alliierte Bomber das Gotteshaus bis auf die Grundmauern. Jetzt wird der einfache Wiederaufbau der Nachkriegszeit behutsam korrigiert. Ein neuer Altar rückt in den Fokus. Das Dreikönigtympanon aus dem 15. Jahrhundert wird künftig von einem Glasdach überdeckt, damit natürliches Licht auf das Schmuckfeld fallen kann. 

Die vordere Hälfte des Hochchors wird um eine Stufe abgesenkt, um so das alte Höhenniveau des Kirchenbaus wieder herzustellen. Für den gesamten Kirchenraum und die Anbetungskapelle entsteht ein neues Lichtkonzept mit LED-Leuchten. Die Elektrik wird erneuert, der Eingang zur Kirche neu gestaltet. 

Noch ein Problem war zu lösen: „Die Verschmutzung der Kirche war außerordentlich hoch“. Mitte Juni, so hofft Bruder Christophorus, könnte die Liebfrauenkirche wieder für die Gläubigen öffnen. Aber wie sagt Kirchendezernent Uwe Becker? „Kirche hat nie ein Ende, weder inhaltlich noch baulich.“ Der Dotationsvertrag bedeute ein Bekenntnis der Stadt zu ihren Kirchen. 

Draußen im Hof leuchten noch immer die Kerzen. Den Besucher zieht es gar nicht zurück in die Fußgängerzone. 

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