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Das Ostend ist seit dem Bau der neuen Europäischen Zentralbank sehr gefragt.

Büro Frankfurt

Neue Büros am Osthafen

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Am Osthafen werden mehr Büro- und Geschäftshäuser am Hafenbecken entstehen. Die Gebäude dürfen näher an eine Gefahrguthalle heranrücken. Im Ostend, das seit dem Neubau der Europäischen Zentralbank gefragt ist, werden zudem 1800 neue Miet- und Eigentumswohnungen gebaut.

Die bauliche Entwicklung des Osthafens wird deutlich einfacher. Die Grundstücksentwicklungsgesellschaft Groß & Partner hat in Verhandlungen mit dem Chemie-Logistiker VLS-Group erreicht, dass der sogenannte Achtungsabstand rund um eine an der Lindleystraße gelegene Halle für Gefahrgut auf 400 Meter reduziert wird.

Für den Projektentwickler macht das den Weg frei für den Bau mehrerer Büro- und Geschäftshäuser am Hafenbecken, die bis zu 18.000 Quadratmeter Grundfläche haben sollen. Auf einem Nachbargrundstück an der Lindleystraße steht bereits ein Gebäude des Komplexes „Dock“.

Erst durch die Einigung möglich wird nach Angaben von Ralph Haerth, dem Vorsitzenden der Standortinitiative Eastside Frankfurt, auch die Entwicklung des Raab-Karcher-Areals südlich der Hanauer Landstraße. Dieses hat Lang + Cie. erworben, um einen Gebäudekomplex für Läden, Büros und Hotelflächen zu bauen.

Nach einem im September 2011 gefällten Urteil des Europäischen Gerichtshofs ist nicht mehr nur bei der Aufstellung von neuen Bebauungsplänen, sondern auch bei der Genehmigung einzelner Vorhaben ein Mindestabstand von Wohnungen und stark besuchten Gebäuden zu störanfälligen Betrieben einzuhalten. Die Anwendung der sogenannten Seveso-II-Richtline bedeutete für das Hafenareal, dass neue Gebäude zunächst nur noch mindestens 1000 Meter von der Gefahrguthalle entfernt entstehen durften, solange nicht extreme Auflagen eingehalten wurden. Zuletzt war der Abstand auf 640 Meter reduziert worden.

„Der Betreiber der Gefahrguthalle verzichtet auf das Recht, bestimmte Produkte zu lagern. Dafür haben wir eine Kompensationszahlung geleistet“, fasste Michael Stapf, Niederlassungsleiter bei Groß & Partner, am Freitag die nun erzielte Lösung zusammen. Wie viel Geld geflossen ist, wollte er nicht verraten. Es sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte er bei einem Pressegespräch der Eastside-Initiative in Ardi Goldmans Hotel „25hours“. An den unter Federführung von Groß & Partner geführten Verhandlungen hatten auch die Stadt Frankfurt und das Regierungspräsidium Darmstadt als Behörde, die die Gefahrguthalle überwacht, teilgenommen.

Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) zeigte sich am Freitag sehr zufrieden mit der nun gefundenen Lösung. Ein großes Gebiet im Ostend werde davon profitieren. Neue Bauvorhaben kämen dem Hafen und dem Wirtschaftsstandort zu Gute. Ziel müsse es nun sein, die Abstände zu solchen Betrieben auch in den anderen Stadtteilen zu verringern, sagte Frank. Er skizzierte zudem Pläne für eine Art Schule für die Computerspielebranche, die im Ostend entstehen könne. „Wir wollen Kreativen hier eine Heimat geben“, sagte er. Die Branche habe eine große Zukunft. In Frankfurt ist unter anderem der Spieleentwickler Crytek ansässig.

4600 Euro pro Quadratmeter

Mehr als 1800 neue Miet- und Eigentumswohnungen entstehen derzeit im spätestens seit dem Neubau der Europäischen Zentralbank gefragten Viertel. Als Eastgate Living vermarktet Lang & Cie. einen Gebäudekomplex mit 90 Eigentumswohnungen, der in der Nähe der Honsell-Brücke erstellt wird. Diese sollen für Preise von im Schnitt 4600 Euro pro Quadratmeter zu haben sein.

In einem ähnlichen Preisniveau angesiedelt sein sollen auch die 70 bis 80 Wohnungen, die direkt gegenüber des EZB-Gebäudes entstehen sollen. Entgegen der bisherigen Pläne will Kolb + Partner nun doch versuchen, zwei Stil-Altbauten zu erhalten.

Mancher Ostendbewohner verfolgt die Aufwertung seines Viertels durchaus auch mit Sorge, fürchtet, dass sich irgendwann nur noch Reiche eine Wohnung im früheren Arbeiterviertel leisten können.

Investor Ardi Goldman bestreitet solche Tendenzen nicht. Sanierung und Neubau führten zu höheren Mieten, sagt er. Schützen könne das Viertel ausgerechnet die Hässlichkeit mancher Areale. Diese verhindere, dass das Ostend gesichtlos wird.

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