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Der 90-jährige Hans Robert Moor prägte den Riederwald entscheidend mit.

Riederwald

Der Mann des Ausgleichs

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Nach 23 Jahren im Ortsbeirat 11 wird Hans Mohr (CDU) als Ortsältester geehrt. Er war beteiligt an langwierigen aber lohnenswerten Prozessen wie dem Autobahntunnel oder der Riederwälder Bücherei.

Machs nicht so lang!“ – ein lauter Zwischenruf gleich bei der ersten von drei Reden. Sie kommt von Hans Robert Mohr selbst, dem Star des Abends. Gelächter. Wie ihm im Laufe der nächsten halben Stunde mehrfach bescheinigt wird, rühren solche Momente nicht von Ungeduld oder Unernsthaftigkeit, sie sind mehr seiner Bescheidenheit, seinem Pragmatismus und seiner Konzentration aufs Wesentliche geschuldet. Denn eigentlich „sei er nie einer von den Lauten gewesen.“

„Die Sache, wofür wir in den letzten Jahren am meisten gekämpft haben, kann ich gar nicht mehr nutzen“, erzählt Mohr vor seiner Auszeichnung zum Ortsältesten lachend. „Jetzt wo der Tunnel für die A66 endlich gebaut wird, habe ich gar kein Auto mehr.“ Nachdem sein Wagen angefahren wurde, hätten seine Frau Ingrid und er beschlossen, das Auto im Alter abzuschaffen.

In einem Fechenheimer Gasthaus wird der 80-Jährige geehrt. Ungezwungen verteilen sich die geladenen Gäste auf der Terrasse unter Sonnenschirmen. Den gelösten Unterhaltungen merkt man sofort an, viele kennen Mohr ziemlich lange. Kein Wunder: 23 Jahre lang war er im Ortsbeirat 11 für den Riederwald aktiv. Geboren ist er 1938, aufgewachsen in Sachsenhausen. Mit seiner Frau Ingrid lebt der Rentner, ehemals kaufmännischer Angestellter bei der Stadt, aber schon viele Jahre im Riederwald. Er hat drei Kinder, von denen zwei auch zur Verleihung kommen konnten – und mittlerweile neun Enkel.

„Für seine ehrenamtliche Arbeit hat er viel Kraft und Freizeit geopfert. Und damit die Stadt mitgeprägt“, ist sich Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU) sicher. Er zählt Beispiele auf für langwierige aber lohnenswerte Prozesse, an denen Mohr teil hatte: den Autobahntunnel, die Riederwälder Bücherei, die Sanierungen durch die AGB Holding und die Ausweitung des Denkmalschutzes im westlichen Teil des Viertels. „Dass hier Vertreter der Linken und der Grünen anwesend sind, zeigt, dass Hans kein Typ für ideologische Grabenkämpfe ist. Er ist ein Mann des Ausgleichs und der Toleranz“, findet Ortsvorsteher Werner Skrypalle (SPD).

Die drei Römerplaketten in Bronze, Silber und Gold hat er schon. Für die Bezeichnung „Ortsältester“ fehlte bisher ein Kriterium: Das Ausscheiden aus dem Organ der Stadt. Nach vielen Jahren des Engagements kann man guten Gewissens aufhören, könnte man meinen – nicht so Hans Robert Mohr. „Seit er nicht mehr im Ortsbeirat ist, teilt er uns als Bürger seine Ideen und Anträge mit“, so Benjamin Wieworra, CDU-Fraktionschef im Ortsbezirk. „Er weiß was die Riederwälder umtreibt. Im Riederwald kann er nicht über die Straße gehen. Da gilt er als Ansprechpartner für alles“, sagt Stephan Siegler.

Seine Bescheidenheit zeigt sich dann bei der Dankesrede wieder: „Was ihr alles erzählt habt, was ich gemacht habe, das hatte ich alles fast vergessen. Danke und viel Spaß!“ Dem Alter ist die Vergesslichkeit nicht zuzuschreiben. „Politik hält jung. Das sieht man am besten an dir, Hans!“, heißt es dann.

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