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Bernd Reisig als Talkmaster.

Bernd Reisig

Der Manager

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Bernd Reisig lebt von der Öffentlichkeit, deshalb sucht er sie. Dabei profitiert der Frankfurter vor allem von immens vielen Kontakten.

Auf Mallorca ist es immer noch mehr als 20 Grad warm. In der Regel scheint die Sonne, „dann ist es auf der Terrasse fast zu heiß“, sagt Bernd Reisig. Dennoch will der Frankfurter, der ein Haus auf der Balearen-Insel besitzt und zehn bis zwanzig Mal pro Jahr dorthin fliegt, eine „gewisse Melancholie“ ausgemacht haben. Es ist nicht viel los, die Touristen sind fast alle verschwunden. Genau diese Stimmung braucht Reisig, um abzuschalten. Um herauszukommen aus „der Tretmühle in Frankfurt“.

In Wahrheit aber liebt Reisig genau diese Tretmühle. Hier noch ein Charity-Event, dort noch eine Party, zwischendrin eine Talkshow, das ist seine Welt. Begriffe wie Tausendsassa oder Hans-Dampf-in-allen-Gassen mögen abgedroschen sein. Sie beschreiben den Medienmanager Bernd Reisig aber gut.

Lange konnte sich Reisig deshalb auch diesmal nicht auf Mallorca aufhalten, denn in dieser Woche stehen zwei wichtige Termine an. Am Dienstag wird seine Talkshow „Bembel & Gebabbel“ aufgezeichnet, am Donnerstag organisiert seine Stiftung ein Weihnachtsgans-Essen für Obdachlose. Das Besondere daran: Das Essen servieren nicht etwa gelernte Kellner, sondern Prominente aus dem Rhein-Main-Gebiet. Etwa Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, Oberbürgermeister Peter Feldmann, Eintracht-Präsident Peter Fischer, Comedian Ande Werner („Mundstuhl“), Umweltministerin Priska Hinz, FR-Chefredakteur Arnd Festerling und Max Rempel, Geschäftsführer von FR und „Frankfurter Neuen Presse“ sowie Chefredakteur der FNP. Zumindest für einen Tag seien die rund 600 Obdachlosen Teil der Stadtgesellschaft, sagt Reisig. Zumindest für einen Tag drehe sich alles um sie. Und das in einem der bedeutendsten Gebäude der Stadt.

Bernd Reisig kennt alle diese Promi-Kellner persönlich, die meisten schon sehr lange. Absagen holt er sich kaum ab, wenn er zu dem Essen bittet. Das hat sich der 55-Jährige hart erarbeitet. Reisig pflegt Kontakte, er ist ständig unterwegs und weiß genau, wo er interessante Menschen trifft. Ganze Abende hat er im Römer verbracht, als dort Dezernenten gewählt wurden. Er saß auf der Ledergarnitur vor dem Plenarsaal und hielt Hof. So sah es zumindest aus. Nach und nach gesellten sich die führenden Politiker dieser Stadt zu ihm. Wer in Frankfurt etwas werden oder bleiben will, muss sich gut stellen mit Reisig, so der Eindruck, der sich aufdrängte.

Wahrscheinlich würde Bernd Reisig diese Zuschreibung nicht unbedingt passen. Er ist bestimmt kein Leisetreter. Doch auch wenn Reisig mit Politikern aller Parteien befreundet ist, den hessischen Ministerpräsidenten ebenso duzt wie den Frankfurter Oberbürgermeister, auch wenn er für jenen Peter Feldmann im OB-Wahlkampf massiv Stimmung machte: Reisig sieht sich selbst nicht als Machtmensch, sondern als einen, „der Menschen zusammenbringt“.

Das klappt vor allem bei „Bembel & Gebabbel“ gut. Die Talkshow, die im Restaurant in der Friedberger Warte aufgezeichnet wurde, bevor sie in die „Lohrberg-Schänke“ umzog, ist ein Phänomen.

Reisig ist kein gelernter Talkmaster, und die Gäste passen meistens überhaupt nicht zusammen. Doch die Sendung funktioniert extrem gut. Die Aufzeichnungen in der apfelweinseligen Atmosphäre sind immer ausverkauft, hinterher schauen sich bis zu 250 000 Menschen die Sendung bei Youtube an, und vor allem: Reisig bekommt jeden Gast, den er bekommen will. Alleine drei Ministerpräsidenten waren schon da: Volker Bouffier, Bodo Ramelow und Günther Beckstein. Im Februar wird SPD-Chefin Andrea Nahles kommen – zusammen mit dem Ex-Fußballer Andreas Möller und Startänzer Joachim Llambi. Wieder so eine skurrile Mischung, wieder ein Abend, auf den sich Reisig sehr freut. Längst ist die Show ausverkauft.

Bisweilen äußern sich die Gäste bei Reisig in einer Deutlichkeit, die sie in den TV-Talkshows vermissen lassen. Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger übte seinerzeit scharfe Kritik an Katar als Gastgeberland der Fußball-WM. Und Bouffier sagte über Innenminister Horst Seehofer, er gelte in der CSU als Weichei. „Meine Gäste wissen, dass ich fair zu ihnen bin, deshalb trauen sie sich auch etwas“, sagt Reisig.

Mit Sicherheit habe er in den vergangenen 55 Jahren mehr erlebt „als die meisten anderen 55-Jährigen: Aber ich habe ja auch schon früh angefangen“. Schon während seiner Ausbildung zum Betriebsschlosser bei der Bundesbahn tourte er durch Discos auf der Suche nach talentierten Musikern. Eine Sängerin gefiel ihm besonders gut, deshalb wurde er ihr Manager. Die Frau hieß Gabriele Susanne Kerner, besser bekannt als Nena. In der Zeit bei Reisig wurde sie zum Star. Ähnlich erfolgreich war der Manager beim FSV Frankfurt. Reisig führte den Klub von der Oberliga in die Zweite Bundesliga.

Bernd Reisig lebt von der Öffentlichkeit, deshalb sucht er sie. Doch es gibt auch Momente, auf die er gerne verzichtet hätte. Einmal wollte er abnehmen und für jedes Kilo 1000 Euro für Jugendsportvereine spenden. Das tat er dann auch, 24 000 Euro kamen zusammen. Einen großen Teil der Kilos hat er mittlerweile wieder drauf, aber viel problematischer war für Reisig der Start der Diät. Bei einer Pressekonferenz wurde er gewogen, der Raum war voll, auch der Schirmherr der Aktion, Hessens Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU), war da. Reisig stellte sich auf die Waage, die das Ergebnis mit Computerstimme ansagte. „Da plärrt das Drecksding ganz laut: ,Sie wiegen 147 Kilo‘“, erinnert sich Reisig. Das war ihm dann doch peinlich.

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