+
In der Frankfurter Kunsthalle Schirn betrachtet ein Besucher ein Bild der Ausstellung "König der Tiere".

„König der Tiere“ sorgt für Diskussionen

Kritik an Ausstellung über Kolonial-Maler

  • schließen

Kritiker bemängeln die Ausstellung „König der Tiere“ in der Schirn: Die Schau zu Wilhelm Kuhnert lasse den Kontext der Kolonialzeit außen vor.

Beim Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main hat man die Debatte der zurückliegenden Tage aufmerksam verfolgt. „Ich habe natürlich mitbekommen, dass diese Ausstellung durchaus kritisch gesehen wird,“ sagt Geschäftsführer Helmut Müller. Die Rede ist von der am 25. Oktober in der Kunsthalle Schirn eröffneten Schau „König der Tiere“. Sie zeigt Gemälde und Zeichnungen des Malers Wilhelm Kuhnert, die zur deutschen Kolonialzeit Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in Ostafrika entstanden waren.

Schon am Abend der Eröffnung hatten Besucherinnen und Besucher im Gespräch mit der FR ihr Unverständnis und ihr Befremden darüber geäußert, dass in der Ausstellung der kritische Zusammenhang zur Kolonialzeit viel zu wenig hergestellt werde. Tatsächlich war Kuhnert während seiner Expeditionen Teil des kolonialen Systems und nahm auch an militärischen Aktionen der Deutschen gegen die einheimische Zivilbevölkerung teil. So zeigt die Ausstellung auch eine militärische Operation und sogar die Zeichnung eines Mannes, den der deutsche Gouverneur erhängen ließ.

In der Beschriftung des Gemäldes heißt es lediglich lapidar „Schlacht von Mahenge“ und zur Zeichnung des Erhängten: „Mabruk, der Geliebte der Ndekocha, erhängt, 1905“. Die Schau zeigt ansonsten fast ausschließlich Bilder von Tieren, mit kurzen Anmerkungen wie „Elefant am Tümpel“. Auch in seiner Rede zur Eröffnung der von ihm und Ilka Voermann kuratierten Ausstellung am 25. Oktober war Schirn-Direktor Philipp Demandt auf das deutsche Kolonialsystem nicht eingegangen. Er hatte statt dessen ausführlich aus den Tagebüchern Kuhnerts zitiert, in denen der Maler sich über die schwierigen klimatischen Bedingungen in Afrika beklagte. Im Katalog zur Ausstellung findet sich allerdings eine fünfseitige Darstellung von Felicitas Becker, Historikerin an der Universität von Gent, unter dem Titel „Wilhelm Kuhnert und der koloniale Kontext“. In dem Text argumentiert sie: „Eine pauschale Verurteilung rassistischer und instrumentalisierender kolonialer Haltung gegenüber Afrikanern wird schnell zur Phrase.“

Die Ausstellung wird vom Kulturfonds Frankfurt Rhein- Main mit 200 000 Euro gefördert. Fonds-Direktor Müller sagte im Gespräch mit der FR, dem Förderbeschluss sei „eine lange Debatte im Kuratorium“ des Kulturfonds vorausgegangen. Müller nannte die Ausstellung „ein ungewöhnliches Projekt“. Wichtig sei, dass sie in ein Begleitprogramm eingebettet werde. So habe es schon am Tag nach der Eröffnung eine kritische Podiumsdiskussion gegeben. Es sei „wichtig, sich mit heißen Eisen zu beschäftigen“.

Der kulturpolitische Sprecher der CDU im Römer, Thomas Dürbeck, urteilte: „Man hätte die Ausstellung in einen kritischen Kontext einbetten müssen.“ So sei eine begleitende Darstellung des deutschen Kolonialsystems unabdingbar. Dürbeck hatte an der Eröffnung am 25. Oktober als Gast teilgenommen. Er, so der CDU-Politiker, habe sich „gewundert, dass die Schirn so etwas macht“.

Schirn-Direktor Philipp Demandt will sich im Interview mit der FR zu der Ausstellung äußern, wie er gestern ankündigte.

Der Direktor des Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main, Helmut Müller, sah keinen Grund dafür, die Schrifttafeln in der Ausstellung zu ergänzten. Der Kulturfonds als Förderer rede den Kuratoren „nicht rein, wie sie ihre Ausstellung konzipieren“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare