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Podiumsdiskussion in der Frankfurter Oper: Roland Koch, Reinhard Grindel und Frederik G. Pferdt wissen, was in Frankfurt schief läuft.

"Perspektive Frankfurt"

Koch und Grindel rechnen mit der Stadt ab

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Ob Oper oder Rennbahn-Gelände: Roland Koch, der frühere hessische Ministerpäsident, und der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Reinhard Grindel, rechnen mit der Frankfurter Kommunalpolitik ab.

An diesem Abend in der Frankfurter Oper lernen wir viel. Wir lernen als Erstes, was die verschnarchte und dröge Kommunalpolitik der Stadt unbedingt braucht: einen Chief Innovation Evangelist. Wie, Sie wissen nicht, was das ist? Dann geht es ihnen wie den Hunderten von Zuhörern im Holzfoyer der Oper, die zum Auftakt der neuen Gesprächsreihe „Perspektive Frankfurt“ gekommen sind.

Moderatorin Katja Dofel müht sich zwar nach Kräften, herauszufinden, was der Stanford-Professor Frederik G. Pferdt beim Internetriesen Google eigentlich genau macht. Man kann es vielleicht so zusammenfassen: Er ist dort für ungebrochenen Optimismus zuständig, für den Mut, etwas Neues zu wagen, endlich einmal aus alten, ausgetretenen Bahnen auszubrechen. Also tritt Pferdt für all das ein, was der Stadt Frankfurt fehlt. So sieht es jedenfalls das Podium. Pferdt hat sich übrigens selbst Evangelist getauft und verkündet die frohe Botschaft, „dass jeder kreativ sein kann“.

Nur die Stadt Frankfurt nicht. Mit der rechnen an diesem Abend zwei andere ab: Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Reinhard Grindel. 

Roland Koch wirft Frankfurt Zaudern und Zögern vor 

Zum Beispiel wegen der Zukunft der Städtischen Bühnen. Koch wirft der Kommunalpolitik in Frankfurt Zaudern und Zögern vor. Sie habe Angst, dass ein Neubau der Bühnen „aufgewogen wird gegen Sport und Soziales“. Tatsächlich aber sei ein solcher Neubau „eine riesige Chance“. Andere Städte hätten sich so „ein Stück neue Identität geschaffen“. In Frankfurt aber stehe die Stadtgesellschaft teilnahmslos daneben, wenn es um die Perspektive für die Bühnen gehe.

Koch platzt ein wenig der Kragen, und das Publikum dankt es ihm mit Applaus. „Holt die internationalen Architekten hierher und lasst sie planen“, fordert der Eschborner. 700 Millionen Euro werde der Neubau schon kosten, schätzt der frühere CDU-Politiker, der heute Aufsichtsratsvorsitzender Großbank UBS Europe in Frankfurt ist. Es müsse in der Kommunalpolitik endlich „mal einer springen“, sagt Koch – „zur Not auch der OB, wenn er sich dem Thema widmen will!“ Großes Gelächter. 

Auch der Innovation Evangelist Pferdt fordert: „Der Wille zum Fortschritt muss vorhanden sein.“ In San Francisco habe er für Start-ups einfach Container aufstellen lassen. Da schaudert es das Publikum: Unsere Oper in Containern? Opern-Intendant Bernd Loebe sagt ganz klar: „Ich tendiere in Richtung Neubau, er ist eine Chance.“ Allerdings äußert er auch die Befürchtung, dass ihre sozialen Aufgaben die Stadt Frankfurt „auf Dauer überfordern“ und so „nicht mehr genug Ressourcen“ für Oper und Schauspiel überbleiben könnten. 

Reinhard Grindel nöhlt wegen der DFB-Akademie 

DFB-Chef Grindel hat mit der Kommunalpolitik ebenfalls noch ein Hühnchen zu rupfen. Seit Jahren warte der Fußball-Bund nun schon auf das von der Stadt versprochenene Gelände der alten Galopprennbahn in Niederrad, um dort seine Deutsche Fußball-Akademie zu bauen. „Die Stadt ist leider nicht ganz so schnell, das liegt am Planungsdezernenten“, schimpft Reinhard Grindel. „Ich hoffe schon, dass wir im Frühjahr die Baugenehmigung bekommen“, sagt der DFB-Chef, aber er fügt gleich hinzu: „Das haben wir vor einem Jahr auch schon gesagt.“ Wieder Lachen im Publikum.

Der DFB habe zwischendurch schon begonnen, sich nach Alternativen umzuschauen, gibt der Chef zu. Dann aber habe man Frankfurt doch noch eine Chance gegeben: „Wir wollten unsere Mitarbeiter behalten“, denn die hingen nun mal an der Stadt mit ihren Standortvorteilen.

Mitveranstalter des Abends ist die große US-Anwaltskanzlei White&Case. Und Partner Markus Langen urteilt versöhnlich positiv über die Kommune. Sie entwickele sich gerade „zu einem sehr spannenden Standort in Europa“ – durch den Brexit und „die Konsolidierung“ der deutschen FInanzbranche entstehe „Aufbruchstimmung“.

Das hören alle gerne im Holzfoyer der Oper.

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