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Ladenpächter wie die Besucher des Kleinen Zentrums wünschen sich eine Aufwertung.

Niederursel

Kleines Zentrum ist zu dunkel und zu abgeschieden

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Das Kleine Zentrum an der Thomas-Mann-Straße in der Frankfurter Nordweststadt ist schon lange keine beliebte Anlaufstelle mehr.

Es ist ein leidiges Thema, das die Nordweststädter seit Jahren beschäftigt: Der unattraktive Zustand ihres Kleinen Zentrums an der Thomas-Mann-Straße. Viele Geschäfte gibt es hier nicht mehr – nur eine Apotheke, einen Imbiss, einen Einkaufsladen. Darüber hinaus soziale Einrichtungen. Der zuständige Ortsbeirat fordert eine städtebauliche Neuordnung der Passage, um sie für Kunden und Gewerbetreibende ansprechender zu gestalten. Daran sei vorerst nicht zu denken, heißt es aus dem Magistrat.

„Das ist so nicht realisierbar“, erklärt Mark Gellert vom Stadtplanungsamt. Schon 2011 hatte das Amt einen Ideenwettbewerb zur Erneuerung der Nordweststadt ausgelobt, der auch das Kleine Zentrum berücksichtigte. Das Ergebnis sah zunächst einen Komplettabriss und eine Neubebauung mit einer Mischung aus Wohnen, sozialen Einrichtungen und neuer Ladenfront vor. „Aufgrund der kleinteiligen Eigentümerstruktur zeigte sich aber, dass dies kaum umgesetzt werden kann“, erklärt Gellert. 2014 wurde daher ein Konzept zur schrittweisen Anpassung an die tatsächlichen Möglichkeiten vorgelegt. Das griff die Vorstellungen einer gemischten Nutzung auf.

„Das sind die Grundlagen, auf denen derzeit aufgebaut wird“, sagt Gellert. So sei in der Thomas-Mann-Straße 6 ein Wohn- und Geschäftshaus mit 52 Wohnungen im Bau. Im Erdgeschoss soll auf 1200 Quadratmetern ein Netto-Markt entstehen. Darüber sind auf vier Geschossen Wohnungen vorgesehen. „Damit wird das Ziel erreicht, den Einzelhandel am Ort zu erhalten und mit einer Wohnnutzung zu kombinieren.“

Dem Ortsbeirat 8 reicht das nicht. Er forderte im November den Abriss und die Neuordnung der Passage. Gerade der Bau des Netto-Markts begünstige die Trading-Down-Effekte vor Ort noch. Eine Lösung wäre dem Gremium zufolge ein Ankauf des Zentrums durch einen einzelnen Eigentümer. „Es wäre wünschenswert für die Stabilität des Stadtteils, wenn eine Wohnungsbaugesellschaft der öffentlichen Hand hier investiert“, sagt Antragsteller Joachim Rotberg (CDU). 

Das dem Zentrum 2017 drohende Insolvenzverfahren wäre eine Gelegenheit gewesen, in diese Richtung zu gehen. Doch der Fall ist inzwischen abgeschlossen. „Die Zwangsversteigerung ist abgewendet. Der Eigentümer hat die Forderungen vollständig beglichen“, sagt Wiebke Reimann, Pressereferentin im Büro von Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU). 

Zwar sind die Schulden beglichen, doch investieren die Vermieter nicht in die Instandhaltung des Zentrums. „Die Passage ist verdreckt, wird fast nie gereinigt – und wenn etwas kaputt geht, bleibt es so“, sagt Alim Yatty, Inhaber des Supermarkts As-Salam. Er ist erst seit acht Monaten im Zentrum ansässig. Inzwischen bereut er die Entscheidung, einen Laden eröffnet zu haben. „Die Nachfrage im Stadtteil ist da, aber das Zentrum wirkt abschreckend.“ 

Tatij Yinta kritisiert vor allem die schlechte Beleuchtung. Seit 2015 betreibt sie in der Passage eine Änderungsschneiderei. „Wenn am Nachmittag die Kitas schließen und die Sonne untergeht, ist es ganz finster und ruhig hier, dann kommt niemand mehr.“ Neue Geschäfte wie Blumen- oder Bekleidungsläden und mehr Kundschaft wünscht sie sich.

Die Dunkel- und Abgeschiedenheit der Passage beunruhigen auch Hiwet Yehdego, die mit ihrem Mann seit 20 Jahren den Kiosk im Erdgeschoss betreibt. Sie hat viele Neueröffnungen und Schließungen beobachtet. Die Meisten würden schon nach sechs Monaten das Handtuch werfen. „Auch wir haben immer weniger Kundschaft, aber bei einem Kiosk mit Lotto, Kaffee und Backwaren geht das Geschäft irgendwie weiter.“ Mehr Sicherheit ist ihr ein Anliegen. „Regelmäßige Polizeipräsenz wäre schön.“ Wenn sie alleine im Laden ist, hat sie Angst. „Im letzten Jahr ist mein Mann hier überfallen worden.“ 

Auch die junge Mutter Darzi, die ihren Nachnamen nicht nennen möchte, hat ein ungutes Gefühl, wenn sie ihre sechsjährige Tochter aus der Nachmittagsbetreuung des Kinder- und Familienzentrums abholt. „Man fühlt sich unsicher. Hier lungern Gruppen herum, die für Unruhe sorgen.“ Die Seniorin Frau Müller kann das bestätigen. „Die vielen sozialen Einrichtungen sind gut, aber das ganze Zentrum muss attraktiver werden.“ Das würde auch anderes Publikum anziehen.

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