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Bauarbeiten im Senckenberg-Institut: Langsam kommt der Umzug voran.

Umzug

Ein Ort der gelebten Neugier

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Das Senckenberg-Institut wächst langsam in seine neuen Räume hinein. Die Alte Physik heißt jetzt Arthur-von-Weinberg-Haus.

Anders als beim Richtfest vor knapp zwei Jahren sang der Senckenberg-Chor diesmal nicht – er sprach. Und zwar die „Fuge aus der Senckenberg-Geographie“, angelehnt an ein Werk des Österreichers Ernst Toch, nach eigenen Angaben der „meistvergessene Komponist des 20. Jahrhunderts“. Den Anlass wird man so schnell nicht vergessen: Die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung eröffnete den ersten Teil ihres umgebauten und erweiterten Domizils, bisher Alte Physik genannt, jetzt: Arthur-von-Weinberg-Haus.

Fische, Schmetterlinge, Käfer sind schon zahlreich eingezogen; die FR begleitete jüngst den Umzug der riesigen Sammlungen. Jetzt folgen Menschen, und zwar nicht nur die Mitarbeiter. „Wir bleiben eine Gesellschaft für die Bürger“, versprach Senckenberg-Generaldirektor Volker Mosbrugger. Sein Stellvertreter Andreas Mulch kündigte an, die Wissenschaftler würden Forschung noch stärker erlebbar machen: „Den Elfenbeinturm gibt’s nicht mehr.“ Senckenberg wolle zeigen, wie Forschungsergebnisse zustande kommen – und erkunden: „Was will die Gesellschaft eigentlich wissen? Was sollen wir erforschen?“ Dazu werde es Themenreihen in den neuen Räumen geben. „Wir laden die Leute ein“, sagte Mulch: „Das Haus soll ein Ort der gelebten Neugier bleiben.“

Umbau-Manager Gerd Mangel zeigte Vorher-nachher-Fotos aus dem 1907 errichteten Gebäude und bemerkte lakonisch: „Hat sich ein bisschen was verändert.“ So ist viel Stuck wieder zum Vorschein gekommen, den man vor Jahrzehnten hinter abgehängten Decken versteckt hatte, die Sandsteintreppen sind von asbesthaltigen Belägen befreit, die Räume licht und hell. Moderne Regalbatterien erinnern an die Raumschiffmöblierung im Science-Fiction-Klassiker „2001 Odyssee im Weltraum“. Auch ein gemütliches Dachkämmerlein aus Vollholz im früheren Uni-Riegel fiel den Umbauten des Architekten Peter Kulka zum Opfer, aber die staunenden „Aahs“ der Festgäste überwogen die bedauernden „Oohs“ bei weitem – auch später beim Rundgang durchs Haus.

Mosbrugger lobte den Mut bei Bund und Land, das 117-Millionen-Euro-Projekt zu finanzieren – und den eigenen Mut, „das Geschenk anzunehmen und so ein großes Bauvorhaben in eigener Verantwortung zu stemmen“. Der hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) betonte: „Jeder investierte Cent ist ein guter Cent“, weil er in die Zukunft investiert werde. Senckenberg sollte nicht nur als Museum wahrgenommen werden, sagte er, sondern als globale Forschungseinrichtung: „Sie haben Großartiges geleistet.“

Wolfgang Grünbein, der Präsident des Physikalischen Vereins, erinnerte an einen Forschungsschwerpunkt der Ahnen vor 100 Jahren: „Damals wurde hier im Haus schon die Elektromobilität als Fortbewegungsart der Zukunft genannt.“ Eines der Hauptprobleme seinerzeit in diesem Zusammenhang: die mangelnde Reichweite der Fahrzeuge. Man könnte fast denken, die Forscher kämen gar nicht vom Fleck. Aber das täuscht.

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