+
Die Frankfurter CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Wiesmann legt sich nicht fest, Fraktionskollege Matthias Zimmer (rechts neben ihr) schon. Das Foto zeigt beide bei der Bundestagswahl 2017 im Frankfurter Römer.

Parteivorsitz

Friedrich Merz spaltet die Frankfurter CDU

  • schließen

Perfekter Kanzlerkandidat oder Totengräber der sozialen Marktwirtschaft? Die Christdemokraten in Frankfurt sind sich bei der Person Friedrich Merz uneins.

Wer soll den Bundesvorsitz der CDU von Kanzlerin Angela Merkel übernehmen, wer sich für eine mögliche Kanzlerschaftskandidatur in Stellung bringen? Diese Frage treibt auch die Frankfurter CDU um, die Delegierte vom 7. bis 8. Dezember zum CDU-Parteitag nach Hamburg schickt, um darüber mitzuentscheiden. Jens Spahn, Friedrich Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer haben bislang ihre Kandidatur um den Bundesvorsitz angekündigt. Für den Frankfurter Bundestagsabgeordneten Matthias Zimmer (CDU) ist klar, wer davon der geeignetste Kandidat ist.

Zimmer unterstützt CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer. AKK, wie sie genannt wird, sei in der Lage, „Brücken zu bauen in einer Partei, die unterschiedliche Strömungen hat“. Da der CDU-Bundesvorsitz mittelfristig in die Kanzlerschaft münden solle, sei diese Position mit jemandem zu besetzen, der Regierungserfahrung habe.

Friedrich Merz habe sich hingegen vor knapp zehn Jahren aus der aktiven Politik zurückgezogen; er fahre einen wirtschaftsliberalen Kurs. „Merz bedeutet: „In der CDU wird soziale Marktwirtschaft um 100 Jahre zurückgedreht“, teilte Zimmer unter einem Beitrag seines Parteifreunds Christoph Schmitt auf Facebook mit. Der FR sagte Zimmer über Merz: „Ich kenne noch seine Aussagen von früher, die sehr arbeitgeberfreundlich waren, etwa zur Erhöhung der Arbeitszeiten.“ Und weiter: „Für mich war er der Grund, in die CDA einzutreten.“ Denn die Union sei auch eine Partei der Arbeitnehmer. Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft ist der Flügel der CDU, der die Arbeitnehmerinteressen verteidigt.

Dem wirtschaftsliberalen Flügel der CDU, der Mittelstandsvereinigung MIT, gehört der Stadtverordnete Christoph Schmitt (CDU) an, der sich offen für Merz ausspricht: „Friedrich Merz steht für den wirtschaftsliberalen und konservativen Markenkern der CDU.“ Würde Merz die Partei führen, ließe sich die Stammwählerschaft stärker ansprechen und die AfD marginalisieren. Mit Merz würde sich die Partei „ein Stück weit nach rechts bewegen“, räumte Schmitt ein. Dies würde seiner Ansicht nach der Sozialdemokratie helfen, sich wieder stärker von der CDU abzugrenzen.

Aufgrund der Erfahrung in Politik und Wirtschaft sei Merz der „perfekte Kanzlerkandidat“, sagte Schmitt. Merz ist derzeit unter anderem im Aufsichtsrat des weltweit größten Vermögensverwalters BlackRock tätig.

Der Frankfurter CDU-Vorsitzende Jan Schneider wollte sich nicht auf einen der Kandidaten festlegen, bevor diese ihre Vorstellungen zur Zukunft der Partei ausgebreitet hätten. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Wiesmann sagte, Merz, Kramp-Karrenbauer und Spahn seien „geeignete Kandidaten mit dem nötigen Format“. Bürgermeister Uwe Becker sagte, er werde einen Kandidaten wählen, der sich in den letzten Jahren „aktiv und positiv“ für die CDU eingesetzt habe. Am Vorabend des Parteitags treffen sich die Delegierten aus Hessen in Hamburg zum Gespräch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare