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Werbetafel einer Wechselstube zum Tausch von Pfund und Euro an der Grenze zwischen der Republik Irland und der britischen Region Nordirland.

Briten in Frankfurt

Frankfurter Ausländerbehörde fürchtet harten Brexit

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3000 Briten müssten im Falle eines ungeregelten Brexits in kurzer Zeit bei der Frankfurter Ausländerbehörde vorstellig werden. Das könnte das Amt kaum leisten.

Sollte es zu einem ungeregelten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union kommen, hätte das für die Arbeit der Frankfurter Ausländerbehörde dramatische Folgen. „3000 Briten, die in der Stadt leben, würden von heute auf morgen ins aufenthaltsrechtliche Nirvana fallen“, sagte der Leiter des Amts, Norbert Euler, am Montag im Gespräch mit Journalisten.

Sofern es eine entsprechende Weisung des Bundesinnenministeriums gibt, könnten die Briten noch drei Monate ohne spezielle Arbeitserlaubnis weiterarbeiten, sagte Euler. In dieser Zeit müsse die Behörde sämtliche Fälle bearbeiten, was organisatorisch kaum möglich sei. Zum Vergleich nannte Euler die Zahl der Flüchtlinge: Die Frankfurter Behörde hatte 5000 Asylsuchende zu betreuen – in einem wesentlich längeren Zeitraum. Und schon diese Arbeit habe das Amt extrem in Anspruch genommen.

Auch zu den aktuellen Problemen der Behörde äußerte sich Euler. In den vergangenen Monaten hatte es immer wieder Beschwerden über extrem lange Wartezeiten vor der Behörde im Gallus gegeben. Klienten berichteten, sie hätten sich mitten in der Nacht vor dem Gebäude angestellt und am folgenden Morgen trotzdem keine Wartenummer mehr bekommen.

Seit er im Sommer 2017 von der Offenbacher Ausländerbehörde nach Frankfurt wechselte, seien die Schlangen schon deutlich kürzer geworden, sagte Euler. Damals hätten sich rund 2500 Menschen pro Woche angestellt, mittlerweile liege die Zahl zwischen 1000 und 1500. Zufriedenstellend seien die Zustände aber nicht, sagte der 55-Jährige. Ziel sei es, dass sämtliche Klienten einen Termin für ihre Angelegenheiten erhalten und Wartezeiten entfallen. Dies sei bei der Verlängerung von befristeten Aufenthaltsgenehmigungen bereits der Fall.

Ein Großteil der Menschen in der Schlange „müsste dort gar nicht stehen“, sagte Euler. Für die meisten Anträge sei kein persönliches Erscheinen nötig; sie ließen sich auch per Post oder Mail stellen. Das sei vielen Klienten aber nicht bekannt – was auch daran liegen könnte, dass die Ausländerbehörde im Internet fast ausschließlich auf Deutsch informiert. Gemeinsam mit dem übrigen Relaunch des städtischen Angebots im Netz sollen Informationen künftig in vielen Sprachen bereitgestellt werden. Wann das der Fall sein wird, steht nicht fest.

Grundlegendes Problem der Behörde ist aber der Personalmangel. Zwar wurde die Zahl der Stellen kürzlich auf 150 aufgestockt, doch ein Zehntel davon ist unbesetzt. Die Arbeit gelte einfach nicht als besonders attraktiv, sagte Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU). Nötig seien eine lange Einarbeitungszeit (die wiederum Personal bindet), viel Fachwissen – und gute Nerven. Bisweilen würden die Mitarbeiter persönlich angegangen, wenn sie etwa eine Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängern könnten. Deshalb gebe es eine hohe Fluktuation und einen hohen Krankenstand.

Um den Job attraktiver zu machen, soll die Besoldung verbessert werden, sagte Frank. Der Magistrat müsse aber noch zustimmen, und auch andere Ämter hätten schon Begehrlichkeiten nach mehr Geld für die Belegschaft angemeldet. „Denn die Probleme der Ausländerbehörde werden in Zukunft auch andere Ämter erfahren“, sagte Frank. Der Fachkräftemangel mache sich in der Stadtverwaltung mehr und mehr bemerkbar.

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