Wer hinter diesen Bussen steht, sieht die freudetrunkenen Eintracht-Fans nach dem Pokalsieg auf dem Römerberg.
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Wer hinter diesen Bussen steht, sieht die freudetrunkenen Eintracht-Fans nach dem Pokalsieg auf dem Römerberg.

Fußball-EM in Frankfurt

Frankfurt wirbt für die EM 2024

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Drei Monate vor der Vergabe der Fußball-EM 2024 bringt Frankfurt sich als mögliche ausrichtende Stadt in Stellung. Eintracht Frankfurt würde ihr Waldstadion gerne ausbauen. Doch die Kommune tritt auf die Bremse.

Drei Monate vor der Vergabe der Fußball-Europameisterschaft 2024 bringt Frankfurt sich als mögliche Ausrichterstadt in Stellung. Sportdezernent Markus Frank (CDU) präsentierte am Donnerstag Linienbusse, die ab sofort im Stadtbild für das Großereignis werben. „Wir wollen den Funken überspringen lassen auf die Bevölkerung.“

Elf Busse der Linien 30, 32, 34 und 36 thematisieren in den kommenden drei Monaten auf ihrem Heck die Europameisterschaft. Dazu soll es Banner an Brücken und in den 50 Sportstätten der Stadt, Werbung in U-Bahnen und im Waldstadion geben. Verantwortlich dafür ist die zu diesem Zweck gegründete Stabsstelle Fußball-Europameisterschaft 2024. „Wir wollen in den kommenden drei Monaten ein gewisses Grundrauschen erzeugen“, sagte der Leiter der Stabsstelle, Georg Kemper.

Sportdezernent Frank erinnerte daran, welch tolle Werbung die WM 2006 für die Stadt gewesen sei. „Die EM wird eine ganz große Chance, Frankfurt zu präsentieren.“ 

Bei der WM 2006 war die dafür neu gebaute Arena im Stadtwald Austragungsort von vier Vorrundenspielen und einem Viertelfinale. Für ein Halbfinale ist das Stadion nach internationalen Maßstäben zu klein. Dafür sind mindestens 54 000 Sitzplätze erforderlich, das Waldstadion bietet aber lediglich Platz für 48 387 Zuschauer. 

Eintracht Frankfurt als Hauptnutzer würde die Arena gerne ausbauen und künftig auch selbst betreiben. Ein entsprechendes Konzept hat der Verein der Stadt vorgelegt. Doch die Kommune tritt noch auf die Bremse. Einigkeit besteht bei Stadt und Verein, die bisherigen Betreiber, das Immobilienunternehmen Apleona und den Sportrechtevermarkter Lagadère mit Auslaufen des Vertrags 2020 auszubooten. Sportdezernent Frank sprach bereits im vergangenen Dezember von „Optimierungsmöglichkeiten für Stadt und Verein“. Mit Juristen und Ausschreibungsspezialisten sollte ein „perfektes Modell“ gefunden und eigentlich schon im Frühjahr präsentiert werden. Sportdezernent Frank räumte auf Anfrage der FR ein, dass es derzeit noch eine gewisse Uneinigkeit in der Koalition gebe und das Thema während des OB-Wahlkampfs auf Eis gelegt worden sei. 

Die Pläne der Eintracht sehen vor, das Stadion auf eine Kapazität von gut 60 000 Zuschauern auszubauen. Zwar sollen dabei für den Ligabetrieb hauptsächlich Stehplätze (rund 8000) entstehen, doch bei internationalen Spielen käme die so wichtige Kapazität von 54 000 Plätzen zustande. Die Stadt als Eigentümer des Stadions soll nach Vorstellung der Eintracht 30 Millionen Euro in den Ausbau investieren. Dafür würde die Eintracht als zukünftiger Betreiber sich verpflichten, die gleiche Summe in die technische Modernisierung zu investieren. 

Eine solche Investition müsste allerdings auch den Stadtverordneten schmackhaft gemacht werden. Stadtrat Frank macht keinen Hehl daraus, dass diese Entscheidung den Parlamentariern leichter zu verkaufen ist, wenn Deutschland am 25. September von der Uefa den Zuschlag für die EM 2024 bekäme und Frankfurt somit Ausrichterstadt wäre. „Es ist klug, das Ergebnis in das Paket mitreinzunehmen“, sagte Frank.

Die Eintracht müsste sich mit ihren Plänen somit bis mindestens Ende September gedulden. Doch die Hängepartie könnte ihr bei der Frage des zukünftigen Betreibers zugutekommen. Die Zeit für die notwendige europaweite Ausschreibung eines externen Nachfolgers wird nämlich immer knapper – und eine Vergabe der Betreiberrechte an die Eintracht somit wahrscheinlicher. 

Der Verein jammert seit Jahren, er zahle zu viel Miete. Beim Vertragsabschluss hatte die Eintracht seinerzeit wegen der ungewissen sportlichen Zukunft eine umsatzabhängige Pachtzahlung gewünscht und zahlt nun seit Jahren wegen des meist vollen Stadions deutlich mehr Miete als viele andere Bundesligisten. Für den erwünschten ganzjährigen Zugriff auf die Arena müsste die Eintracht sicher noch mehr zahlen. Wie viel sie angeboten hat, wollten weder Verein noch Stadt verraten. 

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