Biennale B3

Ein Filmfestival über das Begehren

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Zeitgenössische Videokunst zeigt die Biennale B3 auf dem früheren Deutsche-Bank-Areal in Frankfurt und in der Region.

Wenn es am 28. November dunkel wird, eröffnet die Filmkunst-Biennale B3 mit einem Spektakel. Auf der 110 Meter breiten Glasfassade der Städtischen Bühnen zeigt der Videokünstler Federico Solmi seine neueste Produktion, eine Weltpremiere. Clowns, Fratzen und Diktatoren zeigen die Realität als einen Vergnügungspark. Schon in seiner Arbeit „The Evil Empire“ hatte Solmi den Papst im Jahr 2046 als vergnügungs- und sexsüchtig dargestellt.

Das ist nur eine von 70 Positionen, die auf dem Filmfestival zu sehen sein werden. Die „Biennale des bewegten Bildes“ findet nach 2013 und 2015 zum dritten Mal statt. Diesmal widmet sie sich den Leidenschaften: „On Desire. Über das Begehren“, lautet der Titel.

Liebe, Gier, Lust, Wut, sie hüllen die Zuschauer in den zeitgenössischen Videoarbeiten ein – und zwar wortwörtlich, denn das Festival setzt auf die Virtual-Reality-Technik, bei der die Betrachter quasi im Bild versinken. Zwei Kinos, das Festivalzentrum in der Junghofstraße und das Festivalkino Cinema am Roßmarkt, sind mit VR-Brillen ausgestattet. In einem „Fulldome“-Kino laufen außerdem Filme, die auf eine 360 Grad-Kuppel projiziert werden.

„Wir zeigen den Status quo der Videokunst“, sagt Bernd Kracke, der Präsident der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach, der das Festival künstlerisch leitet. Das Thema Begehren sei aktuell wie nie – er verweist nur auf die wütenden Tweets von US-Präsident Donald Trump, mit der sich die Videokunst auseinandersetze. Der hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) sieht die Biennale schon auf dem Weg „das wichtigste und einflussreichste Festival zum Bewegtbild in Europa“ zu werden.

Zuschauer können neben den 360-Grad-Produktionen auch Kurzfilme und Langfilme sehen, außerdem Videoinstallationen und -spiele, die auf 3000 Quadratmetern Ausstellungsfläche gezeigt werden. Parallel laufen Vorträge und Diskussionen mit Medienschaffenden, Wissenschaftlern, Künstlern. Zum von Anita Beckers kuratierten Festival kamen 2015 rund 370 000 Zuschauer. Beteiligt sind der Kunstverein, der Portikus, das Filmmuseum, das Exzellenzcluster Normative Ordnungen der Goethe-Universität. In Bad Homburg macht das Sinclair-Haus mit, in Darmstadt die Kunsthalle, in Wiesbaden der Nassauische Kunstverein.

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