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Es fehlt die Kraft

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Wäre es nicht besser, unbeteiligte Experten für die Entscheidung über die Zukunft der Städtischen Bühnen heranzuziehen? Unser Kommentar.

Als sich kurz vor Weihnachten die Römer-Koalition vom „Geist von Bad Nauheim“ erleuchten ließ und in mehreren Klausuren ihr Arbeitsprogramm bis 2021 festlegte, war von einem Thema hinterher nicht die Rede: der Zukunft der Städtischen Bühnen. Ein Beschluss zu der Frage, ob der riesige Gebäudekomplex saniert oder abgerissen werden soll, tauchte unter den Vorhaben der nächsten Jahre nicht auf. Und das ist kein Zufall. Denn es ist keinesfalls sicher, dass die von inneren Widersprüchen gebeutelte Koalition sich in diesem Jahr zu einem Richtungsbeschluss aufrafft. 

Inbesondere Oberbürgermeister Peter Feldmann, dem die Bühnen sehr fernliegen, schreckt der Blick auf andere deutsche Städte. Die Dauerquerelen um die Sanierung der Theater in Köln oder der Oper in Stuttgart lassen den Sozialdemokraten zögern. Der OB will in seiner zweiten Amtszeit nur noch Themen angehen, die ihm nutzen – und die Städtischen Bühnen zählen in seinen Augen nicht dazu. 

Solange Feldmann bremst, wird dieses Projekt nicht ernsthaft angepackt werden. Kulturdezernentin Ina Hartwig besitzt alleine nicht die politische Kraft, die Sache durchzukämpfen. Da können die Grünen als kleinster Partner der Römer-Koalition noch so sehr drängen, Und die Frankfurter CDU schwankt noch zwischen den Träumen von einer neuen Oper am Wasser mit weltweiter Strahlkraft und dem kleinsten gemeinsamen Nenner, einer Sanierung. Diese politische Ausgangslage überschattet alles, was die Fachleute der städtischen Stabsstelle Bühnen auf den Weg bringen. 

Jetzt also sollen die Spezialisten von fünf Firmen, die bereits an der Machbarkeitsstudie 2017 mitgearbeitet hatten, die Fakten noch einmal für die Richtungsentscheidung Sanierung oder Neubau aufbereiten. Es drängt sich schon die Frage auf, ob es nicht richtig gewesen wäre, bisher unbeteiligte Experten die Sachlage prüfen zu lassen. 

Tatsächlich ist langjährigen Kennern der 1963 eröffneten Theater-Doppelanlage auch schon länger klar, dass die Sanierung eines Gebäudes, dessen Fundamente noch vom Schauspielhaus des Jahres 1902 stammen, ein großes bauliches und finanzielles Risiko birgt. Ein Neubau dagegen böte die Chance, beispielhaft zu zeigen, wie Theater im 21. Jahrhundert aussehen kann. 

Eine solche Lösung muss nicht 900 Millionen Euro kosten, das zeigt das Beispiel anderer Länder. Und sie sollte es auch nicht. Am Ende muss die Römer-Koalition die Kraft aufbringen, das zu demonstrieren. 

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