Nachwuchs

Erste Hilfe mit Puppen

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Die Jugendfeuerwehr Frankfurt präsentiert sich bei einem Aktionstag am Mainufer. Bei der Jugendfeuerwehr lernen die Kinder, im Team zu arbeiten und Verantwortung füreinander und die Gesellschaft zu übernehmen.

Als die ersten Flammen aus dem Kochtopf mit dem heißen Öl schlagen, macht Julius Witting etwas, das man zu Hause unterlassen sollte: Um den Brand zu löschen, spritzt der Feuerwehrmann eine Ladung Wasser in Richtung Herd. Die Hitze der vier Meter hohen Stichflamme ist bis zum Flatterband zu spüren, hinter dem sich zahlreiche Schaulustige versammelt haben. In der Küche daheim endet ein solche „Fettexplosion“ schnell mit argen Verbrennungen – doch dank der Uniform kann die Stichflamme Witting nichts anhaben. „Die hält bis zu 700 Grad aus“, erklärt sein Chef Christian Beha.

Noch fünf weitere Mal werden Witting und seine Kollegen den Kochtopf in der „Küche“ am Mainufer heute explodieren lassen. Für die Besucher des Aktionstages der Frankfurter Jugendfeuerwehr dürfte die Show das Highlight sein – doch auch fernab der spektakulären Stichflamme gibt es an dem sommerlichen Samstagmittag viel zu entdecken.

An 25 Ständen präsentieren sich die insgesamt 28 Ortsgruppen der Jugendfeuerwehr Frankfurt. „Wir wollen die Jugendfeuerwehr in ihrer Vielfältigkeit darstellen“, erklärt Melinda Fleckner, stellvertretende Stadtjugendfeuerwehrwartin. Bis auf die „Fettexplosion“ gehe es dabei weniger um spektakuläre Schauübungen als um einen Einblick in den Alltag der Jugendfeuerwehr.

So kann man bei der Ortsgruppe aus Eckenheim an menschengroßen Puppen üben, wie man andere im Ernstfall wiederbeleben kann. Am Stand der Hausener Jugendfeuerwehr lernen die Kinder spielerisch, wie man mit einem Feuerwehrschlauch umgeht: Mit dem Wasserstrahl muss ein kleiner Plastikball durch einen Hindernis-Parcours geführt werden. Passend zu den Temperaturen kann man sich bei der Ortsgruppe Eschersheim mit alkoholfreien Kindercocktails erfrischen.

„Bei der Jugendfeuerwehr lernen die Kinder, im Team zu arbeiten und Verantwortung füreinander und die Gesellschaft zu übernehmen“, erklärt Fleckner. Das sieht auch Julien Chamboncel so. Der 20-jährige Lehramtsstudent ist seit acht Jahren bei der Jugendfeuerwehr Unterliederbach. „Einen Brand kann man nicht alleine löschen“, sagt er.

Heute steht er aber nicht am Wasserschlauch, sondern am Stand von „ArmTM“, einer vom Frankfurter Jugendring getragenen Kampagne gegen Kinder- und Jugendarmut. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern verkauft Chamboncel Pullis, T-Shirts und Turnbeutel mit dem Kampagnen-Logo – von den Einnahmen werden Ferienfreizeiten für Kinder aus sozial schwachen Familien finanziert. „Auch bei uns sind viele Kinder und Jugendliche von Armut oder Hartz 4 betroffen“, erklärt Chamboncel. Deshalb hätten sie sich entschieden, die Kampagne zu unterstützen.

„Die Stadt ist begeistert von den jungen Menschen, die sich in der Feuerwehr engagieren“, sagt Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU). Rund 500 Kinder und Jugendliche sind derzeit in der Jugendfeuerwehr Frankfurt organisiert. „Mit Nachwuchsproblemen haben wir gottseidank nicht zu kämpfen“, sagt Jugendwartin Fleckner.

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