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Ein Lehrschwimmbecken darf nicht zu weit von der Schule entfernt sein. Sonst sitzen die Kinder mehr im Bus als dass sie im Wasser paddeln.

Schulen in Frankfurt

Ernst-Reuter-Schule möchte eigenes Becken

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Eltern, Lehrer und Ortsbeirat im Frankfurter Stadtteil Niederursel kritisieren das städtische Bäderkonzept. Es seht kein Lehrschwimmbecken im Norden vor.

Dass das Lehrschwimmbecken der Ernst-Reuter-Schulen nicht im neuen Bäderkonzept auftaucht, sorgte schon in der August-Sitzung des Ortsbeirats 8 für Unmut. Sportdezernent Markus Frank (CDU) ist am Donnerstag der Einladung des Gremiums gefolgt, um Hintergründe darzulegen. Er tourt ohnehin gerade durch die Ortsbezirke und stellt das „Bäderkonzept Frankfurt 2025“ vor.

„Das geplante Schwimmsportzentrum in Ginnheim würde neue Kapazitäten für die Schulen und Vereine im Nordwesten schaffen“, erklärt Frank. Bis 2024 könnte das in Kooperation mit der Goethe-Uni entworfene Bad für rund 40 Millionen Euro realisiert werden. „Es soll die städtischen Bäder entlasten und der Schwimmförderung dienen“, sagt Frank. Aufgrund seiner Größe und der zentralen Lage mit guter ÖPNV-Anbindung könne eine breite Zielgruppe erreicht werden. Geplant ist ein 50-Meter-Becken, das in drei 25-Meter-Becken unterteilt werden kann. Hinzu kommen drei kleinere Becken.

Für den Ortsbeirat, die Lehrer und Eltern ist das jedoch keine Alternative zum schuleigenen Bad. „Wir begrüßen das neue Sportzentrum, aber wir brauchen vor Ort ein eigenes Becken, denn die Nachfrage ist groß“, sagt Ralf Porsche (CDU). Acht Schulen und vier Vereine hätten das Lehrschwimmbecken der Ernst-Reuter-Schulen genutzt. Porsche glaubt nicht, dass alle Gruppen im Neubau auf dem Sportcampus unterkommen.

„Schließlich erhebt die Uni auch einen Anspruch auf das Bad“, sagt Yvonne Gondolf (Grüne). Bäderbetriebe-Chef Frank Müller bestätigt: „Rund ein Drittel der Wasserfläche soll die Hochschule nutzen.“ Dennoch wäre wegen der teilbaren Becken genug Platz für alle da.

Sportlehrer Henrich Zorko findet das Parallelangebot problematisch. Das sei für ältere Schüler gut, nur schließe es auch etliche Gruppen aus. „Den Lärm und die vielen Menschen können wir Schwimmanfängern und unseren autistischen und muslimischen Kindern nicht zumuten“, erklärt er.

Es müsse möglich sein, die Kinder in Kleingruppen zu unterrichten. „Wir brauchen kein Leistungszentrum, sondern ein kleines Becken, in dem wir die jüngeren Schüler in Ruhe an den Schwimmunterricht heranführen können.“

Gerhard Schneider, Schulleiter der Ernst-Reuter-Schule II, betont den inklusiven Charakter seiner Schule – und den der Grundschulen im Ortsbezirk 8, die das Sportzentrum ebenfalls nutzen sollen. Neben der langen Anfahrtszeit, durch die den Kindern noch 20 Minuten Unterrichtszeit im Wasser verbleibe, führt er an, dass behinderte Schüler den Weg gar nicht erst überbrücken könnten. „Hier braucht es spezielle Transportausrüstung“, erklärt er.

Schneider wünscht sich, dass Markus Frank mit Bildungsdezernentin Sylvia Weber in Dialog tritt und die schuleigenen Becken bei den weiteren Planungsschritten berücksichtigt werden. Das sei letztlich auch Ziel seiner Tour durch die Ortsbeiräte, so Frank. In enger Abstimmung mit allen Beteiligten aus Politik, den Bäderbetrieben, Schulen, Vereinen und dem Leistungssport sollen möglichst viele Bedürfnisse berücksichtigt und das Konzept entsprechend angepasst werden. „Die Gelder sind noch nicht geflossen“, versichert der Stadtrat.

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