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Am Abend wurde am Römer gebetet, die Kerzen standen für Hoffnung, Frieden und Gewaltfreiheit.

Tag der Deutschen Einheit in Frankfurt

Emanzipation als einziger Weg

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Markus Meckel war Außenminister der DDR – und erklärt in der Paulskirche am Tag der Deutschen Einheit in Frankfurt, wie Europa in der Weltpolitik weiter mitspielen kann.

Es waren eindringliche Worte, die Markus Meckel am Tag der Deutschen Einheit in der Paulskirche an sein Publikum richtete. „Die Präsidentschaft Trumps hat uns vor Augen geführt, was längst ansteht: die Emanzipation der Europäer im transatlantischen Bündnis und der internationalen Politik“, sagte Meckel, der nach der ersten freien Wahl im März 1990 Außenminister der DDR war.

Vor geladenen Gästen sowie Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern spannte er in seiner Rede den ganz großen Bogen – von der Nationalversammlung, die in der Paulskirche getagt hatte, über die beiden Weltkriege bis hin zu den heutigen Herausforderungen wie beispielsweise die Emanzipation Europas. „Davon sind wir allerdings weit entfernt“, stellte Meckel fest. Zum einen, weil die personellen Ressourcen fehlten. „Aber auch, weil es keine Einigkeit der Europäer untereinander gibt.“ Die Europäer müssten sich deswegen im eigenen Handeln von ihren Werten leiten lassen, anstatt diese nur im Mund zu führen. „Denn ein gemeinsamer handlungsfähiger Westen ist heutzutage von zentraler Bedeutung.“

Daneben appellierte Meckel auch an die Verantwortung jedes einzelnen Bürgers – und verknüpfte seine Gedanken mit den Novemberpogromen von 1938. „Hier wurden einer ganzen Bevölkerungsgruppe alle Rechte entzogen und die große Mehrheit der Deutschen sah tatenlos zu“, erinnerte Meckel und fragte: „War es Übereinstimmung? Gleichgültigkeit? Angst?“ Und: „Wenn es einen Aufschrei gegeben hätte, wäre dann alles Weitere genauso geschehen, mit sechs Millionen ermordeten Juden am Ende des Krieges?“

Gemeinwesen von mancher Spaltung zerrissen

Auch heute sei das Gemeinwesen von mancher Spaltung zerrissen, sagte der ehemalige Bundestagsabgeordnete und bemerkte: „Die Deutschen haben für die Einheit noch längst keine gemeinsame Erzählung gefunden.“ Deshalb müsse man zuhören – „auch denen, die in den letzten Wochen in Chemnitz auf der Straße waren.“

„Wir müssen gegen jene aufstehen, die neue Mauern aufbauen wollen“, forderte auch Bürgermeister Uwe Becker (CDU) in seiner Rede. Aus gesellschaftlichen Gräben würden Schützengräben. „Und von denen“, so Becker, „hat Europa mehr als genug gesehen. Unser oberstes Interesse muss ein starkes, einiges Europa sein.“

Der Tag der Deutschen Einheit wurde allerdings nicht nur beim Festakt in der Paulskirche, sondern auch im Rest der Stadt gefeiert. So hatten beispielsweise die beiden christlichen Kirchen den ganzen Tag über zu Andachten und Gottesdiensten eingeladen, an denen auch Zeitzeugen aus der ehemaligen DDR teilnahmen. Am Abend gab es einen Kerzenmarsch zum Römerberg. Der sollte daran erinnern, „wie mutige Christen vor mehr als 28 Jahren mit Gebeten und Kerzen eine friedliche Revolution begannen“, so die katholische Stadtkirche.

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