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276 Jungmeisterinnen und Jungmeister in der Paulskirche.

Meisterfeier in der Paulskirche

Ein echtes Freundschaftsspiel

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Handwerk und Fußball haben viel gemeinsam, stellen der Präsident Bernd Ehinger als Gastgeber und der DFB-Präsident Reinhard Grindel als Gastredner fest.

Bernd Ehinger, der Präsident der Handwerkskammer, lieferte am Samstag bei der traditionellen Meisterfeier die Vorlage für das 1:0. Mit Blick auf den Hauptredner, DFB-Präsident Reinhard Grindel, meinte er vor mehr als 700 Gästen in der Paulskirche, zwischen Sport und Handwerk gebe es viele Gemeinsamkeiten. Hier wie dort müssten „Aufgaben“, an denen junge Menschen „reifen und wachsen“ könnten, bewältigt werden. Das Leistungsprinzip, aber auch Teamgeist und Gemeinschaftsgefühl, spielten in beiden Bereichen eine Rolle.

Dann rief Ehinger die 276 Jungmeisterinnen und Jungmeister auf, sich zu erheben und den berühmten blauroten Schal mit der schönen Aufschrift „Deutscher Meister“ hochzuhalten. Das dürfte das 1:0 gewesen sein, denn: In der Bundesliga müssten die Fußballer noch eine Weile kicken, bis feststehe, wer den Meistertitel hole. Ehinger forderte die Jungmeister auf, als „Markenbotschafter der beruflichen Bildung“ aufzutreten.

DFB-Chef Grindel hob ebenfalls „viel Vergleichbares“ zwischen Fußball und Handwerk hervor. Beide etwa hätten Nachwuchssorgen. Auch in den Vereinen werde so etwas wie eine duale Ausbildung praktiziert: Zum täglichen Training komme der Schulbesuch. Grindel sprach von der „sozialen Integrationskraft von Betrieb und Verein“ und den „Chancen der Zuwanderung“. Ohne Spieler mit Migrationshintergrund hätte Deutschland im Jahr 2014 die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien nicht gewonnen.

Teil einer Mannschaft

Siege feiern, Niederlagen gemeinsam verarbeiten, das Zusammengehörigkeitsgefühl spüren – all das könne die digitale Welt nicht bieten: „Einmal Netzausfall und alle Freunde sind weg.“ Grindel hob die Bedeutung hervor, sich als Teil einer Mannschaft zu verstehen. Allein auf dem Spielfeld könne niemand etwas ausrichten – egal, wie gut jemand sei.

Nicht nur die Anforderungen an den Spitzensport sind offenbar hoch. Die Eltern, die ihre Kinder in die Vereine schicken, würden erwarten, dass sie „zügig zu Bundesligaspielern“ ausgebildet würden und sich so viel bewegen müssten, dass die Familie dann ungestraft zu McDonalds gehen könne – und das für drei Euro Monatsbeitrag. Grindel appellierte an die Jungmeister, Beschäftigte, die in den Vereinen ein Ehrenamt ausüben, zu bestärken.

Den endgültigen Ausgleich zum 1:1 erzielte Grindel, als er auf die geplante DFB-Akademie auf dem Gelände der Galopprennbahn in Niederrad zu sprechen kam: Da würden Fußball und Handwerk ganz eng zusammenrücken. Der DFB lege größten Wert darauf, dass das heimische Handwerk am Neubau mitwirke. „Wir setzen auf die große Kompetenz des regionalen Handwerks und wollen umweltgerecht und energieeffizient bauen.“ Er hoffe, dass noch in diesem Frühjahr mit dem Bau begonnen werden könne. Bei soviel Verbundenheit zwischen Handwerk und Fußball wurde schnell klar: Es konnte sich nur um ein Freundschaftsspiel handeln.

Und auch Bürgermeister und Kämmerer Uwe Becker (CDU) schlug versöhnliche Töne an: Auch er gehe davon aus, dass mit dem Bau des DFB-Leistungszentrums in diesem Jahr begonnen werde – im Vorfeld hatte es langwierige und komplizierte Auseinandersetzungen mit dem Rennklub gegeben. Becker schwärmte von der Allgegenwärtigkeit des Handwerks. Beim Gang durch die Stadt komme man immer wieder an Bäckereien, Metzgereien oder Malereibetrieben vorbei und auch beim Bau der neuen Altstadt sei das Handwerk maßgeblich beteiligt wesen.

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