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Stillleben mit Kühlschrank.

Müll in Grünanlagen in Frankfurt

Dreck in der Düne

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Der Müll in Frankfurt nimmt überhand. Allenthalben werfen die Menschen ihren Kram einfach in die Grünanlagen und Parks. Manche Frevler verklappen sogar im Naturschutzgebiet.

Frau B. ist keine unfreundliche Frau. Aber sie ist sauer. Und schimpft. Eigentlich spaziert sie gerne durch das Naturschutzgebiet Schwanheimer Düne. Sie liebt den sandigen Boden, die niedrigen Bäume, das wogende Gras, die frechen blauen Blumen am Wegesrand. Aber etwas gefällt ihr nicht: der Müll. Der und seine Verursacher sollten sich was schämen, findet Frau B. – die ihren echten Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Aus Furcht vor den Müllfrevlern. 

Wer vom Parkplatz am Höchster Weg zum Spaziergang aufbricht, kommt an allerlei Unrat vorbei. Grünschnitt, Aschehaufen, leere Plastiktüten. Volle Tüten mit Müll. Ein Fahrrad liegt dort rum, eine Gießkanne, ein Kühlschrank. Hinter einem Garten hat ein Landwirt einen ganzen Misthaufen aufgeschüttet. Zumindest vermutet Frau B., dass es sich um einen Landwirt gehandelt haben muss. Wer hat sonst so viel Mist?

Zu einem Plastikstuhl hat Frau B. eine Art Beziehung aufgebaut, wie alte Bekannte sind sie. 2017 hat sie das Gartenmöbel bei der Stadt gemeldet, sagt sie. Jetzt, im Spätsommer 2018, ist der Stuhl immer noch da. Wenn auch nicht mehr so weiß und reichlich zugewachsen. Der Kühlschrank liege auch schon länger. Auch den hat Frau B. gemeldet. Vielleicht sei sie überempfindlich, sagt Frau B. Aber: „Für mich ist das ein Schlag.“ Beim Spaziergang immer wieder auf Abfall zu stoßen.

Alleine ist sie nicht mit diesem Empfinden. „Es ist grauslich“, sagt auch Ilona Klimroth. Die Schwanheimerin sitzt für die CDU im Ortsbeirat 6, ihr Mann ist Stadtbezirksvorsteher. „Sie glauben nicht, wie oft wir bei der Stabstelle Sauberes Frankfurt anrufen und auf Müll hinweisen“, sagt sie. Da sind die Beschwerden anderer noch gar nicht mitgezählt. Die meisten Spaziergänger kennen die Nummern vom Umwelttelefon oder der Stabsstelle inzwischen selbst und rufen dort an, um Müll zu melden.

Tatsächlich scheint die Lage immer schlimmer zu werden. Sieben Mal ist das Umweltamt 2018 zur Düne gefahren, um aufzuräumen. Bis Mitte September. 2017 ist das Amt insgesamt nur viermal ausgerückt. Stadtweit haben die Müllsammler aus dem Umweltamt 200 Einsätze in 2018 zu verzeichnen. Bislang. Auch dort ist die Tendenz zu den Vorjahren steigend. 

Müll sammelt sich in der Stadt überall dort, wo die soziale Kontrolle fehlt, wo es schwer einzusehende Ecken gibt. Also in dem letzten bisschen Natur, das den Menschen in der Stadt geblieben ist. Die Verwaltung steht dem fast hilflos gegenüber. Den Abfall zu entsorgen und die Grünanlagen zu reinigen kostet 2,4 Millionen Euro im Jahr. 

Im Frühjahr erst ist eine ganze Lastwagenladung alter Autoreifen am Sausee in Seckbach aufgetaucht. Und vergangene Woche hat der Ortsbeirat 6 beschlossen, die Straße zum Sossenheimer Unterfeld mit abschließbaren Pollern absperren zu lassen. Um so den Schleichverkehr rauszuhalten – und weil Rüpel das Unterfeld als Sperrmülldeponie benutzen.

„Man müsste die Leute irgendwie erziehen“, sagt Ilona Klimroth und seufzt. Mit Wegräumen ist es nicht getan, es mutet fast wie ein städtischer Service an. Am Höchster Weg an der Schwanheimer Düne gibt es eine Stelle, erzählt Klimroth, an der jemand regelmäßig Bauschutt ablädt. Die Stadt räumt es dann ja weg. Klimroth vermutet, die Frevler sind Auswärtige, aus Kelsterbach oder Hofheim. Frankfurter können ihren Unrat eigentlich auf den Wertstoffhöfen kostenlos abgeben. Lediglich für Bauschutt fallen Kosten an. 

Den Erziehungsgedanken hat die Kommune aufgegriffen. Im Frühjahr 2017 hat sie ihre Sauberkeitskampagne „Cleanffm“ ins Leben gerufen. Mehr Kontrolle durch Parkwächter sieht sie vor, Aufklärung und Werbung für einen pfleglichen Umgang mit dem öffentlichen Raum und mehr Mülleimer, auch farblich gestaltete, auffällige. 

Frau B. wäre derweil froh, wenn es am Parkplatz am Höchster Weg wenigstens einen normal gestalteten Müllbehälter gäbe. Für Hundekottütchen. Das Umweltamt hat die Anfrage an die FES weiter gegeben. Ähnliche Anfragen aus dem Ortsbeirat haben die Müllexperten in der Vergangenheit abgelehnt. Irgendjemand muss die ja dann leeren. 

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