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Ist diese Werbung in Ordnung oder nicht?

Sexismus in Frankfurt

Burger und Busen

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Ein Restaurant wirbt mit einer nackten Frau für seine Burger. Ist das in Ordnung? Und wie steht es mit der "Curvy Supermodel"-Werbung von RTL2? In Frankfurt ist sexistische Werbung ab Januar 2018 verboten.

Die Brüste einer Frau und Brötchenhälften sind zu einem Bild zusammengeschnitten. Der nackte Hintern einer Frau und Burgerbuletten ergeben in dem Video ein weiteres Bild. Mit dem Reklamefilm wirbt der Burgerladen Black Angus im Internet. Er eröffnet ein Geschäft in Frankfurt.

„Das Video ist absolut grenzwertig“, sagte dazu Anne Grote, die Sprecherin des Deutschen Werberates in Berlin. Der Werberat kontrolliert die deutsche Werbewirtschaft. In der „Fixierung auf einzelne Körperteile, ohne das Gesicht zu zeigen“, erkennt sie deutliche Zeichen von sexistischer Werbung. „Ich will dem Verfahren nicht vorgreifen“, sagte sie. Aber Reklame, die ein Geschlecht diskriminiert, lehne das Gremium ab. Der Geschäftsführer von Black Angus in Frankfurt nahm auf Anfrage der FR dazu keine Stellung,

Im vergangenen Jahr hätten sich 273 Menschen über Reklame, die ein Geschlecht diskriminiere, beschwert, sagte Anne Grote. In einem Drittel der Fälle seien die Unternehmen gerügt worden. „Eine Beschwerde reicht aus, dann gehen wir dem Fall nach.“

Die Beschwerdefälle hätten sich zuletzt gehäuft, sagte sie. Die Gesellschaft sei mehr sensibilisiert. Allerdings nicht immer zu Recht. Wie im klassischen Beispiel von Bikini-Werbung im Sommer, die zwar nackte Haut zeige, aber auf das Produkt verweise, die Trägerinnen auch nicht herabwürdige. Ähnlich verhalte es sich bei der „Curvy Supermodel“-Werbung von RTL2. Dabei würden selbstbewusste Frauen dargestellt. Das beanstande der Werberat nicht. Wohl aber die Deutsche Bahn. Zu viel Haut: Bahn lehnt "Curvy-Supermodel"-Werbung ab, meldet der Stern.

Doch zurück zum Werberat. Rügen für Firmen gibt es bei demütigenden Posen, sexistischen Slogans oder wenn es keinen Bezug zum Produkt gebe.  Das zeige Wirkung. Bei neun von zehn Beanstandungen reagierten die Firmen und zögen die Reklame zurück.

Im Falle der Werbung des Frischemarkts Venos auf der Berger Straße, wo eine kaum bekleidete Frau mit dem Slogan „Unverschämt frisch …“ zu sehen ist, laufe das Prüfverfahren noch.

Sexistische Werbung ab Januar 2018 verboten

In Frankfurt ist sexistische Werbung ab Januar 2018 verboten. Wenn der Anbieter der Außenwerbung dann die städtischen Litfaßsäulen oder Plakate bestückt, muss er sich an die neuen Regeln halten. Sie untersagen sexistische oder anderweitig diskriminierende Werbung.

„Wir sind gegen sexistische Werbung“, sagte Michael zu Löwenstein, der Fraktionsvorsitzende der CDU im Römer. Er verwies auf den Koalitionsvertrag, der eine entsprechende Gesetzesinitiative der Bundesregierung begrüßt. Ein solches Verbot müsse allerdings „bundesweit“ geregelt sein und dürfe nicht unterschiedlich von Stadt zu Stadt gehandhabt werden, gab er zu bedenken. Nötig seien auch „eindeutige Abgrenzungen“, was sexistische Werbung sei und was nicht; Bikini-Werbung gehöre nicht verboten.

Die Jungen Liberalen in Frankfurt sprachen wegen des Sexismus-Reklame-Verbots von „Spießigkeit“ und nannten den Magistrat einen „Sittenwächter“. Die mündigen Bürger dürften selbst „über Geschmack und Moral der Werbung entscheiden“, sagte Julia Aicher, die Vorsitzende der Jungen Liberalen in Frankfurt.

„Das hat mit Spießigkeit nichts zu tun“, sagte daraufhin Ursula auf der Heide (Grüne). Werbung, die auf „sex sells“ setze, habe in Frankfurt nichts verloren. Sie begrüßte die Änderung des Werbevertrags. „Uns geht es darum, dass Klischees und stereotype Vorstellungen von Menschen nicht in die Gesellschaft transportiert werden.“

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Ursula Busch betonte, dass „ständig wiederholte Stereotypen eine Verhaltensprägung verursachen“. Das habe die Werbeforschung gezeigt. Reklame, die Geschlechter diskriminiere, präge die „Rollenbilder von Männern und Frauen“. Es müsse „Grenzen“ dafür geben, wie Menschen in der Werbung dargestellt werden dürften, sagte sie.

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