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Wahlkampf: Ins Horn blasen für die Rennbahn.

Galopprennbahn Frankfurt

Bürgerentscheid: Pferde oder Fußball?

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Pferde oder Fußball? An jeder Ecke stehen in Frankfurt die Großplakate zum Bürgerentscheid über die Zukunft der Galopprennbahn. Am 21. Juni wird abgestimmt.

Manfred Louven ist zufrieden. Der Präsident des Rennklubs Frankfurt registriert mit Genugtuung die öffentliche Aufmerksamkeit, die der Kampf um die Zukunft der traditionsreichen Galopprennbahn findet. „Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen“, heißt seine Prognose zum Ausgang des ersten Bürgerentscheids in der Geschichte der Stadt Frankfurt. Wird der Turf geschlossen zugunsten einer Akademie des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) – wie es die Stadtregierung möchte – oder bleibt die Pferderennbahn bestehen?

Rund eine halbe Million Menschen ist am Sonntag, 21. Juni, zur Abstimmung aufgerufen. Auf dem Stimmzettel findet sich eine reichlich komplizierte Frage: „Sind Sie dafür, dass der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 16.10.2014 über die Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 916 ,DFB-Akademie – südlich Niederräder Landstraße‘ aufgehoben wird und somit die Galopprennbahn erhalten bleibt?“ Mit anderen Worten: Wer für den Erhalt des Turfs ist, muss mit Ja votieren, wer dagegen dem DFB die Möglichkeit einräumen will, künftige Nationalspieler zu schulen, mit Nein.

Am Anfang der Auseinandersetzung hat die Frankfurter Kommunalpolitik die Dynamik unterschätzt, die das Thema gewinnen würde. Längst geht es nicht mehr um Galopprennen, eine Sportart, die heute gewiss nicht mehr die Massen bewegt. Der Rennklub und seine Unterstützer haben eine andere politische Front aufgemacht: Die Stadt verschwende angeblich viel Geld, um dem DFB das Gelände in Niederrad unter Wert zuzuschanzen. Mit den mehr als 80 Millionen Euro, die da verschwendet würden, ließen sich alleine vier dringend benötigte neue Schulen bauen.

Am Freitag hat das Planungsdezernat reagiert: Es stellt den Medien einen umfangreichen „Fakten-Check“ zur Verfügung, in denen es sieben Behauptungen der Bürgerinitiative „Pro Rennbahn“ entgegentritt.

Hochglanz-Flyer verteilt

Manfred Louven, der Präsident des Rennklubs, wirft der Stadtregierung vor, von Anfang an „mit gezinkten Karten gespielt“ zu haben: „Es stand in Wahrheit nie zur Debatte, dass der DFB Frankfurt verlässt.“ In Wahrheit sei der Verband viel zu sehr in Frankfurt verankert, um umziehen zu können. Als Alternative zur Bebauung des Rennbahngeländes empfiehlt Louven denn auch die Erweiterung des traditionsreichen DFB-Geländes an der Otto-Fleck-Schneise.

Das Planungsdezernat widerspricht der Behauptung der Rennbahn-Freunde, der DFB werde das Gelände in Niederrad künftig kommerziell nutzen. Die Gewinne all seiner Gesellschaften dürfe der Fußball-Bund „nur zu gemeinnützigen Zwecken verwenden“. Dagegen gebe es auf der heutigen Rennbahn jede Menge kommerzieller Nutzung: Vom Golfplatz über ein privates Wettbüro bis zum Bistro.

Auch die These, die Stadt mache dem DFB ein Geschenk von 84 Millionen Euro, lässt das Planungsdezernat nicht stehen. Die bisherigen Pächter auf der Rennbahn seien nicht mit zehn Millionen Euro abgefunden worden. Tatsächlich habe nur der frühere Besitzer des Frankfurter Rennklubs, Manfred Hellwig, für seine früheren Investitionen eine Summe von 2,98 Millionen Euro erhalten. Auch werde keineswegs mit der Rennbahn selbst ein Wert von 25 Millionen Euro vernichtet: Diese Zahl entbehre jeder Grundlage.

Aber die politische Auseinandersetzung hat sich längst verselbstständigt. Da regen sich zum Beispiel die Bürger für Frankfurt (BFF) darüber auf, dass Sportdezernent Markus Frank (CDU) in der jüngsten Sitzung des Römer-Sportausschusses einen „Hochglanz-Flyer“ verteilt habe mit dem Titel „DFB-Akademie – in der Welt gefeiert, in Frankfurt zuhause“.

Wahrscheinlich hat die Welt davon überhaupt noch nichts mitbekommen.

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